Wirtschaft
Verdammte Axt: Der Kursrutsch am deutschen Aktienmarkt zum Wochenschluss ist zum Haareraufen.
Verdammte Axt: Der Kursrutsch am deutschen Aktienmarkt zum Wochenschluss ist zum Haareraufen.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Ausverkauf - Händler raten zur Vorsicht: Dax klatscht unter die 9400

Schlechter konnte die Handelswoche nicht enden: Nach einem kurzen Abstecher in positives Terrain schmieren Dax und Co. deutlich ab, die Kurse brechen auf breiter Front ein, psychologisch wichtige Marken fallen nacheinander.

Dem von n-tv-Börsenexperte Frank Meyer prognostizierten Start am deutschen Aktienmarkt folgt zum Schluss der Handelswoche ein regelrechter Ausverkauf. Die positiven Vorzeichen vom Morgen erwiesen sich als trügerische Bullenfalle.

Nachdem der Dax das Tageshoch bei 9664 Stellen erklommen hatte, drehte die Stimmung und der Leitindex krachte bis zum Nachmittag durch die 9600er und die 9500er Marke. Als dann auch noch die Wall Street deutlich schwächer öffnete und der Dow um die 16.000er Marke bangen musste, fiel der Dax weiter, markierte bei 9374 Stellen letzten Endes sein Tagestief und verabschiedete sich mit 9392 Punkten und einem Abschlag von 2,5 Prozent aus dem Handel.

Der MDax büßte 2,6 Prozent ein und mit 16.301 Zählern auch deutlich die 16500er Marke. Nicht besser erging es dem TecDax, der 2,4 Prozent einbrach und mit 1220 Stellen den Handel und damit die Woche beendete.

"Luft am Markt ist raus"

Ein beherrschendes Thema bleibe China, sagte Meyer noch am Morgen - und er behielt Recht. Negativ aufgenommene Konjunkturdaten hatten den deutschen Leitindex am Donnerstag bereits belastet und am Freitag die Börsen in Fernost deutlich unter Druck gesetzt. Der Nikkei gab kräftig nach und auch der MSCI-Index für die Aktienmärkte außerhalb Japans verlor 0,8 Prozent und sank damit auf den tiefsten Stand seit viereinhalb Monaten.

Nach Einschätzung von Aktienhändlern ist nun die "Luft am Markt vorerst raus". Sie rieten beim gegenwärtigen Marktumfeld zur Vorsicht bei Aktien, welche die Kursverluste der vergangenen Tage noch etwas ausweiten. "Viele Parameter weisen auf steigende Risiken hin", sagte ein Händler. So wertete beispielweise der australische Dollar zum Yen stark ab. Bei diesem "Cross" werde eine stark konjunkturabhängige Rohstoffwährung einerseits gegen einen sicheren Hafen andererseits bewertet. Im Vergleich: Der Goldpreis zog deutlich an und markiert ein Mehrmonatshoch.

Verluste satt

Im Leitindex notierten zum Handelsschluss alle 30 Werte im Minus. Die stärksten Verluste wiesen Adidas mit rund 5,5 Prozent auf. Händler verweisen auf einen negativen Analysten-Kommentar, wonach der Sportartikelhersteller von einer ungünstigen Währungsentwicklung belastet werden könnte. Deutsche Post und Daimler folgten mit 4,4 und 3,7 Prozent im Minus. Lufthansa verloren 3,3 Prozent - obwohl der für Mittwoch geplante Fluglotsen-Streik vorerst von der Gewerkschaft der Flugsicherung abgesagt wurde.

Auch Conti - zunächst deutlich auf der Gewinnerseite - schlossen tiefer: 1,8 Prozent. Conti halfen optimistische Aussagen zum Reifen-Markt daher nur zwischenzeitlich: Der französische Konkurrent Michelin hatte am Vorabend mitgeteilt, dass der europäische Markt für Pkw- und Lkw-Reifen im Dezember von einer anziehenden Nachfrage profitiert habe und um acht Prozent gewachsen sei. Insgesamt habe der Markt im Jahr 2013 um 1 Prozent zugelegt.

Die geringsten Verluste konnte immerhin noch Lanxess vorweisen, deren Minus mit 0,2 Prozent deutlich unter dem Marktdurchschnitt lag. Im Wochenvergleich büßten sie im Dax mit mehr als 9 Prozent aber am deutlichsten ein.

Die Musik spielt im MDax

Im MDax schlug sich Celesio wacker und war mit großem Abstand der einzige Gewinner im Nebenwerteindex. "Der Deal ist durch", sagte ein Händler vor dem Hintergrund der Übernahme durch McKesson. Berichte vom Vortag, denen zufolge die Haniel-Holding den Anteil des US-Hedgefonds Elliott übernimmt und mitsamt des eigenen Anteils an McKesson weiter veräußert, hätten sich bewahrheitet - ebenso wie der Kaufpreis von 23,50 Euro für die Minderheitsaktionäre. Auf diesem Niveau sei die Aktie bis auf weiteres unterstützt. Allerdings schloss das Papier bei 34,90 Euro. Im Wochenvergleich waren es mehr als 8 Prozent.

Nun rückt wieder das operative Geschäft in den Fokus. Am 18. März veröffentlicht Celesio die Ergebnisse für 2013.

RTL-Papiere verbilligten sich um 4,2 Prozent. Händlern zufolge soll Morgan Stanley eine Million Aktien für einen institutionellen Anleger im beschleunigten Bookbuilding platzieren. Als Preis wurden 89,50 Euro je Aktie genannt. "Das Placement entspricht einem Anteil von 0,65 Prozent und dürfte bereits abgeschlossen sein", sagte ein Broker. Der Kurs der Aktie sei nach dem gescheiterten Versuch, über die 100-Euro-Marke zu springen, in den vergangenen Wochen etwas zurückgefallen. "Das könnte einen Anleger bewogen haben, Kasse zu machen", vermutete ein anderer Händler.

Wacker Chemie gerieten mit 3,7 Prozent unter die Räder: Das Unternehmen hat sich die Mehrheit an dem Gemeinschaftsunternehmen Siltronic Samsung Wafer geschnappt. Bislang waren der Spezialchemiekonzern als auch Samsung paritätische Partner. Im Zuge einer Kapitalerhöhung des Herstellers von Siliciumwafern steigt der Anteil von Siltronic, einer Tochter des Münchner MDax-Konzerns, auf 78 Prozent. Die Beteiligung von Samsung sinkt entsprechend auf 22 Prozent. Die Aufstockung der Anteile bringe dem globalen Halbleitergeschäft der Wacker-Tochter Siltronic Vorteile, erklärte Joachim Rauhut, Vorsitzender des Aufsichtsrats von Siltronic. Den Anlegern iwar das erst einmal egal.

Quelle: n-tv.de

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