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Dow Jones schließt im Minus: Yellen treibt den Dax an

Der Dax scheint seinen Boden bei 8773 Punkten gefunden. Zur Wochenmitte klettert der Dax in einer lange überfälligen und von den Anlegern herbeigesehnten Gegenbewegung zeitweise 250 Punkte. Zwei Kurstreiber sind verantwortlich.

Der deutsche Aktienmarkt kann doch noch Plus: Mit einem deutlichen Gewinn haben Dax und Co. am Mittwoch einen Teil ihrer bisherigen Wochenverluste wettgemacht. Die 9000er Marke wurde zurückerobert. Allerdings warnten Marktteilnehmer vor verfrühter Euphorie, denn bevor nicht die alte Unterstützung bei 9300 Zählern überwunden sei, könne es auch schnell wieder einen deutlichen Rücksetzer geben, denn der Dax befinde sich mit einem Abschlag von rund 30 Prozent seit seinem Allzeithoch in einem Bärenmarkt. Dass die Kurse zum Handelsende die Gewinne hielten, war auch US-Notenbank-Chefin Janet Yellen zu verdanken. "Schon schlimm, wenn eine ganze Welt an einer Frau hängt", kommentierte n-tv-Börsenexperte Frank Meyer.

Der Dax beendete den Handel mit einem Aufschlag von 1,6 Prozent bei 9017 Punkten. Das Tageshoch markierte er bei 9129 Zählern, das Tagestief bei 8875. Der MDax schloss 2,0 Prozent stärker bei 18.107 Stellen. Der TecDax sprang 2,6 Prozent an auf 1530 Punkte. Alle drei Indizes hatten am Dienstag große Handelsspannen ausgewiesen, der Dax war dabei auf den tiefsten Stand seit anderthalb Jahren gefallen. Montag und Dienstag hatte er 4,4 Prozent eingebüßt.

Pessimismus ist positiv

Fed-Chefin Yellen sieht nach jüngsten Aussagen Risiken für den Wirtschaftsausblick, die die angestrebten Zinserhöhungen verzögern könnten. "Das Finanzumfeld ist weniger günstig für das US-Wachstum", so Yellen. "Die Turbulenzen in China und anderen Schwellenländern könnten das US-Wachstum dämpfen, während die Inflationserwartungen sinken."

Eine Abkehr von den geplanten schrittweisen Zinserhöhungen ist zwar nicht abzulesen, doch das Herausstellen von Risiken gab Yellens Worten einen pessimistischen Grundton. Die Fed signalisierte damit, dass sie bei künftigen Zinserhöhungen eher vorsichtig zu Werke gehen dürfte.

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Im Dezember 2015 hatte die Fed den Leitzins um 25 Basispunkte erhöht und damit die sieben Jahre währende Nullzinspolitik beendet. Damals hatten die Währungshüter für dieses Jahr vier weitere Straffungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte in Aussicht gestellt. Doch in jüngster Zeit hatten schwächere Konjunkturdaten Zweifel daran geweckt, ob die Notenbank ihren Zinserhöhungszyklus wie geplant durchziehen wird.

USA: Dem Dow geht die Puste aus

An der Wall Street nahmen die Kurse nach einem flatterigen Verlauf am Ende kein einheitliches Bild ab. Die Erholungsbewegung wurde im späten Geschäft weitgehend zunichte gemacht, nachdem das Schwanken des Ölpreises das Auf und Ab am Aktienmarkt bestimmt hatte. Daneben standen Yellens Aussagen im Blick, die in ihrem Bericht zur Geldpolitik auf konjunkturelle Risiken in den USA einging.

Der Dow-Jones-Index tendierte sehr viel schwächer als die anderen Leitindizes, da einige kraftlose Indexmitglieder drückten, voran Disney. Der Index fiel um 0,6 Prozent auf 15.915 Punkte. Für den S&P-500 notierte unverändert bei 1.852 Punkte. Der Nasdaq-Composite gewann 0,4 Prozent auf 4.284 Punkte.

