Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

Dow Jones verliert deutlich: Dax durchbricht 11.600-Punkte-Mauer

Was für ein Abschluss: Mit einem akuraten neuen Rekord verabschiedet sich der Dax aus einer Handelswoche voller Höchststände. Die durch die EZB-Geldschwemme sowieso positive Grundstimmung an der Börse wird von US-Daten noch beflügelt.

11.600 Punkte - ein maßgeschneidertes Allzeithoch lieferte der Dax ab. Es war der fulminante Schlusspunkt einer Handelswoche voller Rekorde. Dabei zeigte sich der deutsche Leitindex zunächst unentschlossen, notierte über weite Strecken nur minimal im Plus. Am frühen Nachmittag legte er dann etwas stärker zu und markierte mit einem leichten Anstieg - getrieben von der Aussicht auf die Geldschwemme der Europäischen Zentralbank (EZB) - bereits die ersten Rekordstände.

Der entscheidende Impuls kam aus den USA: Dort brummt die Wirtschaft und schafft Arbeitsplätze. Außerhalb der Landwirtschaft wurden im Februar 295.000 Stellen geschaffen und damit 55.000 mehr als erwartet. Eine starke US-Konjunktur ist gut für die Währung, der Dollar profitierte von den Daten, der Euro fiel auf ein neues 11-Jahres-Tief. Eine schwache Währung ist gut für die Wirtschaft in Europa, europäische Aktien gehörten damit erneut zu den Gewinnern.

Auch der MDax war in Rekordlaune und stellte seinerseits eine neue Bestmarke bei 20.325 Punkten auf. Zu Beginn des Handelstages war es jedoch der TecDax, der für Aufsehen sorgte. Der Index der Technologiewerte stieg nämlich erstmals seit 2001 wieder über die Marke von 1600 Punkten. Zur Hochzeit der Dotcom-Euphorie kurz nach der Jahrtausendwende hatte der damals noch unter Nemax-50 bekannte deutsche Technologieindex bei über 9600 Punkten gelegen.

Aufwärts ging es vor den EZB-Anleihekäufen, die am Montag beginnen, mit den Kursen der Staatsanleihen aus der Eurozone, die Renditen fallen im Gegenzug. Nach Ansicht der Devisenexperten von Barclays wird die Rendite deutscher zehnjähriger Bundesanleihen in Richtung 0,24 (aktuell 0,29) Prozent fallen und den Euro mit nach unten ziehen. Barclays rechnet mit einer Abschwächung des Euro auf zunächst 1,0835 und dann 1,0765 Dollar.

Deutschland: Dax am Ende unterhalb der 11.600

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Der Dax schloss nach seinem starken Spurt auf 11.600 Punkte am Schluss des Handelstages "nur" mit einem Plus von 0,4 Prozent auf 11.551 Punkten. Natürlich gleichzeitig auch ein neuer Rekord-Schlussstand.

Sein kleiner Bruder MDax notierte am Ende 0,2 Prozent höher bei 20.284 Zählern, nachdem er am späten Nachmittag ebenfalls ein neues Allzeithoch bei 20.325 Punkten aufgestellt hatte.

Der technologielastige TecDax versuchte, die 1600er Marke hinter sich zu lassen und stieg schließlich 0,8 Prozent auf 1604 Punkte. Nahezu unverändert notierte letztendlich der Euro-Stoxx-50 und schloss bei 3619 Punkten.

Deutsche Aktien: Die Nummer 1 heißt ThyssenKrupp

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Deutlicher Spitzenreiter im Dax waren am Ende des Handelstages die Aktien des Stahl- und Technologiekonzerns ThyssenKrupp, die 3,4 Prozent zulegten. Unterstützung für den Titel kam aus Brüssel: "Die EU scheint Zölle auf die Einfuhr von rostfreiem Stahl aus China und Taiwan vorzubereiten", sagte ein Händler. So sollen dem Händler zufolge die Zölle für Einfuhren aus China um 25 Prozent steigen.

Am Aktienmarkt sorgte auch der Bankensektor für Schlagzeilen. So soll die Commerzbank kurz davor stehen, zur Beilegung von Rechtsstreitigkeiten in den USA 1,4 Milliarden Dollar zu zahlen. Dabei geht es um Geldwäschevorwürfe und Verletzung von Sanktionen. Die Commerzbank-Aktie legte um 0,7 Prozent zu.

Stark zeigten sich erneut Adidas mit einem Plus von 0,8 Prozent. Bereits gestern konnte der Sportartikelkonzern aufgrund eines optimistischen Ausblicks kräftig zulegen.

Continental profitierten nach einer Reihe von Kurszielerhöhungen nur leicht, die Aktien rückten um 0,6 Prozent vor. Unter anderem hatten Citigroup und Barclays das Kursziel auf 270 und 217 Euro erhöht. Auf der Verliererseite standen RWE und Eon mit Abschlägen von 2,6 und 2,0 Prozent.

