Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

Starker Ölpreis, sanftere Griechen: Dax schließt mit neuem Rekord

Der ganz große Coup bleibt aus - dennoch setzt der deutsche Leitindex an der Frankfurter Börse heute neue Akzente. Kurz vor der 11.000-Punkte-Marke markiert er im Handelsverlauf ein neues Allzeithoch. Am Ende reicht es noch zu einem Rekord-Schlussstand.

Der deutsche Aktienmarkt war auch heute nicht zu bremsen: Bereits kurz nach Handelsbeginn schoss der Dax auf ein neues Rekordhoch, knackte die 10.900-Punkte-Marke und stellte wenig später ein vorläufiges Allzeithoch bei 10.985 Zählern auf. Am Ende jedoch scheiterte er an der psychologisch wichtigen Marke von 11.000 Punkten und schloss mit einem Plus von 0,6 Prozent bei 10.891 Zählern - immerhin der höchste Schlusskurs der Dax-Geschichte.

Der Nebenwerte-Index MDax stieg um 0,6 Prozent nach oben auf 18.801 Zähler, der technologielastige TecDax legte 0,5 Prozent zu auf 1490 Punkte. Der Euro-Stoxx-50 gewann 1,4 Prozent und schloss bei 3417 Punkten.

"Es sieht so aus, als würde der Markt gar nicht runterkommen wollen, egal was passiert", sagte Fondsmanager Stefan Riße bei n-tv. Weder politische Unsicherheiten in Griechenland noch schwache Vorgaben der Wall Street schienen daran etwas ändern zu können. Riße warnte aber auch: Die Erfahrung zeige, dass "wenn der Markt so aussieht, als könnte er gar nicht runtergehen, dann kommt plötzlich doch aus heiterem Himmel der Weg nach unten". Deshalb ist er überzeugt: "Wir sehen in diesem Jahr noch Kurse unter 10.000 Punkten im Dax."

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 "Es gibt keine Alternative zu Aktien", sagte ein Händler zu der Rekordlaune des deutschen Leitindex. Die Liquidität sei unverändert hoch und auf der Zinsseite sei kein Geld zu verdienen. Seinen Angaben zufolge hat es in den vergangenen Wochen große Umschichtungen aus den USA nach Europa gegeben. Auch wenn dieser Strom langsam versiege, gebe es eine Reihe von Investoren, die am Aktienmarkt noch untergewichtet seien.

Unverändert wurde an der Börse auf alle Nachrichten rund um die Schuldengespräche mit Griechenland geachtet. Positiv wurde die gestiegene Bereitschaft der neuen griechischen Regierung gewertet, konstruktive Gespräche mit den Geldgebern zu führen. Ob das vom griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis nun vorgeschlagene Umschuldungsprogramm die Lösung ist, bleibe abzuwarten. In ein solches Umschuldungsprogramm könnten Anleihen einfließen, die an das griechische Wirtschaftswachstum gekoppelt seien, schlägt Varoufakis vor.

Der griechische Vorstoß ähnelt den Vorschlägen von Politikern und Analysten, die das Land über längere Laufzeiten und niedrigere Zinszahlungen entlasten wollen. Am morgigen Mittwoch trifft sich Voroufakis mit Mario Draghi, dem Chef der Europäischen Zentralbank. Für Donnerstag plant er ein Gespräch mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.

Hoffnung auf EZB-Geldspritze treibt weiter an

Als weitere mögliche Ursache für den Rekordlauf wird von Marktbeobachtern die "Klassiker"-Begründung angeführt: Die Aussichten auf eine Geldflut von der Europäischen Zentralbank (EZB) und die sich wieder stabilisierenden Ölpreise, die auch den US-Börsen im frühen Handel Auftrieb gaben. "Über allem aber schwebt weiterhin die im März startende Geldspritze der Europäischen Zentralbank", so Andreas Paciorek, Analyst von CMC Markets. "Diese macht den Dax gegenüber negativen Nachrichten immun", ergänzte er.

Einige Börsianer verwiesen zudem auf Aussagen von Asoka Wöhrmann von der Deutschen Asset & Wealth Management. Der Chef-Anleger der Vermögensverwaltungstochter der Deutschen Bank hatte in einem Interview mit dem "Handelsblatt" die Aufstockung des Anleihe-Ankaufsprogramms der EZB zum Jahresende ins Gespräch gebracht, weil der Inflationsdruck wegen des niedrigen Ölpreises gering bleibe.

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Steigender Ölpreis verhilft Dow Jones nach oben

Die Hoffnung auf eine Lösung im Streit über Griechenlands Schuldenprobleme hat die Kurse an der New Yorker Wall Street im Dienstagshandel beflügelt. Die Anleger reagierten erleichtert auf Kompromiss-Signale, die die neue Regierung in Athen an die Adresse der internationalen Geldgeber richtete. Das von Finanzminister Yanis Varoufakis skizzierte Umschuldungsmodell stößt bei Vertretern der Eurozone allerdings auf Vorbehalte.