Am Aktienmarkt mussten die Quartalszahlen von Walt Disney verarbeitet werden. Der Unterhaltungskonzern hatte am Dienstag nach Börsenschluss in den USA ein Rekordergebnis gemeldet, das er nicht zuletzt dem neuen Star-Wars-Film verdankte. Allerdings bereitet der Sportsender ESPN dem Konzern offenbar weiter Probleme. Das nehmen ihm die Anleger übel; die Aktie verlor 3,8 Prozent. Sie war der mit Abstand größte Verlierer im Dow-Jones-Index.

Time Warner hat zwar wechselkursbedingt wider Erwarten einen Umsatzrückgang im vierten Quartal verzeichnet, trotzdem aber mehr verdient als Analysten prognostiziert hatten. Für das laufende Jahr gibt sich der Konzern optimistischer. Gleichwohl fiel der Kurs um 5,1 Prozent.

SolarCity brachen um gut 29 Prozent ein. Die Solarstrom-Gesellschaft hatte am späten Dienstag mitgeteilt, weiter hinter ihren Zielen bei der Installation von Anlagen unter ihren Zielen liege. Die Aktie des angeschlagenen Erdgaskonzerns Chesapeake fiel um weitere 13 Prozent. Der schuldengeschüttelte Konzern ist ein Opfer der sinkenden Rohstoffpreise. Am Dienstag hatte Standard & Poor's das Rating auf CCC gesenkt. Allein in diesem Jahr ist das Papier bereits um 62 Prozent eingebrochen.

Dax: Banken ganz vorn

Bei den Dax-Einzeltiteln standen wieder einmal Deutsche Bank im Blickpunkt. Als "eigentlich sehr gut" werteten Händler dabei Berichte über Pläne der Bank, eigene Anleihen zurückkaufen zu wollen. Wenn der Markt Anleihekurse unter ihren eigentlichen Wert drücke, sei es immer sinnvoll, eigene Schulden billiger zurückzukaufen. Das entspreche einer günstigeren Refinanzierung. Allerdings sollen davon nach Berichten der "Financial Times" nur Senior Bonds und nicht die zuletzt im Fokus stehenden CoCo-Bonds betroffen sein.

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Deutsche-Bank-Papiere, die seit Montag rund 11 Prozent abgegeben hatten, zogen in der Spitze rund 17 Prozent an und schlossen dann 10 Prozent fester. Commerzbank gewannen 8 Prozent. Mit Blick auf die freundliche Tendenz sprach ein Händler aber lediglich von einer technischen Gegenbewegung, gestützt vermutlich vor allem von Short-Eindeckungen im schwer gebeutelten Finanzsektor.

Titel der Deutschen Telekom legten mehr als 1 Prozent zu. Sie gehörten bereits am Dienstag zu den nur fünf Gewinnern im Dax. Marktteilnehmer verwiesen auf die leicht besser ausgefallenen Zahlen der Telekom Austria. "Der operative Gewinn liegt um 13 Prozent über der Konsensprognose", sagte ein Händler. Der Umsatz liege ebenfalls leicht über der Konsensschätzung.

Milliardendeal gescheitert

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Mit Kursgewinnen reagierten die Anleger auf das Scheitern des Übernahmeangebots von Vonovia für Deutsche Wohnen. "Der Markt hatte dem Gelingen viel weniger als eine Fifty-Fifty-Chance eingeräumt, daher sind die Kursreaktionen darauf nicht so hoch", sagte ein Händler. Es gebe daher kaum Positionen zur Rückabwicklungen. Vonovia zogen rund 5 Prozent an, Deutsche Wohnen etwa 4 Prozent.

Bei den Autowerten rückten Daimler in den Fokus: Der Konzern muss im Zuge des Takata-Airbag-Skandals in den USA mehr als 800.000 Autos in die Werkstätten rufen. Eine dreistellige Millionensumme könnte das kosten. Gleichzeitig zog man beim Absatz im Januar an BMW vorbei. Daimler gingen rund 0,7 Prozent höher aus dem Handel. BMW gewannen 2 Prozent, VW 2,3 Prozent.