Deutsche Aktien II: Salzgitter AG machen es Thyssen nach

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Im MDax landeten Jungheinrich nach der Vorlage von Rekordzahlen weit oben. Die Aktien legten 3,1 Prozent zu. Positiv beurteilten Händler das Zahlenwerk: "Der Auftragseingang steigt, und die Marge ist stabil", sagte ein Händler. Für die Zukunft lasse das weiter steigende Umsätze und auch Gewinne erwarten.

MDax-Spitzenreiter waren jedoch Salzgitter AG mit einem Zuwachs von 4,5 Prozent. Der Stahlproduzent aus Niedersachsen könnte ähnlich wie ThyssenKrupp von Stahl-Zöllen der EU profitieren.

Symrise verloren hingegen 1,2 Prozent. Der Duft- und Aromenhersteller muss sich einen neuen Finanzvorstand suchen, weil der bisherige zum Jahresende 2015 auf eigenen Wunsch ausscheidet.

Im TecDax gewann das Index-Schwergewicht BB Biotech 3,9 Prozent. Xing stiegen am Ende um 4,9 Prozent auf 141,60 Euro, nachdem sie im Tagesverlauf ein neues Rekordhoch bei 146,40 Euro markiert hatten. Die Commerzbank hatte am Donnerstag das Kursziel für die Aktie des sozialen Netzwerks auf 160 von 120 Euro erhöht.

USA: Arbeitsmarktbericht sorgt für gemischte Reaktionen

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Die überraschend guten Arbeitsmarktdaten lösen an der Wall Street gemischte Gefühle aus. Denn diese treiben den Dollar kräftig nach oben, wovon Investoren am Aktien- und Anleihemarkt alles andere als begeistert sind.

Bei den Einzelwerten stand Apple im Fokus. Der iPhone-Hersteller wird den Telekom-Konzern AT&T ab Mitte März im Dow-Jones-Index ersetzen. Dadurch wird sich das Gewicht in dem Index stark verändern. Während AT&T an der Börse knapp 180 Milliarden Dollar wert ist, kommt Apple fast 740 Milliarden. Die Apple-Aktie legte 0,2 Prozent zu, AT&T verlor 1,5 Prozent.

Der Dow-Jones-Index gab 1,5 Prozent auf 17.856 Punkte nach. Der S&P-500 fiel 1,4 Prozent auf 2071 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verringerte sich um 1,1 Prozent auf 4927 Punkte.

"Insgesamt dürften die Erwartungen an eine baldige Zinswende in den USA von den soliden Zahlen gestützt werden" kommentiert die Helaba die Arbeitsmarkt-Daten. Damit könnte die Zeit des billigen Geldes, das die US-Aktien auf Rekordstände getrieben hatte, schon früher als von vielen gedacht beendet sein.

Rohstoffe: Ölpreise geben leicht nach

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Am Rohstoffmarkt sind die Ölpreise wieder leicht gefallen. Späten Abend kostete ein Barrel (etwa 159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im April 59,73 Dollar und damit 1,2 Prozent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) sinkt um 2,3 Prozent auf 49,61 Dollar.

Die Ölpreise haben sich seit einigen Wochen auf dem aktuellen Niveau stabilisiert. Auch die Volatilität der Märkte lässt nach: In dieser Woche schwankten die Preise so wenig wie seit Dezember nicht mehr. Wie lange das so bleibt, ist unklar. In den USA befinden sich die Lagerbestände an Rohöl weiter auf hohem Niveau. Vereinzelt gibt es jedoch auch Hinweise auf eine steigende Nachfrage. So hat Saudi-Arabien in dieser Woche seine Preise wieder teilweise erhöht.

Asien: Nikkei trotzt Fernost-Trend

In Ostasien pendelten die Börsen zum Wochenausklang derweil im Spannungsfeld verbesserter Wachstumsaussichten für Europa und eher düsterer Perspektiven für China. Während die Börse in Tokio auf ein neues 15-Jahres-Hoch klettert, dümpeln die übrigen Handelsplätze relativ regungslos vor sich hin. In China wird die Stimmung dadurch gedämpft, dass Premierminister Li Keqiang auf dem Nationalen Volkskongress mit seltener Schonungslosigkeit die Probleme des Riesenreiches aufgeführt hat.

In Tokio steigt der Nikkei 225 im späten Geschäft um 1 Prozent auf 18.947 Punkte. Der Markt setze große Hoffnungen auf das Wertpapieraufkaufprogramm der EZB, heißt es. In China pendeln die Börsen um die Vortagesschlusskurse. Erneut bremst bremst die Flut an Börsengängen. "Es gibt eine gewisse Liquiditätsverknappung angesichts der 23 Börsengänge in der kommenden Woche", sagt ein Analyst von Shanxi Securities. In Hongkong deutet sich der schwächsten Wochenverlauf seit Dezember 2014 an.

Quelle: n-tv.de

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