Wirtschaft
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Dax-Anleger sind im Ausverkauf: Dow entscheidet sich spät für Gewinne

265 Punkte verliert der Dax von seinem Tageshoch. Der Ölpreis ist nicht der Grund, denn der steigt deutlich. Am deutschen Aktienmarkt wird gerätselt und spekuliert. Anders in de USA. Dort sorgen Öl und viele Zahlen für grüne Vorzeichen.

Mit deutlichen Verlusten zum Handelsschluss hat der deutsche Aktienmarkt einen rabenschwarzen Börsentag beendet. Nachdem der Dax am Vormittag angetrieben durch einen anziehenden Ölpreis geklettert war, kippte dann die Stimmung, Der Dax markierte am Abend bei 9595 Zählern sein Tagestief. Als Begründung für diesen Ausverkauf führten einzelne Marktteilnehmer Aussagen der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) an. Ander verwiesen auf fallende Kurse der Italo-Banken. Ein Händler schloss Portfolio-Bereinigungen institutioneller Anleger vor dem Monatsultimo nicht aus. Die Anleger seien verunsichert, sagte n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel.

In den USA sorgten die steigenden Ölpreise für steigende Aktienkurse. Hinzu kamen eine ganze Reihe von überzeugenden Quartalszahlen. Der Handel gestaltete sich allerdings recht volatil, erst im späten Verlauf konnten die Indizes ihre Gewinne stabilisieren. "Die hohe Volatilität zeigt, dass es derzeit eine ganze Reihe von wichtigen Faktoren gibt, die für jeden Investoren eine andere Bedeutung haben", sagte Investment-Stratege Dan Farley von U.S. Bank Wealth Management.

Letztlich schloss der Dow-Jones-Index 0,8 Prozent fester bei 16.070 Punkten. Der S&P-500 legte um 0,6 Prozent zu auf 1893 Punkte. Der Nasdaq-Composite verzeichnete einen Aufschlag von 0,9 Prozent auf 4507 Stellen.

Dax endet tiefrot

Der Dax schloss mit einem Abschlag von 2,4 Prozent und 9640 Punkten. Am Mittwoch war er mit 9881 Zählern auf Tageshoch und über der charttechnisch wichtigen 9850er Marke aus dem Handel gegangen. Über dieser ist der Weg bis an die psychologisch wichtige 10.000er Schallmauer frei. Der MDax sackte 1,6 Prozent ab auf 19.017 Zähler. Der TecDax verlor 3,1 Prozent auf 1643 Stellen.

Neue geldpolitische Signale kamen von der Fed nicht.  Notenbank-Chefin Janet Yellen hatte vor allem die Risiken für die Wirtschaft durch die Turbulenzen an Chinas Börsen und am Ölmarkt hervorgehoben. Einige Anleger hätten jedoch Hinweise auf ein Hinauszögern der geplanten weiteren Zinserhöhungen gehofft, sagte Marktexperte Angus Nicholson vom Brokerhaus IG Markets.

Nach Einschätzung von Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank, müssen die Währungshüter aber an ihrem Mitte Dezember eingeschlagenen Kurs festhalten, um ihre Glaubwürdigkeit nicht aufs Spiel zu setzen. "Voraussichtlich wird die US-Notenbank weiter nachlegen. Der Zinserhöhungszyklus könnte als großer Fehler in die Geschichtsbücher eingehen." Kritiker fürchten, dass die fragile Erholung der Konjunktur durch höhere Zinsen ausgebremst werden könnte.

Was passiert in Italien?

Einige Marktteilnehmer sahen in der Schwäche der Italo-Banken auch einen Belastungsfaktor für den deutschen Aktienmarkt. In Mailand fielen die Aktien von Unicredit, Ubi Banca, Monte dei Paschi und Banca Popolare di Milano um mehr als 6 Prozent.

Italiens Geldhäuser sitzen auf einem Berg von milliardenschweren faulen Krediten. Die italienischen Regierung und die EU-Kommission einigten sich deshalb zur Wochenmitte auf die Schaffung einer "Bad Bank". Allerdings verwies die Societe Generale (SocGen) darauf, dass viele Fragen noch ungeklärt seien. So etwa, ob alle Banken oder das gesamte Portfolio fauler Kredite durch das Abkommen gedeckt seien. Laut SocGen haben Anleger unrealistisch hohe Erwartungen an den Bad-Bad-Deal. Das Problem der faulen Kredite werde nicht wie durch Zauberhand verschwinden.

