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Sonntag, 06. November 2016

"Crooked" Hillary gegen Populist Trump: Der Wahlkampf des Schreckens geht zu Ende

Von Markus Lippold

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"Historisch" wird diese Wahl allemal. (Foto: REUTERS)

"Historisch" wird diese Wahl allemal.

"Historisch" wird diese Wahl allemal.

Und das nicht, weil das erste Mal eine Frau - und ehemalige First Lady - ins Weiße Haus einziehen könnte.

Oder ein Immobilienmogul und Reality-TV-Star zum US-Präsidenten gewählt werden könnte.

Nein, diese Wahl ist schon allein deshalb historisch, weil sie einen Wahlkampf beendet, der …

… an Peinlichkeiten, …

… Skandalen und …

… Beleidigungen so reich war wie kein anderer in jüngerer Zeit.

Dass Wahlkämpfe in den USA überdreht sind und …

… oft genug ziemlich bizarr anmuten, ist nichts Neues.

Dass sie mehr als eineinhalb Jahre dauern, weil zuvor langwierige Vorwahlen abgehalten werden, ist bekannt.

Klar ist, dass die Kandidaten bei Sonnenschein und Schnee durchs Land ziehen, …

… im Schlepptau eine ganze Wahlkampfmaschine samt prominenter Unterstützung wie First Lady Michelle Obama, …

… um sich möglichst volksnah zu geben und ...

... ihre immer gleichen Parolen aufsagen zu können.

Stets unter Beobachtung der Medien und sozialer Netzwerke, wo jeder Fauxpas ausgiebig ausgebreitet wird.

So unermüdlich ist dieser Wahlkampf, dass etliche Amerikaner dank der Dauerbeschallung einfach nur noch genervt sind.

So ist es ja eigentlich alle vier Jahre. Dass diesmal die Auseinandersetzungen aber so emotional und wütend geführt werden, ist neu - und beängstigend.

Dieser Wahlkampf hat nicht nur in der ganzen Welt für Kopfschütteln gesorgt - wie es schon bei früheren Präsidentschaftskandidaten der Fall war.

Er hat vor allem in den USA selbst zur weiteren Spaltung der Gesellschaft beigetragen.

Das Duell Hillary Clinton gegen Donald Trump wird als Zäsur in die Geschichte der USA eingehen.

Eine Zäsur, die nichts mehr übrig gelassen hat von inhaltlichen Diskussionen und Anstand zwischen den Kontrahenten.

Eine Zäsur aber auch, die dem Washingtoner Politikbetrieb gezeigt hat, wie unbeliebt, wenn nicht verhasst er mittlerweile im eigenen Volk ist, wie weit sich Volk und Volksvertreter voneinander entfernt haben.

Hillary Clinton hätte diese Distanz fast ihre sicher geglaubte Kandidatur gekostet, weil sie …

… mit Bernie Sanders einen Konkurrenten hatte, der vor allem bei jungen Wählern gut ankam und …

… Themen ansprach, die in der amerikanischen Politik viel zu lange viel zu kurz gekommen sind.

Donald Trump dagegen hat von der Ablehnung des Politikbetriebes profitiert, indem er sich als Außenseiter fernab des Establishments profiliert hat.

Aber auch indem er gnadenlosen Populismus betrieben hat.

Schon als er am 16. Juni 2015 offiziell seine Bewerbung um das Präsidentenamt verkündet, schimpft er gleichzeitig auf mexikanische Einwanderer.

Er diffamiert sie als Drogenhändler und Vergewaltiger, fordert die Abschottung der gemeinsamen Grenze - und gibt damit einen Vorgeschmack auf den Rest seines Wahlkampfs.

Wenig später beleidigt er den ehemaligen Präsidentschaftskandidaten John McCain - der hochdekorierte Vietnamveteran sei kein Kriegsheld, sagt Trump. Beobachter halten ihn danach für erledigt.

In einer der ersten Fernsehdebatten der republikanischen Bewerber beleidigt Trump die Moderatorin Megyn Kelly: "Man kann sehen, dass Blut aus ihren Augen herauskam, dass Blut wo auch immer bei ihr herauskam", sagt er.

Trump sagt, er würde Waterboarding als Verhörmethode wieder einführen. Später setzt er noch einen drauf: Er würde Schlimmeres als Waterboarding erlauben.

Nach dem Terrorakt im kalifornischen San Bernardino fordert der Bewerber ein komplettes Einreiseverbot für Muslime.