Die US-Börsen verbuchten deutliche Kursgewinne: Der Dow-Jones-Index schloss mit einem Aufschlag von 1,76 Prozent bei 17.666 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 ging 1,44 Prozent höher bei 2049 Zählern aus dem Handel. An der Technologiebörse Nasdaq gewann der Nasdaq-Composite 1,09 Prozent und schloss bei 4727 Punkten.

Für Rückenwind sorgt neben der Entspannung um Griechenland und den weiter steigenden Ölpreisen die Liquiditätsflut an den Märkten. Im Plus lagen auch die Kurse für die wichtigsten Rohöl-Sorten: Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im März kostete am Abend 58,22 Dollar und damit 3,19 Dollar mehr als zu Wochenbeginn. Der Preis für ein Fass der US-Referenzssorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 2,24 Dollar auf 52,08 Dollar.

Autowerte legten in den USA nach überraschend starken Absatzzahlen im Januar deutlich zu. So sorgte der gesunkene Benzinpreis für einen deutlichen Anstieg der Nachfrage. Der Kurs von General Motors stieg 2,6 Prozent, der von Ford 2,5 Prozent. Zudem standen die Büroartikel-Händler Office Depot und Staples im Rampenlicht: Beide Unternehmen sind einem Pressebericht zufolge in fortgeschrittenen Fusionsverhandlungen. Die Aktien von Office Depot schossen 21,5 Prozent in die Höhe und Staples-Papiere um 10,9 Prozent.

Mit einer uneinheitlichen Tendenz zeigten sich die Kurse an den Fernost-Börsen. Kräftig nach oben ging es in Sydney, deutlich nach unten dagegen an der Börse in Tokio, wo sich der Nikkei-225 um 1,3 Prozent auf 17.336 Punkte reduzierte. Die Börsen in China zeigten sich mit Tendenz nach oben: Der Shanghai-Composite legte 2,5 Prozent zu, der Hang-Seng-Index stieg um 0,3 Prozent.

Neue Signale der griechischen Regierung hatten den Kurs des Euro am Dienstag deutlich nach oben getrieben. Am Devisenmarkt stieg Europas Gemeinschaftswährung auf 1,1450 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit dem 22. Januar. An seinen jüngsten Gewinnen zum Schweizer Franken konnte der Euro festhalten und kletterte sogar auf 1,0579 Franken.

RWE und Eon sinken in einer Dax-Parallelwelt

Größte Gewinner im Dax waren die Bankentitel: Commerzbank und Deutsche Bank legten zwischen 3,4 und 3,2 Prozent zu. Stark zeigten sich auch die Papiere von ThyssenKrupp, die um 2,5 Prozent zulegten. Hier half laut Händlern eine positive Analystenstudie: Die Experten von Exane BNP Paribas hatten das Kursziel um neun Prozent auf 24 Euro angehoben. Am Ende schloss die Aktie bei einem Kurs von 23,29 Euro.

Auch Autotitel waren gefragt, nachdem die Societe Generale die Branche auf "Übergewichten" angehoben hat: BMW, Daimler und Volkswagen legten zwischen 2,4 und 1,2 Prozent stärker als der Gesamtmarkt zu.

Unter massiven Druck gerieten hingegen die Kurse der deutschen Versorger. Auslöser war die Vorlage des Schlussantrags des Generalanwalts zur Brennelementesteuer vor dem europäischen Gerichtshof in Luxemburg. "Das Schlüsselwort dabei ist, dass die Steuer mit dem EU-Recht vereinbar sein soll", sagte ein Händler. Damit sei die Chance, dass die Versorger ihr Geld wiedersehen werden, "gegen Null" gegangen. Die Aktien von Eon fielen um 3,9 Prozent und RWE um 4,6 Prozent.

Nicht ganz so stark waren die Verluste von Lufthansa, die bereits am Vortag mit minus 3,3 Prozent kräftig abgegeben hatten. Neben dem Ölpreis belasteten Streikdrohungen der Flugbegleiter. Die Aktie verlor 2,4 Prozent.

"Befreiungsschlag" für Südzucker

Im MDax schossen Südzucker um 15,7 Prozent in die Höhe. Goldman hatte die Aktien auf "Neutral" von "Sell" hochgenommen. Im Handel war von einer Art Befreiungsschlag für die Aktie die Rede. Bilfinger legten mit 6,7 Prozent ebenfalls stark zu.

Tom Tailor setzten sich mit einem dicken Plus von mehr als 12 Prozent an die Spitze des SDax. Das Analysehaus Warburg Research hatte die Aktie der Mode-Holding nach Zahlen von "Hold" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 13,00 auf 13,50 Euro angehoben. Die Margen des Modehändlers dürften sich weiter verbessern, schrieb Analyst Jörg Frey in einer Studie.

Quelle: n-tv.de

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