Rohstoffe: Ölpreis springt an

Klar nach oben ging es mit den Ölpreisen, die zum US-Settlement auf den höchsten Stand seit drei Wochen stiegen. Allerdings konnten zwischenzeitliche noch stärkere Aufschläge nicht verteidigt werden. US-Leichtöl der Sorte WTI legte um 2,9 Prozent auf 33,22 Dollar zu, nach einem Tageshoch von knapp unter 35 Dollar. Ein Barrel der europäischen Referenzsorte Brent stieg um 2,4 Prozent auf 33,89 Dollar. Vor allem die Hoffnung auf Förderkürzungen trieb die Preise an. Russland hat sich nach den Worten von Energieminister Alexander Nowak zu einem Treffen mit der Opec bereit erklärt, um über eine "mögliche Koordination" bei der Ölförderung zu sprechen. Auch Saudi-Arabien sei bereit, mit anderen Ölförderländern zusammenzuarbeiten, um den Ölmarkt zu stabilisieren, sagte ein Opec-Vertreter.

"Der Fall der Ölpreise in der vergangenen Woche unter die Marke von 30 Dollar hat die Chance erhöht, dass das Unmögliche doch möglich wird", so Ole Hansen, Rohstoff-Stratege bei der Saxo Bank. "Saudi-Arabien und Russland haben mit immer größerem Entsetzen auf die weiter fallenden Ölpreise geschaut", ergänzte der Teilnehmer.  Aussagen der US-Notenbank verlieren ihren Schrecken

Dax: "Enorme" Altlasten bei Deutscher Bank

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Auch nach den detaillierteren Zahlen zum vergangenen Jahr rieten Händler bei Deutsche Bank zur Vorsicht: Weder aus den Details zu den Ergebnissen für das vierte Quartal noch aus den Aussagen des Vorstandschefs John Cryan ließen sich Gründe für Käufe der Aktie herauslesen: "Die Aussagen von Cryan sind doch eher vorsichtig und legen den Schluss nahe, dass es noch längere Zeit dauern dürfte für eine durchgreifende Erholung". Die Altlasten seien "einfach enorm". Die Aktien büßten rund 5 Prozent ein. Commerzbank fielen nahezu 3 Prozent.

Volkswagen-Titel schlossen 2,3 Prozent schwächer. Der Konzern startete seinen Rückruf für Millionen Diesel-Pkw. Die Kosten dafür sind nur schwer bezifferbar. Auch Daimler und BMW büßten ein: fast 3 Prozent und rund 2,5 Prozent.

Lufthansa-Titel zollten dem gestiegenen Ölpreis Tribut. Sie verloren fast 5 Prozent. Allerdings konnten sie zuvor auch vom Ölpreis-Verfall profitieren. Einzige nennenswerte Dax-Gewinner waren RWE mit rund 1 Prozent Aufschlag und Adidas mit etwa 0,4 Prozent.

MDax: Salzgitter überrascht

Salzgitter legten zeitweise fast 10 Prozent zu, schlossen dann mit einem Aufschlag von mehr als 8 Prozent. Der Stahlkonzern war im vergangenen Jahr in die Gewinnzone zurückgekehrt. "Die Stahlwerte hängen weiterhin davon ab, dass China Kapazitäten aus dem Markt nimmt", sagte ein Händler. ThyssenKrupp büßten rund 2 Prozent ein.

Deutlich unter Druck standen Aurubis. Die Papiere sackten 7,5 Prozent ab, nachdem sie bereits am Mittwoch etwa 8 Prozent abgegeben hatten. Der Grund war ein überraschender Gewinneinbruch, dem sich nun auch Analystenhäuser widmen und sich negativ zur Aktie äußerten.

TecDax: Compugroup schlagen sich tapfer

Compugroup hielten sich lange im positiven Bereich, schlossen dann aber doch 0,8 Prozent schwächer. HSBC nahm die Aktie auf die Kaufliste. Marktanalysten sehen nun gute Chancen für eine nachhaltige Neubewertung mit neuen Rekordständen. Das Unternehmen soll in Zukunft von der neuen elektronischen Gesundheitskarte profitieren.

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Wirecard verloren 4 Prozent. Bei Wirecard decke sich der Umsatz im vierten Quartal mit 230,6 Millionen Euro mit der Schätzung seines Hauses, sagt ein Händler. Das EBITDA liege mit 68,7 Millionen Euro leicht über der Prognose. "Wir liegen mit unseren Schätzungen aber am oberen Rand der Erwartungen von Analysten", sagte er.

