Wirtschaft
Das war nichts - mit einem dicken Minus geht der Dax aus dem Handel.
Das war nichts - mit einem dicken Minus geht der Dax aus dem Handel.(Foto: picture alliance / dpa)

Dax muss kapitulieren: Zinssorgen pressen Wall Street ins Minus

An den Aktienmärkten geistert nach langer Zeit wieder das Zinsgespenst umher. Anleger halten sich angesichts der Unsicherheiten zum Fed-Kurs zurück. Viele machen nach den Höchstständen der vergangenen Tage aber auch nur Kasse.

Die Sorgen vor einer Zinswende in den USA haben die Wall Street wieder fest im Griff. Vor allem der starke Arbeitsmarktbericht hatte schon am Freitag die Sorgen vor einer schneller als erwarteten Zinserhöhung durch die US-Notenbank befeuert und für deutliche Abgaben gesorgt. In Ermangelung der Veröffentlichung von wichtigen US-Konjunkturdaten konnten sich die Investoren am Berichtstag ganz auf dieses Thema fokussieren.

Der Dow-Jones-Index fiel um 1,9 Prozent auf 17.663 Punkte. Der marktbreite S&P 500 reduzierte sich um 1,7 Prozent auf 2044 Punkte. Für den technologielastigeren Nasdaq Composite ging es 1,7 Prozent auf 4860 Punkte abwärts.

In Frankfurt hatte es zuvor der deutsche Leitindex Dax nicht geschafft, sich aus der Verlustzone zu befreien. "Die Stimmung trübt sich ein", sagte ein Händler. Zwar gebe es keinen direkten Anlass für den Rückschlag. Angesichts der schon wieder aufgebrochenen Griechenland-Krise und der außenpolitischen Spannungen mit Russland mache sich aber Unbehagen breit. Daneben treibe die Aussicht auf steigende Zinsen in den USA Investoren in Dollar-Anlagen. Am Ende schloss der Dax mit einem Minus von 0,7 Prozent bei ziemlich genau 11.500 Punkten. Sein kleiner Bruder MDax fiel nach Berg- und Talfahrt am Ende um 0,1 Prozent auf 20.173 Zähler. Der technologielastige TecDax sackte 0,4 Prozent ab auf 1593 Punkte, der Euro-Stoxx-50 fiel um 1,0 Prozent auf 3573 Stellen.

Anleger bei Apple Watch misstrauisch

An der Wall Street standen bei den Einzelwerten erneut Apple im Blick, nachdem der Konzern am Vortag die Apple Watch präsentiert hatte. Während des Events hatte die Aktie ihre Gewinne bereits reduziert, nun gab sie 2,0 Prozent ab. Nicht jeder ist von der Apple Watch begeistert.

Verschnupft reagierten die Anleger auf die Zahlen zum dritten Geschäftsquartal von Barnes & Noble, obwohl sie positive und negative Details enthielten. So hat das Ergebnis je Aktie die Konsensschätzung der Analysten klar verfehlt, weil Barnes & Noble wesentlich mehr Steuern zahlen musste. Der Umsatz lag dagegen über der Prognose. Für das Geschäftsjahr stellt das Unternehmen einen stagnierenden bis leicht sinkenden Umsatz in Aussicht. Die Papiere brachen um 10,1 Prozent ein.

Gut kamen dagegen die Ergebnisse von Urban Outfitters an. Beim Gewinn je Aktie wurden die Erwartungen der Analysten geschlagen. Die Papiere legten um 11,5 Prozent zu. Qualcomm gaben ihre anfänglichen Gewinne wieder ab und reduzierten sich mit dem schwachen Gesamtmarkt um 1,1 Prozent. Der Chiphersteller hatte angekündigt, eigene Aktien im Volumen von bis zu zehn Milliarden Dollar zurückkaufen zu wollen und zudem die Dividende anzuheben.

Kaum Gewinner am deutschen Aktienmarkt

Der schwache Euro konnte keine wesentliche Unterstützung bieten. Europas Gemeinschaftswährung gab heute erneut stark nach und fiel erstmals seit fast 12 Jahren deutlich unter 1,08 Dollar. Die Gemeinschaftswährung nähert sich also immer mehr der Parität zum Greenback.

