Wirtschaft
Schöne Aussichten für den deutschen Aktienmarkt. Der Dax hat die charttechnische Marke von 9800 Punkten zurückerobert.
Schöne Aussichten für den deutschen Aktienmarkt. Der Dax hat die charttechnische Marke von 9800 Punkten zurückerobert.(Foto: picture-alliance/ dpa)

"Chip, Chip, hurra!": Anleger sind heiß auf den Dax

Die Fußball-Weltmeister fliegen in den Urlaub, am deutschen Aktienmarkt richten sich die Blicke der Anleger wieder in Richtung Berichtssaison. In den USA kann Intel überzeugen, das hievt Infineon nach oben. Dem Dax hilft China auf die Sprünge.

Es geht doch! Mit deutlichen Kursgewinnen hat der deutsche Aktienmarkt am Mittwoch auf überzeugende Wachstumsdaten aus China reagiert. "Die China-Daten stabilisieren den Markt ", bestätigte n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel. Händlern zufolge stützte aber auch der Zwischenbericht von Intel. "Chip, Chip, hurra", kommentierte n-tv-Börsenexperte Frank Meyer. Entspannende Signale kamen zudem aus Portugal.

Der Dax ging mit einem Aufschlag von 1,4 Prozent fester und 9859 Punkten aus dem Handel. Das war der höchste Stand seit mehr als einer Woche. Zudem eroberte der deutsche Börsenleitindex die charttechnisch wichtige 9800er Marke nachhaltig zurück. Der MDax legte 0,9 Prozent auf 16.473 Zähler zu. Der TecDax, am Dienstag deutlich unter die Räder gekommen nach Gewinnwarnungen von Software AG und Drägerwerk, konnte am Ende Gewinne von 0,5 Prozent und einen Stand von 1269 Stellen vorweisen.

9800 sind da

"Eine Rückeroberung der angeführten Schlüsselzone bei 9794 bis 9810 Punkten ist die absolut notwendige Voraussetzung dafür, um die Börsenampel wieder auf grün springen zu lassen und die historischen Hochstände bei 10.032 bis 10.051 Punkten erneut auf die Agenda zu rücken", so die technischen Analysten von HSBC Trinkaus. "Es gibt Short-Eindeckungen", sagte ein Händler.

China wächst, Intel auch

Die chinesische Wirtschaft war im zweiten Quartal mit einem Plus von 7,5 Prozent etwas stärker gewachsen als mit 7,4 Prozent erwartet, auch die Industrieproduktion hat etwas deutlicher als geschätzt zugelegt. "Das sollte die Preise für Rohstoffe stabilisieren", sagte Shane Oliver, Anlagestratege von AMP Capital.

Hilfe für BES

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Nachlassende Sorgen über die angespannte Situation bei Banco Espirito Santo (BES) trieben den Aktienkurs der portugiesischen Bank und drückten die Renditen in Portugal. Auch die Unternehmensanleihen der Bank rentieren niedriger. Während der Aktienkurs von BES in Lissabon zeitweise um mehr als 15 Prozent nach oben schnellte, gab die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen Portugals 0,07 Prozentpunkte auf 3,73 Prozent ab. Das war das niedrigste Niveau seit einer Woche. Händler begründeten die Entspannung mit Berichten, wonach die portugiesische Notenbank dem Kreditinstitut mehr Kapital zubilligt, sofern dies nötig sein sollte.

US-Berichtssaison bleibt Thema

Intel schlug derweil die Erwartungen bei Umsatz, Gewinn und Margenentwicklung, der Ausblick lag ebenfalls über den Erwartungen. Der Kurs legte an der Wall Street zwischenzeitlich um rund 6 Prozent zu.

Der feste Dollar wiederum könnte die US-Aktien deckeln. Der Greenback legte deutlich zu, weil US-Notenbankchefin Janet Yellen bei unerwartet guten Konjunkturdaten schnelle Zinserhöhungen für möglich hält. Zudem machte sie sich Sorgen über eine zu hohe Aktienbewertung im Tech-Sektor. 

"Chip, Chip, hurra!"

Unter den Einzelwerten im deutschen Leitindex zogen Infineon im Intel-Sog rund 4 Prozent an. Die Lufthansa-Papiere erholten sich ebenfalls um mehr als 3 Prozent. Ein Händler sprach von Shorteindeckungen. Durch die anhaltende Ölpreiskorrektur habe sich das Sentiment für die Aktie zuletzt gebessert. Nach der jüngsten Gewinnwarnung sei das Erholungspotenzial in dem Papier aber begrenzt. Ein Überwinden des kurzfristigen Abwärtstrends bei 15,20 Euro würde zunächst Potenzial bis 16 Euro generieren. Spätestens bei der 200-Tage-Linie bei rund 16,90 Euro dürfte Schluss sein.

Beiersdorf zählten nach einem verbesserten Anlageurteil der US-Bank Goldman Sachs mit plus 1,0 Prozent ebenfalls zu den Spitzenwerten im Dax.

BMW lässt Rückruf kalt

Der Rückruf von weltweit etwa 1,6 Millionen Fahrzeugen wegen eventueller Airbag-Probleme prallte an der BMW-Aktie vollständig ab. "Rückrufaktionen gehören zum Alltagsgeschäft und sind in den Verkaufspreisen berücksichtigt", sagte ein Händler. Positiv sei anzumerken, dass BMW prophylaktisch handele und nicht erst nach möglichen Unfällen. Die mit der Rückrufaktion verbundenen Kosten dürften keinerlei signifikante Belastung für BMW darstellen. BMW stiegen 3,0 Prozent. Volkswagen fuhren 1,7 Prozent vor, Daimler 0,7 Prozent.

K+S in Analystenzange

Auf der Gegenseite rangierten K+S, die 0,4 Prozent abgaben. Die japanische Bank Nomura hat das Papier abgestuft. Er rechne nicht damit, dass der Preis für Kalidünger im kommenden Jahr über seine geschätzten 350 Dollar je Tonne steigen werde, so Analyst Patrick Lambert. Vielmehr dürften beträchtliche Kapazitäten in den kommenden Jahren hinzukommen und die Preise drücken.

Weiter abwärts bei Software AG

Nach der Gewinnwarnung der Software AG am Vortag folgten nun Abstufungen durch Analysten. Die Titel gaben weitere 2,9 Prozent ab. Drägerwerk zogen dagegen rund 3 Prozent an. Celesio schüttete eine Dividende von 0,30 Euro an die Aktionäre aus, der Kurs verlor daher nur optisch rund 1 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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