Trump bringt einen möglichen Austritt aus der Nato ins Spiel. Er kann sich Atomwaffen in Japan und Südkorea vorstellen. Und er beleidigt den Papst.

Der Kandidat spricht über die Länge seiner Finger - und die seines Penis. Immer wieder sorgt er für Aufsehen, etwa wenn er ein schreiendes Baby aus dem Saal schmeißen lassen will. Es sei nur Spaß gewesen, sagt er später.

Er greift öffentlich die muslimischen Eltern eines im Irak gefallenen US-Soldaten an - eigentlich ein Tabu in der US-Politik.

Der Republikaner weigert sich auch, seine Steuererklärung zu veröffentlichen. Dass er jahrelang kaum Steuern bezahlt haben soll, wertet er als eigene Cleverness.

Hinzu kommen immer wieder Vorwürfe wegen seiner Geschäftsgebaren oder Skandale um Teile seines Konzerns.

Schließlich bringt ihn ein Video von 2005 in die Bredouille, in dem er sich abschätzig über Frauen äußert - wie er es schon mehrmals im Wahlkampf gemacht hat.

Etliche Frauen werfen ihm daraufhin vor, sie sexuell belästigt zu haben.

Bei Trump folgt ein Skandal dem anderen, er lässt kein Fettnäpfchen aus.

Doch schadet ihm das?

Keineswegs! Trump gewinnt Vorwahl nach Vorwahl.

Fast von Beginn seines Wahlkampfs an führt er das Feld der republikanischen Präsidentschaftsbewerber an.

Kritiker sehen darin anfangs noch eine Ausnahme - zu unfassbar sind Trumps rassistische, frauenfeindliche Äußerungen.

Stattdessen gibt es Unmengen an Witzen über seine Frisur oder andere Kleinigkeiten.

Doch der von vielen erwartete Absturz des Milliardärs bleibt aus - vielmehr festigt er seine Favoritenrolle mehr und mehr.

Er schlägt nicht nur gemäßigte Konkurrenten wie die beiden amtierenden Gouverneure John Kasich (Bild) und Chris Christie aus dem Feld, …

… sondern auch Jeb Bush (hinten). Der hatte als Sohn und Bruder von Ex-Präsidenten zwar tatkräftige Unterstützung im Wahlkampf - letztlich aber hat ihm das als Teil des Establishments wohl eher geschadet.

Vor allem kann sich Trump gegen Vertreter des rechten Parteiflügels und der rechtspopulistischen Tea-Party-Bewegung durchsetzen, darunter Rand Paul, Marco Rubio (Bild), …

… den überraschend starken Arzt Ben Carson, der Trump inzwischen unterstützt, und …

… Ted Cruz, den Trump mehrfach als "Lügen-Ted" bezeichnet und dem er Wahlbetrug vorwirft.

So wird Trump am 21. Juli 2016 offiziell zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten bestimmt, …

… der zusammen mit Gouverneur Mike Pence als Vizepräsidentenkandidaten ins Rennen geht.

Allerdings kann er nicht auf die Unterstützung der gesamten Partei setzen, etliche bedeutende Politiker der Republikaner sprechen sich gegen ihn aus.

Bei den Demokraten sieht es auf den ersten Blick besser aus. Aber auch hier verbergen sich Abgründe unter der Oberfläche.

Am 12. April 2015 kündigt die ehemalige First Lady und Außenministerin Hillary Clinton ihre Kandidatur an.

Viele Gegenkandidaten hat sie nicht - ihr Sieg gilt nach dem Scheitern 2008 gegen Barack Obama als ausgemachte Sache, …

… zumal sie nicht nur der Präsident und dessen Frau Michelle unterstützen, sondern natürlich auch ihr Mann und Ex-Präsident Bill Clinton …

... sowie viele Prominente wie Sängerin Katy Perry.

Außerdem sammelt sie so viel Wahlkampfspenden wie keiner ihrer Herausforderer.

Doch nicht nur der überraschend starke Linke Bernie Sanders macht ihr das Leben schwer, …

… der Vorwahlen in mehreren Bundesstaaten für sich entscheiden kann und …

… etliche Anhänger unter frustrierten jungen Leuten findet.

Hinzu kommen auch etliche Skandale aus ihrer früheren Karriere, die vor allem Trump genüsslich ausschlachtet und für seine Angriffe nutzt.

So muss Clinton etwa mitten im Wahlkampf elf Stunden lang vor einem Ausschuss zum Anschlag auf die US-Botschaft im libyschen Bengasi 2012 aussagen - damals verantwortete sie das Außenressort und verweigerte zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen für die Vertretung.