Gewinner im Dax waren am Ende nur wenige zu finden. Im Plus zeigten sich etwa mit positiven Analystenstimmen die Aktien von Infineon, die 2,0 Prozent zulegten. Dahinter folgten Munich Re mit einem Zuwachs von 0,5 Prozent.

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Zu den Dax-Verlierern: Dem Energiekonzern RWE brachen wegen der gefallenen Strom-Großhandelspreise weiter die Gewinne weg. Die Aktien gaben 2,8 Prozent nach und waren schließlich das Dax-Schlusslicht. Im Gefolge von RWE verloren auch Eon 1,2 Prozent.

Autotitel schlossen trotz des schwachen Euros - der den exportorientierten Unternehmen eigentlich in die Hände spielt - ebenfalls im Minus: BMW um 0,6 Prozent, Daimler um 1,6 Prozent und VW um 0,4 Prozent.

Ein kritischer Analystenkommentar ließ Heidelbergcement im Dax weit nach unten rutschen. Die Aktien des größten deutschen Baustoffkonzerns verbilligten sich um 1,9 Prozent. JP Morgan hatte den Titel auf "Neutral" von "Overweight" heruntergestuft.

Der weltweit drittgrößte Rückversicherer Hannover Rück hat im vergangenen Jahr überraschend viel verdient und erhöht die Dividende deutlich. Die Aktien gehörten mit einem Plus von 2,8 Prozent zu den größten Gewinnern im Nebenwerteindex MDax.

Ebenfalls nach oben ging es für Wacker Chemie. Ein Bericht über eine mögliche Abspaltung der Halbleitertochter Siltronic ließ die Titel um 3,8 Prozent steigen. Ebenfalls im MDax kletterten Symrise zunächst nach oben, schlossen am Ende aber 1,1 Prozent im Minus. Der Hersteller von Duft- und Aromastoffen hat 2014 mehr Gewinn verbucht als erwartet.

Devisen: Euro rutscht kurzzeitig unter 1,07-Dollar-Marke

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Der Euro hat seine Talfahrt fortgesetzt und ist auf den tiefsten Stand seit fast zwölf Jahren gefallen. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am späten Nachmittag mit 1,0697 US-Dollar gehandelt. Der Euro notierte damit erstmals seit April 2003 unter der Marke von 1,07 Dollar. Am Mittag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,0738 Dollar festgesetzt - etwas mehr als ein Cent weniger als am Vortag.

Die Gemeinschaftswährung nähert sich also immer mehr der Parität zum Greenback. Dieser hat auch zum Yen aufgewertet auf den höchsten Stand seit acht Jahren. Die Aussicht auf steigende Zinsen in den USA treibt Investoren in Dollar-Anlagen. Zumal in der Eurozone und in Japan nur Minirenditen oder gar negative Zinsen winken.

Auf dem Euro lasten zudem die Anleihekäufe der EZB, welche die Finanzmärkte mit Euro flutet, und die neuerliche Diskussion um die griechischen Staatsfinanzen.

Rohstoffe: Brent büßt deutlich ein

Der starke Dollar setzte auch die Ölpreise unter Druck. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI fiel zum US-Settlement um 3,4 Prozent auf 48,29 Dollar und damit das niedrigste Niveau in diesem Monat. Für Brent ging es um 3,7 Prozent auf 56,39 Dollar nach unten.

Zudem hat die Energy Information Administration (EIA) im Rahmen ihres monatlichen Berichts ihre WTI-Preisprognose für dieses Jahr auf 52,15 Dollar von zuvor 55,02 Dollar gesenkt. Die Schätzung für 2016 wurde um einen Dollar auf 70 Dollar nach unten genommen. Zudem seien die Blicke bereits auf die wöchentlichen US-Lagerbestandsdaten am Mittwoch gerichtet, sagte ein Händler.

Der Goldpreis ist unterdessen auf den niedrigsten Stand seit Anfang Dezember gesunken. Das Edelmetall verbilligte sich um bis zu 0,9 Prozent auf 1156,20 Dollar je Feinunze. Die Commerzbank-Analysten begründeten den Preisrutsch mit höheren US-Anleiherenditen, steigenden Aktienmärkten und dem sehr festen US-Dollar.

Quelle: n-tv.de

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