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Dienstag, 15. März 2011

"Kommt nicht in Frage": Sarkozy lehnt Ausstieg ab

Die Katastrophenserie in den japanischen Kernkraftwerken lässt die französische Regierung unbeeindruckt: Präsident Sarkozy lehnt einen Ausstieg aus der Atomkraft rundweg ab.

Verzicht auf Atomkraft? Für Sarkozy unvorstellbar.
Verzicht auf Atomkraft? Für Sarkozy unvorstellbar.(Foto: AP)

Präsident Nicolas Sarkozy hat Forderungen nach einem Umdenken in der französischen Atompolitik zurückgewiesen. "Ein Ausstieg kommt nicht in Frage", sagte er nach einem Bericht der Zeitung "Le Figaro" nach einem Treffen mit der Parteispitze der Regierungspartei UMP.

Die französischen Atomkraftwerke seien zehnmal sicherer als andere, rechnete Sarkozy vor, da sie eine doppelte Schutzhülle hätten. Als Vorsitzender der G20-Gruppe wolle er eine Konferenz anregen, die sich mit Energie und Nuklearsicherheit befasse, sagte Sarkozy. Bundeskanzlerin Angela Merkel kündigte derweil nach einem Atom-Gipfel in Berlin eine deutsch-französische Initiative zur Sicherheit von Kernkraftwerken im Rahmen der G20 an.

Ein französischer Atomkraftgegner protestiert in Marseilles: "Nein zur Atomkraft! Einen Tag erleuchtet, verstrahlt für immer".
Ein französischer Atomkraftgegner protestiert in Marseilles: "Nein zur Atomkraft! Einen Tag erleuchtet, verstrahlt für immer".(Foto: REUTERS)

Auch Frankreichs Umweltministerin Nathalie Kosciusko-Morizet betonte die hohe Sicherheit der 58 französischen Reaktoren. "Man kann nicht die Stromversorgung eines ganzen Landes mit erneuerbaren Energien sicherstellen", sagte sie. Davon ist Frankreich weiter entfernt als jedes andere Land in der Europäischen Union. Während der Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung weltweit bei rund 17 Prozent liegt, sind es in der EU etwa 30, in Frankreich knapp 80 Prozent. Die französischen Grünen forderten eine Volksabstimmung über die Zukunft der Kernenergie.

Oettinger fordert Neubewertung der Kernkraft

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In Brüssel findet an diesem Dienstag ein Sondertreffen der europäischen Energieminister statt. Eingeladen hatte EU-Energiekommissar Günther Oettinger. Vor dem Treffen bekräftigte der CDU-Politiker seine Forderung nach einer globalen Neubewertung der Atomkraft. "Wir müssen überlegen, ob wir als Europäer diese Debatte nicht mit den USA und China gemeinsam führen müssten", sagte er in der ARD.

Oettinger wies darauf hin, dass eine Kehrtwende bei der Atomkraft in Deutschland auch Europa betreffe: "Wenn ein großes Mitgliedsland wie Deutschland die Kernkraft auf den Prüfstand stellt, hat das Konsequenzen für die europäische Infrastruktur und die Versorgungssicherheit in Sachen Strom und Energie insgesamt." Nichtsdestotrotz müsse die Energieversorgung in Europa weiterhin gewährt bleiben, dafür müssten Leitungs- und Speichernetze für alternative Energien europaweit ausgebaut werden.

Quelle: n-tv.de