Ein Cliffhanger und viele Fragen"The Walking Dead": Es ist ihre Welt ...

Gefangen in einem Viehwaggon blicken Rick und seine Gruppe Überlebender wie Schlachttiere einem ungewissen Schicksal entgegen. Gelingt ihnen der Ausbruch? Wer kann sich retten? Welches Zombie-Grauen wartet danach auf sie?
Wenn die Macher der Kultserie "The Walking Dead" ein Händchen für etwas haben, dann sind es Staffelfinals. Da wäre das Center for Desease Control und die wahnwitzige Explosion, dann "Die Mahd" mit dem ersten Blick auf das Gefängnis und die damit geweckte Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Es folgt der Angriff des Governors und ein Showdown, der sich gewaschen hat - und nicht zuletzt das Ende der vierten Staffel, als Rick (Andrew Lincoln) und der Großteil seiner Gruppe in Terminus eintrifft. Was wird sie dort erwarten? Paradies oder Hölle?
Ganz klar, es ist die Hölle. Denn wer bisher noch dachte, dass die Zombies die größte Gefahr in dieser Welt der wandelnden Untoten sind, wird mit den ersten Minuten der fünften Staffel von "The Walking Dead" eines Besseren belehrt. Die Bewohner von Terminus sind die Ausgeburt des Bösen: Vergewaltigungen erscheinen dabei noch als das kleinste Übel.
Als Rick, Daryl (Norman Reedus) und ein paar andere gefesselt in einem großen Raum aufwachen, ahnen sie noch nicht, welches Ende ihnen die Bewohner von Terminus zugedacht haben. Dann zischt ein Schwert durch die Luft, ein Schrei ertönt, ein polternder Stuhl und schon ist Rick und Daryl klar: Sie sind Schlachtvieh, sie sind die Schweine, die man erst ausbluten lässt und dann genüsslich verspeisen wird.
Wiedervereint
Gut nur, dass Rick einst Carol (Melissa McBride) aus seiner Gruppe verstoßen hat und sie nun ebenfalls auf dem Weg nach Terminus ist. Anders als Rick und seine Gefolgschaft ist sie aber vorsichtiger, was Terminus betrifft. Ein paar Schüsse, ein kleines Feuer innerhalb der Mauern und eine Horde Zombies bahnt sich ihren Weg hinein, Carol mischt sich unbemerkt darunter, um auszukundschaften.
Was sie da noch nicht weiß: Mit ihrem angerichteten Tohuwabohu rettet sie Ricks und Daryls Leben - und auch das der anderen Gruppenmitglieder. Rick und Daryl nutzen die Nervosität ihrer Bewacher, befreien erst sich und dann den Rest. Terminus ist Geschichte. Und Carol hat noch eine kleine schreiende Überraschung für Rick parat.
Genau, Ricks Baby Judith ist wieder da - und alle fallen sich um den Hals und verzeihen sich ihre Sünden. Alles wäre so schön, wenn im Wald nicht plötzlich Hilfeschreie ertönen würden. Ein schwarzer Pfarrer stößt sie aus und er wird erlöst. Die Gruppe rettet sein Leben, im Gegenzug gibt er ihnen Unterschlupf in seiner Kirche. Doch schon da ahnt Rick, dass mit Gabriel (Seth Gilliam) etwas nicht stimmt. Sein Rat an seinen Sohn Carl (Chandler Riggs) klingt wie eine böse Prophezeiung: "Du bist niemals sicher. Egal, was du denkst, du bist nicht sicher. Es braucht nur eine Sekunde, eine Sekunde und alles ist vorbei. Also sei wachsam. Versprichst du mir das?"
An seinen eigenen Rat wird Rick am Ende der Staffel schmerzlich erinnert. Als Zuschauer ahnt man es vorher schon: Ein Pfarrer in einer Welt, die "ihnen", den Untoten gehört und in der die Menschen nur leben - das kann nur böse enden. Und das tut es auch. Doch bis dahin gibt es wieder jede Menge Kleinigkeiten, die das Herz eines jeden "The Walking Dead"-Fans höher schlagen lassen.
Wiederkehrend
Kleinigkeiten wie zerberstende Zombie-Köpfe in Slo-Mo etwa; ein Rick Grimes, dessen innere Zerrissenheit ihm jetzt auch äußerlich anzusehen ist: Er trägt einen völlig verwahrlosten Vollbart. Rasieren bedeutet Zivilisation - und die ist schon lange vor die Hunde gegangen: "Die grauenhafte Scheiße wird von Tag zu Tag mehr."
Kleinigkeiten auch, wie dass einige Charaktere das Zeitliche segnen, neue dazukommen, einige irgendwie immer nerven wie die Pest und längst verschollen geglaubte plötzlich wieder auftauchen. Das ist auch in der fünften Staffel so. Freude bereitet etwa der Neuling Aaron (Ross Marquand), den Armbrustschütze Daryl unter seinen Fittiche nimmt und der - jawohl, homosexuell ist.
Alte Bekannte, neue Helden
Wer das Zeitliche segnet, bleibt hier unklar. Nur so viel: Eine Träne darf man sich schon dabei verdrücken! Der Nervtöter? Ja, es ist Gabriel. Wo sind die nimmersatten Zombies, wenn man sie als Zuschauer wirklich einmal braucht?
Irgendwo anders, bei den "Wölfen" wahrscheinlich. Diese skrupellose Bande stilisiert sich als neue Bedrohung der Gruppe für Staffel sechs heraus. Aber Rick kann dann wohl auf einen alten Bekannten als Bonus hoffen. Das ist auch schon der Cliffhanger. Gegen Terminus aus Staffel vier fällt er zwar etwas ab, Spannung ist dennoch geboten, allein wegen der vielen offenen Fragen.
Was wird aus Baby Judith? Wann kriegen sich Carol und Daryl - oder Aaron und Daryl? Wird Maggie (Lauren Cohan )von Glenn (Steven Yeun) schwanger? Wer muss als nächstes Gruppenmitglied dran glauben? Wie lange überlebt Eugene (Josh McDermitt)? Wie lange bleibt Michonnes (Danai Gurira) Schwert scharf? Findet die Gruppe endlich eine sichere Heimstatt? Gibt es so etwas in "ihrer" Welt überhaupt noch? Was ist mit der Menschlichkeit? Zählt nur noch das Gesetz des Stärkeren? Überlebt nur noch der Skrupellose? So gesehen haben die Macher der erfolgreichsten US-Kabel-TV-Serie mal wieder alles richtig gemacht.
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