MDax: Zahlen so "la la"

Keine Besonderheiten machten Händler zwar in den endgültigen Zahlen für das erste Quartal von Aurubis aus. Sie entsprächen den vorläufigen Zahlen, auch der Ausblick auf das Gesamtjahr sei bestätigt worden. Die Titel verbesserten sich in dem allgemein positiven Marktumfeld aber um mehr als 1 Prozent.

SDax: Starker Auftritt

Heidelberger Druck preschten zeitweise rund 14 Prozent ins Plus - und an die Spitze der SDax-Gewinner. Am Ende stand ein Gewinn von rund 4,5 Prozent. Dabei war das jüngste Zahlenwerk eher verhalten von Analysten aufgenommen worden. Zwar hätten einige Kennziffern die Erwartungen übertroffen, jedoch rückten nun die schwächeren Auftragseingänge in den Blick.

Rohstoffe: WTI unter 28 Dollar

Nach dem Ausverkauf am Dienstagabend präsentierte sich der Ölpreis mit Auftrieb. Nordseeöl der Sorte Brent verteuerte sich zum US-Handelsschluss um 2,0 Prozent auf 30,93 Dollar je Barrel (159 Liter). Dagegen verbilligte sich der Preis für US-Leichtöl der Sorte WTI am späten Abend um 2,0 Prozent auf 27,38 Dollar.

Händlern zufolge trugen Aussagen aus dem Iran zu der zeitweisen Erholung bei, wonach die Regierung in Teheran zu Gesprächen mit Saudi-Arabien über die Lage am Ölmarkt bereit ist. Am Dienstag hatte die Internationale Energiebehörde (IEA) eine Förderkürzung durch die Opec aber als relativ unwahrscheinlich beschrieben. Die beiden Kartell-Mitglieder Iran und Saudi-Arabien sind zudem tief zerstritten, so dass Analysten kaum mit einer nachhaltigen Zusammenarbeit der beiden Regierungen rechnen.  

Die Feinunze Gold wurde in London am Nachmittag mit 1190,00 Dollar kaum verändert gefixt. 

Devisen: Euro kommt zurück

Der Euro gab nach den Yellen-Äußerungen deutlicher nach, berappelte sich dann aber wieder. Die Gemeinschaftswährung kostete am späten Abend 1,1289 Dollar und bewegte sich damit auf dem Niveau des Vortages. Im frühen Handel war der Euro noch knapp über der Marke von 1,13 Dollar gehandelt worden. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs Mittag auf 1,1257 Dollar fest nach 1,1236 Dollar am Dienstag.

Der gestiegene Risikofreude an den Finanzmärkten setzte dem Euro zu. Händler sprachen von einem "Durchatmen" an den Finanzmärkten.

Asien: Bärenmarkt in Australien

Der Nikkei-Index war dagegen den zweiten Tag in Folge deutlich gefallen. Es ging nach einem Abschlag von mehr als 5 Prozent nun 2,3 Prozent abwärts auf 15 713 Zähler. Der breiter gefasste Topix gab ebenfalls kräftig nach und schloss 3,0 Prozent tiefer bei 1265 Punkten. Die japanische Landeswährung kletterte indes weiter und notierte bei 114,53 Yen zum US-Dollar. Ein starker Yen macht japanische Exportgüter teurer. Analysten nannten zudem die niedrigen Ölpreise als Grund für den neuen Kurssturz.

In Sydney schloss der Leitindex S&P/ASX-200 bei 4.76 Punkten - ein Minus von 1,2 Prozent. Seit den Aprilhochs ist der Markt um 21 Prozent eingebrochen. Ab einem Absturz von 20 Prozent sprechen Börsianer von einem Bärenmarkt. Damit folgt Australien den chinesischen und japanischen Vorgaben, die ebenfalls im Bärenmarktmodus rangieren. "Dies ist der erste nachhaltige Bärenmarkt, den ich seit der globalen Finanzkrise beobachte", sagt Marktstratege Evan Lucas von IG in Melbourne. In China sind die Aktienmärkte wegen des Neujahrsfestes geschlossen.

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Quelle: n-tv.de

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