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Flug MH17 und die 9700: Dax verliert sich ins Wochenende

Börsianer schauen zum Wochenschluss verstärkt auf die Krisenherde Gaza und Ostukraine. Die Kurse fallen - und erholen sich dann etwas wieder. Der Grund dafür liegt in den USA.

Nach den satten Verlusten der Vorwoche, lst es in dieser Woche etwas besser gelaufen. Zumindest steht ein Wochengewinn von rund 0,5 Prozent. Am Freitag ging es für den deutschen Börsenleitindex dennoch weiter nach unten. Schuld war die politische Gemengelage.

Der Dax beendete den Handel mit einem Abschlag von 0,3 Prozent bei 9720 Punkten. Er lag damit wieder über der 9700er Marke, die er am Mittag noch deutlich gerissen hatte. Die Handelsspanne betrug rund 70 Punkte. Der MDax verlor 0,4 Prozent auf 16.392 Zähler. Der TecDax sackte 0,9 Prozent nach unten auf 1247 Stellen. An der Wall Street waren die Kurse am Donnerstag nach einem Dow-Allzeithoch ebenso gefallen wie überwiegend in Asien am Freitag. An den Fernost-Börsen taf es Tokio am härtesten. Zum Wochenschluss tendierte die Wall Street allerdings fester. "Die Verunsicherung ist gegeben, die Kurse fallen, die Verluste sind aber nicht außerordentlich hoch", kommentierte n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel bereits am Mittag.

Politische Risiken.

Der vermeintliche Raketenabschuss eines Passagierjets der Malaysia Airlines mit 298 Menschen an Bord über der Ostukraine sorgte an den Börsen weltweit für rote Vorzeichen. "Die Situation in der Ostukraine scheint mit dem Abschuss eines zivilen Flugzeuges weiter zu eskalieren", sagte Dirk Gojny, Analyst der Essener Nationalbank. Die Sanktionen gegen Russland und die angedrohten Gegenmaßnahmen dürften auch das Wachstum in der Eurozone belasten, erwartet er. Niall Delventhal von DailyFX sieht wegen der Krise in den Beziehungen zwischen Russland und dem Westen Gefahren für die Weltwirtschaft.

Aber auch die Entwicklung in Israel, wo der Konflikt mit der palästinensischen Hamas eskalierte, sorgte für Verunsicherung. Niemand weiß, wie sich dort die Situation über das Wochenende entwickeln wird, hieß es am Markt.

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Einige Marktteilnehmer halten den Einfluss der geopolitischen Risiken dagegen für begrenzt: Er dürfte nur kurz sein, sagte etwa Olivier d'Assier von Axioma. "Derzeit bedrohen sie weder die USA noch Asien oder die Erholung in der Eurozone", erklärte er. Die Anleger seien wegen der bevorstehenden geldpolitischen Wende in den USA ohnehin bereit für Gewinnmitnahmen, mit der Eskalation in der Ukraine und dem Gaza-Krieg werde nun unkontrolliert der Stöpsel gezogen. "Geopolitische Risiken sind nichts Neues für die Märkte", sagte Mike Smith, Vorstandschef der ANZ-Bank. Damit müssten die Märkte immer umgehen können. Allerdings sei es noch zu früh für Prognose, wie stark die Flugzeugkatastrophe die Märkte drücken werde.

Flug MH17

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Die Allianz ist der Rückversicherer des über der Ostukraine abgestürzten Flugzeugs. Wie eine Sprecherin bestätigte, läuft die Rückversicherung für die Kasko- und Haftpflichtversicherung des Fliegers über den Konzern aus München. Demnach versichert der Industrieversicherer Allianz Global Corporate & Specialty die jeweiligen Versicherungssummen eines Pools an Erstversicherern rück. Allianz-Titel gehen mit dem Markt und verloren 0,2 Prozent. Hannover-Rück-Titel gaben 0,6 Prozent ab.

Ebenfalls unter Abgabedruck standen erneut Lufthansa. Die Anteilsscheine zählten bereits am Donnerstag zu den schwächsten Werten im Dax. Zum Wochenschluss ging es vor dem Hintergrund von Flug MH17 weitere 1,5 Prozent auf 14,46 Euro nach unten. Noch rund 30 Cent fehlen zum Jahrestief. Malaysia Airlines gaben in Fernost zeitweise fast 20 Prozent ab.

Einigung greifbar

Deutsche-Bank-Titel schlossen mit 0,3 Prozent im positiven Bereich. Im Streit um die Entlassung von vier Händlern im Zusammenhang mit dem Libor-Skandal um manipulierte Zinssätze strebt das Finanzinstitut nun doch eine gütliche Einigung an. Beide Parteien einigten sich beim Landesarbeitsgericht Hessen in Frankfurt auf ein sogenanntes Güterichterverfahren. Unter Moderation eines Richters wollen sie in den nächsten Wochen nach einem Kompromiss suchen. Scheitert das Verfahren, will das Landesarbeitsgericht im September erneut über die Klage der vier Händler gegen ihre fristlose Entlassung verhandeln. Die Händler waren an der Festsetzung der Zinssätze Euribor beziehungsweise Libor beteiligt, die als Grundlage für Bankgeschäfte in Billionenhöhe herangezogen werden.

