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Anleger schaukeln sich in Wochenende: Ist dies ein Rücksetzer oder der Auftakt einer großen Korrektur?
Anleger schaukeln sich in Wochenende: Ist dies ein Rücksetzer oder der Auftakt einer großen Korrektur?(Foto: picture alliance / dpa)

Kurzes Aufbäumen: Dax schafft ein Mini-Plus

Der Verfall kann die Kurse nur kurz auf Rekordniveau ziehen, danach schwindet der Aufwärtsdrang am deutschen Aktienmarkt. Die weitere Richtung hängt nach Einschätzung von Anlagestrategen von der Entwicklung der Unternehmensgewinne ab.

Die Anleger am deutschen Aktienmarkt haben am letzten Handelstag der Woche zumindest einen Anlauf in Richtung der psychologisch wichtigen 10.000-Punkte-Marke gewagt - der Dax zeigte sich bei 9789 Punkten so stark wie noch nie in seiner Geschichte. Danach ging dem Markt allerdings die Puste aus.

Der Dax schloss 0,2 Prozent höher auf 9742 Punkten. Auf Wochensicht bedeutet das für den deutschen Leitindex aber auch ein sattes Plus von über zwei Prozent.

Angesichts der weiter positiven Stimmung an den Märkten bestünden weiterhin sehr gute Chancen, dass der Dax in Kürze die 10.000-Punkte-Marke überspringe, sagte Marktanalyst Kornelius Barczynski vom Broker GKFX. "Die 10.000 Punkte sind wie ein Magnet - die Anleger wollen dahin und das wird über kurz oder lang auch passieren", sagte ein Börsianer.

Der MDax erreichte am Freitag bei 16.996 Punkten ebenfalls einen neuen Höchstwert, notierte zuletzt unverändert bei 16.946 Punkten. Der TecDax gewann 0,8 Prozent auf 1252 Punkte und blieb damit auf dem höchsten Niveau seit zwölf Jahren. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 notierte nahezu unverändert bei 3153 Punkten.

Rücksetzer oder Korrektur?

Die Indizes bäumten sich mit dem Verfall der Index-Optionen zur Mittagszeit auf, danach ging es abwärts. "Der Verfall hat die Kurse noch einmal nach oben getrieben", sagte ein Händler. Offenbar hätten Derivate-Anleger die Kurse unmittelbar vor diesem Termin nach oben gezogen, um höhere Gewinne einzustreichen, bestätigte ein Börsianer. "Die große Frage lautet nun: Ist dies ein Rücksetzer oder der Auftakt einer großen Korrektur."

Der Settlement-Kurs für Dax-Optionen wurde mit rekordhohen 9757,07 Punkten festgesetzt, nach 9370,92 Zählern im Vormonat. Für MDax und TecDax lagen die Settlements bei 16.980,68 (Dezember: 16.298,40) beziehungsweise 1249,05 (1152,85) Stellen.

Die Optionen auf den EuroStoxx50 verfielen bei einem Kurs von 3151,28 (3034,93) Punkten und diejenigen auf den Stoxx50 bei 2961,66 (2849,58) Zählern. In beiden Fällen ist dies der höchste Stand seit 2008.

Fokus auf Unternehmenszahlen

Nach Einschätzung des Anlagestrategen Neil Marsh vom Brokerhaus Newedge hängt die weitere Richtung des Aktienmarktes von der Entwicklung der Unternehmensgewinne ab. Trotz der enttäuschenden Zahlen des Chip-Herstellers Intel sowie der Großbanken Goldman Sachs und Citigroup sei aber kein großer Kursrutsch zu erwarten. "Die Grundstimmung ist immer noch gut." Jörg Rahn von Marcard, Stein & Co. sah die bislang gemischt ausgefallene US-Bilanzsaison ebenfalls gelassen: Der Vorteil sei, dass die Erwartungen für die noch kommenden Unternehmensberichte nun heruntergeschraubt wurden. "Vor allem deutsche Aktien könnten daher positiv überraschen."

Selbst eine Ausweitung der Verschnaufpause würde an der grundsätzlich positiven Situation am Aktienmarkt nichts ändern, meinten Händler. Solange der Dax über dem ehemaligen Rekordstand von 9620 Punkten bleibe, seien weitere Höchststände wahrscheinlich, und die 10.000er Marke bleibe in greifbarer Nähe. "Ein Ausbruch auf der Oberseite ist wahrscheinlicher als ein stärkerer Rückschlag", sagte ein Marktteilnehmer. Als positiv bewertet er den deutlichen Zinsrückgang am langen Ende, der in den vergangenen Tagen die Tapering-Sorgen verdrängt habe. Allerdings ziehen die Zinsen am kurzen Ende an.

ThyssenKrupp im Fokus

Größter Gewinner im Dax waren die Aktien von ThyssenKrupp mit einem Plus von zuletzt 2,4 Prozent. Konzernchef Heinrich Hiesinger bekräftigte auf der Hauptversammlung die Prognose für das laufende Geschäftsjahr und kündigte an, die Schulden weiter zu senken.

Auf der Verliererseite standen dagegen die Aktien der Lufthansa mit einem Abschlag von 0,8 Prozent auf 18,25 Euro. Investoren machten nach einer Herunterstufung Kasse. Händlern zufolge stufte Macquarie die Aktien, die seit Jahresbeginn um mehr als 19 Prozent zugelegt haben, auf "Neutral" von "Outperform" herunter.

Unter Druck standen auch RWE, die 2,6 Prozent verloren. Laut Agenturmeldung stehen im Rennen um die RWE-Tochter Dea Insidern drei Bieter in den Startlöchern: Die BASF-Tochter Wintershall, der russische Milliardär Michail Fridman und ein Konsortium des US-Finanzinvestors KKR mit der Kuwait Foreign Petroleum Exploration Company (Kufpec). Die Offerten sollen bei rund vier Milliarden Euro liegen - das liege unter den Markterwartungen, sagte in Börsianer. Der Wert des Unternehmens wird auf bis zu fünf Milliarden Euro geschätzt. 

Bayer pendelten um Vortagesschluss. Ein Beratergremium der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA hat sich gegen eine Zulassungserweiterung für das lukrative Thrombose-Mittel Xarelto von Bayer und Johnson & Johnson ausgesprochen.

Auch die Aktien der Deutsche Telekom konnten sich nicht recht für eine Richtung entscheiden und notierten zuletzt 0,1 Prozent höher bei 12,46 Euro. "Eine Übernahme von T-Mobile US durch Sprint rückt näher", sagte ein Händler. Sprint hat nun laut Informationen von "Wall Street Journal Deutschland" einen konkreten Finanzierungsplan ausgearbeitet.

Im MDax verloren ProSieben 0,8 Prozent auf 34,70 Euro. KKR und Permira trennen sich von ihrem letzten milliardenschweren ProSieben-Aktienpaket. Der Platzierungspreis soll Kreisen zufolge zwischen 34,50 und 35 Euro liegen.

Achterbahnfahrt bei Loewe

Loewe-Aktien gaben ihrer zweistelligen Gewinne komplett ab und notierten zuletzt 10,7 Prozent leichter. Grund für die starken gewinne war ein am Vorabend bekannt gegebener Investoreneinstieg bei dem schwächelnden Tradtionsunternehmen.

Quelle: n-tv.de

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