USA: Ölpreis und Facebook

An der Wall Street verteuerten sich Facebook-Aktie um 15,5 Prozent und verzeichnete damit das kräftigste Plus seit zwei Jahren. Das soziale Netzwerk verdiente im vierten Quartal erstmals über 1 Milliarde Dollar und überzeugte mit seinem Geschäftsbericht. Von einer Erleichterungsrally sprach Canaccord-Analyst Camilo Lyon mit Blick auf die Aktie des Sportartikelherstellers Under Armour. Die Papiere legten um 22,6 Prozent zu.

Texas Instruments gewannen 0,9 Prozent, obwohl sich der Chiphersteller für das laufende Quartal eher pessimistisch gegeben hatte. Im Schlussquartal des vergangenen Jahres hat das Unternehmen aber trotz eines leichten Umsatzrückgangs den Gewinn gesteigert. Beim Halbleiterhersteller Qualcomm brach der Gewinn im ersten Quartal um 24 Prozent ein. Auch der Ausblick auf das laufende zweite Quartal enttäuschte. Die Aktie fiel um 8,3 Prozent. Um 12,5 Prozent stürzten Ebay ab, nachdem der Online-Marktplatz im Schlussquartal 2015 zwar mit Umsatz und Ergebnis genau die Prognosen der Analysten getroffen hat, aber bereits den vierten Umsatzrückgang in Folge vermeldete. Überdies gab das Unternehmen einen enttäuschenden Ausblick.

Mit Enttäuschung wurde der Ausblick von Juniper Networks aufgenommen, obwohl das Unternehmen im Dezember-Quartal in die Gewinnzone zurückgekehrt ist und dabei überraschend gut abgeschnitten hat. Der Kurs brach um 15,4 Prozent ein. Paypal gewannen nach der Vorlage überraschend guter Geschäftszahlen 8,4 Prozent. Sandisk hat zwar aufgrund von Sondereinflüssen einen Gewinnrückgang verzeichnet, dabei aber immer noch die Erwartungen übertroffen. Die Aktien rückten um 4,7 Prozent vor. Abbott Labs rauschten um 9,3 Prozent in die Tiefe. Der Pharmakonzern hat mit einem Gewinneinbruch im vierten Quartal und einem trüben Ausblick auf das neue Jahr enttäuscht.

Caterpillar verbesserten sich um 4,7 Prozent. Der Baumaschinenkonzern hat im vierten Quartal unter der Kaufzurückhaltung wichtiger Kunden aus dem Bergbau sowie Restrukturierungskosten gelitten und ist in die Verlustzone gerutscht. Doch der Gewinnausblick liegt für 2016 mit bereinigt 4 Dollar je Aktie über der Schätzung der Analysten von 3,48 Dollar.

Asien: Börsen interpretieren Fed-Aussagen

An den asiatischen Börsen war keine klare Richtung erkennbar. Die Tokioter Börse erlebte ein Auf und Ab im Handelsverlauf. Am Ende verlor der Nikkei seine zwischenzeitlichen Kursgewinne wieder und schloss 0,7 Prozent im Minus bei 17.041 Punkten. Der breiter gefasste Topix ging 0,6 Prozent niedriger aus dem Handel bei 1392 Zählern.

Auch die Börsen in China trudelten mit Anzeichen neuer Panikverkäufe wieder abwärts. Der Leitindex Shanghai Composite schloss 2,9 Prozent tiefer bei 2656 Punkten. Der Shenzhen Composite gab 2,6 Prozent nach. Auch in Hongkong lagen die Indizes im roten Bereich. Außerhalb Japans behaupteten sich hingegen einige Aktien. Der entsprechende MSCI-Index verbesserte sich 0,2 Prozent.

Die Anleger versuchten offenbar noch, die Zinsentscheidung der Fed zu interpretieren. Schon die Wall Street hatte am Vortag eine hohe Volatilität verzeichnet. Nach dem Zinsentscheid beschleunigten sich die Verkäufe. Die Anleger hatten einen noch vorsichtigeren Tenor in der Erklärung der Zentralbank erwartet.

Devisen: Euro deutlich über 1,09

Schwache Industriedaten aus den USA verhalfen dem Euro zu einem Sprung. Die Gemeinschaftswährung kostete im Tageshoch 1,0945 Dollar. Am Abend lag sie bei 1,0937 Dollar. Das war ein Aufschlag von 0,3 Prozent zum Mittwochabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Mittwochmittag auf 1,0888 Dollar fest nach 1,0837 Dollar am Dienstag.

Im Dezember waren die Auftragseingänge in den USA mit minus 5,1 Prozent deutlich stärker eingebrochen  als erwartet. Der Dollar geriet deshalb unter Beschuss.

Quelle: n-tv.de

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