Wirtschaft
Anleger schauen am Donnerstag nach Frankfurt, wo Draghi bei einem Symposium der Bundesbank spricht.
Anleger schauen am Donnerstag nach Frankfurt, wo Draghi bei einem Symposium der Bundesbank spricht.(Foto: REUTERS)

Börsen-Ausblick: Rätselraten über EZB-Politik

Die Luft an den Finanzmärkten wird dünner, trotzdem hält die Zuversicht an. Im Mittelpunkt stehen immer noch die Notenbanken. EZB-Chef Draghi könnte die letzten Signale vor seinem Zinsentscheid geben. Eine Zinssenkung könnte den Kursen Schub geben.

Die Spekulationen über den Kurs der Geldpolitik dies- und jenseits des Atlantiks geben weiter den Takt an den Börsen vor. Im Euro-Raum geht es darum, ob es eine neuerliche Zinssenkung geben wird. Da sich EZB-Chef Mario Draghi zuletzt alle Türen offen gehalten hatte, um der Wirtschaft weiter unter die Arme zu greifen, werden Anleger in der neuen Woche sämtliche Daten auf Indizien für das weitere Vorgehen der Notenbank abklopfen. Allerdings entscheidet die Europäische Zentralbank erst am 6. März. Von zahlreichen Konjunkturdaten erhoffen sich die Investoren auch Aufschlüsse über die Pläne der US-Notenbank Federal Reserve. Zudem werden sie auf alle Zwischentöne achten, wenn die neue Fed-Chefin Janet Yellen ihren Antrittsbesuch beim Kongress fortsetzt.  

In der alten Woche trat der Dax auf der Stelle. Am Freitag konnte er aber immerhin um 0,4 Prozent auf 9656 Punkte zulegen. Von seinem Rekordstand von Mitte Januar bei 9794,05 Zählern ist er damit knapp 150 Punkte entfernt. Auch an den anderen Börsen Europas bewegten sich die Kurse kaum. Der EuroStoxx50 legte leicht auf 3131 Punkte zu. In New York gab der Dow-Jones-Index 0,2 Prozent nach und verlor damit im Wochenverlauf 0,3 Prozent.

In der neuen Woche traut Wolfgang Duwe von der Bremer Landesbank dem Dax ein Rekordhoch zu: "Die Diskussionen um eine Krise in den Schwellenländern sind vom Tisch." Auch gute Unternehmenszahlen trieben die Kurse. Von einer Überhitzung sieht er den Aktienmarkt noch weit entfernt.

Wie entscheidet Draghi?

Der neue Datenreigen startet gleich am Montag, wenn die Verbraucherpreisdaten für die Eurozone veröffentlicht werden. "Ich glaube, dass die Inflation auf dem niedrigen Niveau von 0,7 Prozent bleibt", sagt Aktienstratege Carsten Klude von MM Warburg. Damit würde der Preisauftrieb bedenklich weit unter dem von Draghi & Co angestrebten Niveau von 2,0 Prozent verharren. Klude hält in diesem Fall eine weitere Zinssenkung für realistisch. Das könnte den Aktienkursen einen Schub geben.

Gebannt schauen Anleger am Donnerstag zudem nach Frankfurt, wo Draghi bei einem Symposium der Bundesbank spricht und letzte Signale vor seiner Zinsentscheidung geben könnte. Neben den Verbraucherpreisdaten wird am Montag der Ifo-Geschäftsklimaindex über die Stimmung in den deutschen Unternehmen informieren. Nachdem die Erwartungen an den Geschäftsverlauf zuletzt auf ein Drei-Jahres-Hoch gestiegen waren, rechnet Klude nun mit einem leichten Rückgang: "Ich glaube, dass sich hier noch die Angst vor einer Krise in den Schwellenländern auswirkt, die im Befragungszeitraum für den Ifo-Index herrschte."

In den USA könnten vor allem Daten zum Verbrauchervertrauen am Dienstag und Freitag die Hoffnung auf eine nachhaltige Konjunkturbelebung stärken und damit die Fed in ihrem Kurs einer allmählichen Straffung der Geldpolitik bestätigen. Während die anstehenden Daten vom Häusermarkt am Mittwoch und dem Auftragseingang langlebiger Güter am Donnerstag mehr vom harten Winter beeinträchtigt sein dürften, versprechen sich die Experten von den Verbraucherdaten einen konkreteren Einblick in die Entwicklung der US-Wirtschaft. Dies erhoffen sie sich auch von Yellen-Aussagen beim Banken-Ausschuss des Senats am Donnerstag.

Allianz-Anleger schauen auf Pimco

Auf Unternehmensseite werden einige Dax-Firmen über ihren Geschäftsverlauf informieren und einen Ausblick auf die kommenden Monate geben. Von der Allianz erhoffen sich Investoren am Donnerstag eine klare Aussage zur künftigen Strategie der Anlagetochter Pimco. Deren einst glänzendes Image ist angekratzt, seit immer mehr unzufriedene Anleger ihr Geld abgezogen haben und Investorenlegende Mohamed El-Erian von seinem Chefposten zurückgetreten ist.

Anleger von Fresenius Medical Care dürfte vor allem interessieren, ob der Konzern mit Sparmaßnahmen auf die Kürzungen im wichtigen US-Gesundheitsmarkt reagiert. Der Dialysekonzern legt genauso wie die Konzernmutter Fresenius am Dienstag Zahlen vor. Am selben Tag lässt sich auch BASF in die Bücher schauen. Dabei dürfte unter anderem im Blickpunkt stehen, wie sich das Asien-Geschäft des Chemieriesen weiter entwickeln wird. Bei Bayer richtet sich am Freitag das Interesse vor allem auf die neuen Medikamente - dabei steht die Umsatzentwicklung des neuen Schlaganfall-Präparats Xarelto besonders im Fokus, dem Analysten Milliardenumsätze zutrauen.

An der Wall Street stehen vor allem die Zahlen von Einzelhändlern wie Target, Macy's und JC Penny sowie den Baumarktriesen Home Depot und Lowe's an.

Quelle: n-tv.de

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