Vor allem aber die Email-Affäre wird zum Dauerthema.

Clinton hat als Ministerin Mails - darunter einige, die als geheim eingestuft werden - von einem privaten Server und über ein privates Konto verschickt. Das war gegen die Vorschriften.

Die Untersuchungen des FBI werden zwar im Juli 2015 abgeschlossen, aber im Oktober wieder aufgenommen - kurz vor der Wahl, was für viel Kritik sorgt.

Auch Vorwürfe gegen die Clinton-Foundation (hier mit Tochter Chelsea) und …

… Enthüllungen von Wikileaks schaden Clintons Image enorm.

Die Plattform veröffentlicht Mails und Dokumente, die etwa zeigen, wie die Parteiführung (DNC) bewusst Clintons Konkurrenten Sanders benachteiligt hat.

Die Mails können Clinton zwar keine Gesetzesverstöße oder wirkliche Skandale nachweisen, zeigen aber, wie es hinter den Kulissen zugeht.

Das ist Öl ins Feuer der Clinton-Gegner, steht doch in diesem Wahlkampf die Kritik am abgehobenen Politikbetrieb im Mittelpunkt.

Donald Trump wird nicht müde, Clinton frühere Verfehlungen vorzuwerfen, sie als Teil des korrupten Washingtoner Establishments zu diffamieren.

Auch ihr hohes Spendenaufkommen wird zur Zielscheibe, ausgerechnet der Immobilienmilliardär wirft ihr eine Nähe zu Großbanken und Hedgefonds vor.

"Crooked Hillary" (betrügerische Hillary) wird nicht nur Trumps oft wiederholter Spruch - er wird auch von seinen Anhängern begeistert aufgenommen.

Die permanenten Angriffe schaden Clinton.

Gleichwohl schafft sie es kurz nach Trump, die entscheidende Mehrheit der Delegierten für den Parteitag der Demokraten zu erreichen.

Ihr innerparteilicher Konkurrent Sanders gibt zwar nicht auf, sagt ihr aber schließlich seine Unterstützung zu, ...

... sehr zum Unmut einiger seiner Anhänger.

So wird Clinton Ende Juli offiziell demokratische Präsidentschaftskandidatin.

Als ihren Vizepräsidentenkandidaten wählt sie den ehemaligen Gouverneur Tim Kaine aus.

Nun stehen zwar nach mehr als einem Jahr Wahlkampf endlich die beiden Kandidaten fest, die Schlammschlacht geht aber unvermindert weiter.

Die TV-Duelle kann Clinton zwar allesamt für sich entscheiden, doch Trump bleibt Tagesgespräch - meist wegen seiner Fehltritte.

Er fordert nicht nur eine Haftstrafe für seine Gegnerin wegen ihrer Email-Affäre.

Immer wieder spricht er auch davon, dass die Wahl von Clinton manipuliert werde.

Für einen Eklat sorgt er schließlich, als er im dritten und letzten Fernsehduell ankündigt, das Wahlergebnis nicht unbedingt akzeptieren zu wollen.

Auch die Vorwürfe um seinen Umgang mit Frauen schaden ihm, in den Umfragen fällt er zurück.

Das heißt aber nicht, dass Clinton nun zur sicheren Favoritin avancieren würde.

Angefeuert durch gesundheitliche Probleme bei einem Auftritt - schuld ist eine Lungenentzündung - wird im September plötzlich über Clintons Gesundheitszustand und ihr Alter diskutiert.

Als wäre das nicht genug, kommt es im Oktober zu einer Neuauflage der Email-Affäre, was den Abstand zu Trump wieder schmelzen lässt.

Der Ausgang der Wahl ist seitdem ungewiss.

Viele Amerikaner sind frustriert. Denn keinem der Kandidaten fliegen die Herzen zu.

Auf der einen Seite eine unterkühlte Profipolitikerin - machtbewusst, skandalbelastet und tief im Washingtoner Politzirkus verankert.

Auf der anderen Seite ein exzentrischer Milliardär mit rassistischen und frauenfeindlichen Ansichten.

Während sich die Anhänger der Kandidaten unversöhnlich gegenüberstehen, ...

... dürften viele andere Amerikaner angesichts der Wahlentscheidung verzweifeln.

Für sie hat die Wahl nur ein Gutes: ...

Dieser schreckliche Wahlkampf ist endlich zu Ende.

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