PostNL zieht Deutsche Post mit runter

Einer der schwächsten Werte in Europa waren PostNL in den Niederlanden, die fast 4 Prozent verloren. Auch Deutsche Post gingen deutlich niedriger aus dem Handel: 1,8 Prozent im Minus. "Grund bei der PostNL war eine Abstufung von Mainfirst", sagte eine Händlerin. Die Analysten hatten die Aktie auf "Underperform" nach zuvor "Outperform" gesenkt. Warum die Deutsche Post darunter leide, sei aber nicht klar, so ein weiterer Händler.

Analysten machen Kurse

Mit Aufschlägen von 1,0 Prozent konnten SAP gegen den allgemeinen Markttrend zulegen. Stützend wirkte eine Studie der Citigroup. Die Analysten verweisen darauf, dass die Umsätze im zweiten Quartal anders als im ersten Quartal und vierten Quartal 2013 in allen Regionen gestiegen seien. Das sollte zur Beruhigung der Anleger nach dem Managementwechsel bei SAP beitragen. Die Citigroup stufte die SAP-Aktie mit "Kaufen" ein.

Bei den Einzelaktien standen auch Daimler im Blick, nachdem die Credit Suisse ihre Kaufempfehlung zurückgezogen hat und die Aktien nun nur noch mit "Neutral" bewertet. Die Papiere gaben 1,9 Prozent ab.

Morgan Stanley hat HeidelbergCement auf "Untergewichten" abgestuft. Die Folge: ein Kursverlust von 2,6 Prozent.

Berenberg machte sich laut Händlern für Continental stark: Die Bank empfehle die Aktien des Automobilzulieferers mit einem Kursziel von 200 Euro zum Kauf. Das Minus belief sich auf 1,1 Prozent.

Gerüchte und Aussagen

ThyssenKrupp büßten 1,6 Prozent ein. Reuters zufolge hat die US-Regierung hohe Strafzölle auf chinesische Chemieprodukte sowie Stahlprodukte aus Deutschland, Japan und Polen verhängt. Die Produkte sollen in den USA zu billig verkauft worden sein. Die Strafzölle für elektrischen Stahl können bis zu 242 Prozent betragen. Betroffen von den Maßnahmen sei auch ThyssenKrupp Electrical Steel.

Munich Re zogen sich 1,1 Prozent zurück. Dem Handel zufolge belasteten Aussagen von Nikolaus von Bomhard, den Aktienkurs des Rückversicherers. Der Wettbewerb im Rückversicherungsmarkt habe sich mit dem Einstieg von Hedgefonds verstärkt, so Bomhard in der "Welt". Das habe die Preise und Bedingungen ins Rutschen gebracht. Die Probleme im Rückversicherungsgeschäft seien zwar bekannt, hieß es im Handel, die Aussagen von Bomhard dürften aber trotzdem belasten. Die Papiere gaben 1,0 Prozent nach.

CTS kauft zu

3,8 Prozent ging es bei CTS Eventim bergab. Der Tickethändler baut sein Geschäft in Italien aus. Das SDax-Unternehmen übernimmt den Geschäftsbereich Ticketing der G-Tech/Lottomatica-Gruppe. Das Unternehmen erhofft sich dadurch erhebliche Synergien. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. Lottomatica ist nach Angaben des Unternehmens in Italien nach Marktführer TicketOne die Nummer zwei im Ticketing und auf den Sportmarkt spezialisiert.

Villeroy überzeugt

Villeroy & Boch kamen 1,9 Prozent zurück. Vor allem dank eines starken Geschäfts in Deutschland hat der Keramikhersteller im ersten Halbjahr Umsatz und Gewinn gesteigert. Die Erlöse legten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5,4 Prozent auf 379,3 Millionen Euro zu. Auf dem Heimatmarkt kletterte der Umsatz um 6 Prozent auf 109,5 Millionen Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg ohne Sondereinnahmen aus dem Verkauf einer Immobilie in Schweden um 13,4 Prozent auf 13,5 Millionen Euro. Unter dem Strich legte das Konzernergebnis von 5,1 auf 7,3 Millionen Euro zu.

Anleger mit Meditec-Zahlen unzufrieden

1,6 Prozent ging es für Carl-Zeiss-Meditec-Titel abwärts. In den ersten neun Monaten seines Geschäftsjahres hat das Unternehmen bei steigenden Einnahmen weniger verdient. Dafür war maßgeblich ein Verlust aus Währungssicherungsgeschäften im dritten Quartal verantwortlich. Im Vorjahreszeitraum hatte Carl Zeiss Meditec dagegen einen hohen Ertrag aus Währungssicherungsgeschäften erzielt.

Quelle: n-tv.de

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