Wirtschaft
#RelaxAndWork heißt das Motto.
#RelaxAndWork heißt das Motto.(Foto: picture alliance / dpa)

"Wir nennen es Coworkation": Wenn Arbeit zum Urlaub wird

Ein Gastbeitrag von Björn Budack

Arbeiten, wo andere Urlaub machen – das verlangt nicht nur nach einem ordentlichen Internetzugang, sondern auch nach jeder Menge Selbstdisziplin. Hat man beides, steht den "Coworkations" eigentlich nichts mehr im Weg.

Ende Oktober klappt Matthias Zeitler seinen Laptop zu, packt Powerpack und Smartphone ein und macht sich auf den Weg ans Mittelmeer, um von dort aus weiterzuarbeiten. Um dem Schmuddelwetter in Österreich zu entkommen, hat der Unternehmer aus Salzburg vor einigen Jahren begonnen, Coworking Camps zu organisieren. Hauptberuflich arbeitet der Vierzigjährige an der Entwicklung einer Hardware, mit der sich Stromkreise messen und steuern lassen. Die Planung und Durchführung des jährlichen Coworking Camps ist da eher ein ambitioniertes Hobby.

Für sechs Wochen findet sich alljährlich eine bunte Gruppe von Freelancern zusammen, um bei angenehmeren Temperaturen Arbeit und Urlaub zu verbinden. Nach Stationen in Ägypten und der Türkei fand das letzte Camp im Herbst vergangenen Jahres auf der Insel Djerba in Tunesien statt.

Tagsüber wird im Coworking Space gearbeitet, abends werden dann die Projekte vorgestellt, an gemeinsamen Lösungen getüftelt, zusammen gekocht oder Filme angeschaut. Die Kosten von etwa 1800 Euro für einen Aufenthalt von sechs Wochen sollen das Camp auch für Freelancer bezahlbar machen.

"Work" + "Vacation" = "Coworkation"

Björn Budack ist Unternehmensberater für Coworking-Anbieter und Business Center.
Björn Budack ist Unternehmensberater für Coworking-Anbieter und Business Center.

"Coworkation" ist der Begriff, den Samantha Wolf für die Verbindung von reizvollen Standorten und Arbeit geprägt hat. In ihrer Masterarbeit am Institut für Systematisches Management der Universität St. Gallen untersucht die 27-Jährige diese Art zu arbeiten unter touristischem Blickwinkel. Hierfür hat sie zahlreiche Coworking Spaces besucht und die Berichte in ihrem Blog www.coworkationist.com veröffentlicht.

Deutlich wird dabei, dass vor allem die Verfügbarkeit einer schnellen Internetleitung für den Erfolg der Coworking Camps entscheidend ist. Die digitalen Nomaden benötigen für ihre Arbeit in der Cloud, mit der Dropbox oder für Video Blogs eine breite und synchrone Leitung, bestätigt auch Matthias Zeitler.  

Doch die Coworking Camp Community ist auch an einer Rundumbetreuung interessiert. Wie jeder Pauschaltourist erwarten die arbeitenden Urlauber Zimmerservice und Vollpension, mit einem vielseitigen Buffet am Abend. Nur während der klassische Tourist mit dem Handtuch unter dem Arm an den Strand geht, versammeln sich Coworking Camper im Gemeinschaftsbüro und genießen vom Schreibtisch aus den Blick aufs Meer.

In angenehmer Umgebung effektiv arbeiten, ist das erklärte Ziel der Coworking Camper. Schwierigkeiten entstehen, wenn die Internetleitung doch nicht reibungslos funktioniert. Oder das Freizeitprogramm so verlockend ist, dass bei der Alternative Schreibtisch oder Tauchgang im Indischen Ozean die Wahl zu häufig auf dem Urlaubsanteil fällt. Wer sich für Coworkations entscheidet, sollte also wohl seine Ziele realistisch einschätzen und möglichst über ein ordentliches Maß an Disziplin verfügen. 

Das Konzept Coworkation, das Samantha Wolf und Matthias Zeitler auf der Cowork2016, der Konferenz des Deutschen Coworking Verbandes, beschrieben haben, hat Doris Schuppe auf Mallorca verwirklicht. In dem kleinen Ort Santanyi im Südosten der Insel liegt ihr Coworking Space "Rayaworx". Hier bietet sie unter dem Motto "Relax & Work" 13 Arbeitsplätze mit Glasfaseranbindung, Drucker, Kaffee und Tee an. Die Coworker sind eine bunte Mischungen aus festen Nutzern, Tagesgästen aus der Umgebung und Urlaubern. Während die Familie am Strand liegt, können im Rayaworx Unternehmerinnen oder Manager in ruhiger professioneller Umgebung arbeiten und nach einem effektiv genutzten Vormittag das Handtuch am Strand neben der Familie ausrollen. Ab 23 Euro gibt es Halbtages-, Tages- und Wochentickets, und wer sich heimisch fühlt und bleiben möchte, kann auch den Monatstarif für 360 Euro buchen.

Mittlerweile hat sich das Netz der digitalen Nomaden über die Welt gespannt. Ob Bali oder Chiang Mai in Thailand – günstige Lebenshaltungskosten, eine gute Infrastruktur und entspannte Urlaubsatmosphäre locken Freelancer in die Ferne.

Die guten Erfahrungen der vergangenen Jahre haben auch Matthias Zeitler dazu ermutigt, für den Herbst dieses Jahres das nächste Camp zu organisieren. Weitere Informationen werden dann auf www.coworking.camp bereitgestellt. Irgendwo am Mittelmeer wird er sicher wieder ein Hotel mit zuverlässiger Internetverbindung, Rundumservice und Meerblick vom Arbeitsplatz finden, in dem sich unter mediterraner Sonne entspannt gemeinschaftlich arbeiten lässt.

Quelle: n-tv.de