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Neues Allzeithoch, und nun?: Dax verzweifelt am "Teflon-Markt"

Fünfstellig kann der Dax, hat er zum Wochenauftakt bewiesen. Deshalb geht es weiter aufwärts, neue Rekorde purzeln. Nur die Ausschläge sind gering und das birgt Gefahrenpotenzial. Die Begründung liefern Händler und Chartanalysten.

Erst mit "Trippelschritten zum Gipfelsturm" (n-tv-Borsenexpertin Sibylle Scharr), dann schlägt der "Teflon-Markt" (Aktienhändler) zu. Am Ende des Dienstagshandels blieben dann zwe neue Allzeithochs - und die Tatsache, dass eine Trendumkehr charttechnisch noch nicht unmittelbar bevorsteht.

Der Dax schloss 0,2 Prozent im Plus bei 10.029 Zählern. Das Allzeithoch hatte der deutsche Börsenleitindex am Vormittag auf 10.033,74 Punkten hochgeschraubt. Dem Beispiel folgte auch der Nebenwerteindex MDax. Der ging mit einem Aufschlag von 0,1 Prozent und 17.168 Stellen aus dem Handel - das Tages- und Allzeithoch beträgt 17.203,85 Punkte. Der TecDax bewegte sich dagegen noch weniger vom Fleck. Der Schlussstand von 1325 Zählern ist der Beweis. An der Wall Street startet der Handel mit leichten Abgaben. Der Euro gerät indes erneut unter Abgabedruck.

Hoch, weil ...

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Einem Händler zufolge gibt es für die neuerlichen Kursgewinne eine simple Erklärung: "Alle sprechen von der starken Überkauftheit des Marktes und der Korrektur. Da können die Kurse doch nur steigen." Alastair McCaig vom Broker IG bestätigt: "Es ist noch immer ein wenig Bullenlaune vorhanden". Die geringen Volatilitäten heizten die Stimmung von Händlern noch an. Im Verlauf des Sommers dürfte allerdings die Nervosität zunehmen und die Umsätze weiter zurückgehen.

Solange wirklich schlechte Nachrichten ausblieben, werde das "heiße Geld" die Kurse weiter nach oben treiben, sagte ein Händler. Das werde sich irgendwann sicher ändern, doch stehe eine Trendumkehr wohl nicht unmittelbar bevor.

Hexensabbat und Fibonacci

Als erste Kursbremse nach oben wertete Stephen Schneider von der WGZ-Bank den Bereich um 10.080 Punkte. Dies sei bereits in der laufenden Woche möglich. Daraufhin könnte dann eine dreiwöchige Abwärtsbewegung einsetzen. Eine weitere Hürde nach oben liege bei 10.120 Punkten. Auch mit anderen Chartmethoden zeige sich, dass das Potenzial nach oben begrenzt sei. Umgekehrt dürften nun die Rücksetzer deutlicher werden. Möglicherweise könne der Hochpunkt im Dax mit dem "Hexensabatt" zusammentreffen. Der große Verfalltermin an den internationalen Terminbörsen findet am Freitag statt.

Jörg Scherer von HSBC Trinkaus betont, dass der Hausse-Trend etabliert und völlig intakt sei. Er sieht die nächste Anlaufmarke für den Dax um 10.131 Punkte. Sie ergebe sich aus der 138,2%-Fibonacci-Projektion der Dax-Konsolidierungsphase von Januar bis März. Nach unten müssten sich strategische Investoren aber erst Sorgen machen, falls der langfristige Aufwärtstrend bei rund 9668 Punkten gebrochen werde.

Telekom + Orange?

Der Telekom-Sektor blieb im Fokus. Dort machten Gerüchte die Runde, dass die Deutsche Telekom offenbar eine milliardenschwere Übernahme des französischen Branchenprimus Orange plane. Die T-Aktien schlossen 0,2 Prozent fester.

Adidas in WM-Laune

Henkel gewannen 1,0 Prozent. Mehrere positive Analystenstimmen waren der Grund für den Aufschlag. Adidas bauten ihre Gewinne im Tagesverlauf bis auf 1,2 Prozent aus, am Ende blieb ein Plus von 1,4 Prozent - die Fußball-WM in Brasilien kann kommen.

K+S heben ab

Noch deutlicher ging es bei K+S nach oben: 1,9 Prozent. Die Papiere waren von Analystenseite auf niedrigerem Kursniveau ein Kauf, nachdem die Aktie am Montag auf den niedrigsten Stand seit einem Monat gefallen war. "Nachgegeben hat die Aktie Ende Mai, als in Sydney die IFA-Konferenz stattfand", sagte ein Händler. Hierbei handelt es sich um die jährliche Branchenmesse der International Fertilizer Association. Dort seien die Aussagen zum Düngemittelmarkt eher "vorsichtig" gewesen.

Gewinnmitnahmen bei Autowerten

In der Verliererliste tummelten sich die Autowerte Volkswagen und BMW mit Abgaben von 0,6 und 0,8 Prozent - und das, obwohl der Münchener Oberklassehersteller seinen Absatz erneut steigen kann. Gewinnmitnahmen machten Händler für die Kursabgaben verantworlich. "Die waren gestern schon zu beobachten. Der Sektor ist zuletzt besser gelaufen als der Gesamtmarkt, hat es aber nicht mehr über die Höchststände vom April geschafft", sagte ein Händler.

ThyssenKrupp, Top-Gewinner vom Wochenauftakt, gaben mit 2,1 Prozent am deutlichsten ab.

Großauftrag treibt Manz an

Aktien von Manz reagierten im TecDax mit einem Kurssprung von zeitweise 9 Prozent und einem Schlussaufschlag von mehr als 7 Prozent auf einen Großautrag in der Batteriesparte. "Aus fundamentaler Sicht ist die Kurs-Rally vermutlich übertrieben", sagt ein Händler. Denn beim Gewinn dürfte der gemeldete Großauftrag keine größeren Spuren hinterlassen. "Vermutlich setzt man am Markt darauf, dass dies nur der Auftakt für weitere Geschäfte in dieser Sparte ist", vermutete der Händler. Die Sparte Batterie habe im vergangenen Jahr "nicht einmal 10 Millionen Euro umgesetzt". Das bedeute, dass allein dank des Großauftrags der Umsatz auf mehr als das Doppelte des vergangenen Jahres zulege.

Fortress stößt Gagfah ab

Gut aufgenommen wurde an der Börse auch die Platzierung der Gagfah-Aktien durch die Deutsche Bank. Die 60 Millionen Gagfah-Titel im Volumen von rund 800 Millionen Euro wurden nach Aussage aus dem Handel bei 12,34 Euro je Aktie platziert. Nachdem die Platzierung abgeschlossen war, klettert die Aktie sofort nach oben. Am Handelsende stand ein Aufschlag von rund 5 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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