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Newtown trauert um die Opfer.
Newtown trauert um die Opfer.(Foto: REUTERS)

Verheerende Verletzungen: Alle Opfer sind identifiziert

Immer mehr Details zum Amoklauf von Newtown kommen ans Licht. Demnach soll der Täter doch gewaltsam in die Schule eingedrungen sein. Dort erschießt er zwölf Mädchen und acht Jungen sowie sechs Erwachsene. Die Kinder sind nicht älter als sieben Jahre alt. Alle Opfer werden gleichmehrfach von Kugeln getroffen.

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Alle Opfer des Amoklaufs an einer US-Grundschule in  Newtown sind identifiziert - die Hintergründe der Bluttat mit 27 Toten bleiben aber weiter im Dunk eln. Aufschluss erhoffte sich die Polizei von Unterlagen, die im Wohnhaus des Todesschützen sichergestellt wurden.

Die Leichen der Opfer wurden inzwischen aus der Schule gebracht. Die Staatspolizei von Connecticut veröffentlichte die Namen der Opfer. Die Angehörigen der Opfer hätten darum gebeten, dass ihre Privatsphäre respektiert werde, hieß es.

Die Leichen der getöteten Kinder wurden ihren Eltern übergeben.
Die Leichen der getöteten Kinder wurden ihren Eltern übergeben.(Foto: REUTERS)

Die Durchsuchung habe "gute Beweise" erbracht, sagte der Sprecher der Polizei im Bundesstaat Connecticut, Paul Vance. Er teilte weiter mit, dass sich der 20-jährige Schütze Adam Lanza gewaltsam Zutritt zur Schule verschaffte, die erst vor kurzem ein neues Sicherheitssystem erhalten haben soll.

Die Bluttat löste weltweit Bestürzung aus und entfachte zugleich eine neue Debatte über das Waffenrecht in den USA. Präsident Barack Obama forderte "bedeutsames Handeln, um weitere Tragödien wie diese zu verhindern". Konkrete Forderungen stellte er "in dieser schweren Stunde" nicht. Obama wird an diesem Sonntagabend Newtown in Connecticut besuchen. Dort wird er bei einer interkonfessionellen Mahnwache für die 20 getöteten Schulkinder und sechs Erwachsenen sprechen. Er wird auch mit den Familien der Opfer der Sandy-Hook-Grundschule zusammentreffen.

Kinder zwischen sechs und sieben Jahren

Das beschauliche Newtown kannte Kriminalität bislang nur aus den Medien.
Das beschauliche Newtown kannte Kriminalität bislang nur aus den Medien.(Foto: dpa)

Der Täter hatte in der Kleinstadt Newtown an der Sandy Hook Elementary School nördlich von New York 20 Kinder zwischen sechs und sieben Jahren sowie sechs weibliche Erwachsene erschossen, darunter die Rektorin und eine Psychologin. Von den getöteten Kindern waren zwölf Mädchen und acht Jungen. 16 waren sechs Jahre alt und vier sieben Jahre alt. Nur ein Opfer des Amokläufers hat verletzt überlebt. Anschließend nahm er sich das Leben.

Die Mutter des Täters wurde ermordet in einer nahe gelegenen Wohnung gefunden. Die drei halbautomatischen Waffen, die in der Schule in der Nähe der Leiche des Schützen entdeckt wurden, waren auf ihren Namen registriert.

Täter als klug und introvertiert beschrieben

Polizeisprecher Vance sagte zum Täter: "Er hat seinen Eintritt in die Schule erzwungen." Nähere Angaben machte er nicht. US-Medien hatten zuvor berichtet, dass die Grundschule erst in diesem Jahr ein neues Sicherheitssystem eingerichtet hat: Besucher müssen klingeln und erscheinen dann auf einer Sicherheitskamera. Erst wenn jemand innen auf den Türöffner drückt, kann man eintreten. Zunächst war berichtet worden, die Schuldirektorin habe dem Schüler geöffnet, weil dieser ein Angehöriger einer Angestellten sei. Anschließend habe der junge Mann die Frau erschossen.

Ganz Amerika fühlt mit den Opfern.
Ganz Amerika fühlt mit den Opfern.(Foto: AP)

Lanza soll Berichten von Nachbarn und Bekannten zufolge in Newtown aufgewachsen sein. Er wird als sehr klug, scheu und introvertiert beschrieben. In jungen Jahren sei er ein Einzelgänger gewesen, erzählte eine frühere Klassenkameradin bei CNN. Nachbarn beschrieben ihn als merkwürdig. Bei dem Amoklauf soll er ganz in Schwarz gekleidet gewesen sein und eine kugelsichere Weste getragen haben. Er habe sein Auto direkt vor der Eingangstür geparkt, berichtete der Nachrichtensender CNN.

Auch eigene Mutter getötet

Vance wies unterdessen Berichte zurück, nach denen der mutmaßliche Schütze einen Tag vor seinem Amoklauf am Freitag eine Auseinandersetzung in der Grundschule hatte. Darüber gebe es keine Informationen, sagte er. Vance stellte auch klar, dass die in ihrem Wohnhaus ermordet aufgefundene Mutter des Schützen keine Verbindung zur Schule gehabt habe. In Medienberichten hatte es zuvor geheißen, sie sei Lehrerin an der Schule gewesen.

Das Verhältnis zwischen ihr und ihrem Sohn wird in US-Medien als "nicht frei von Spannungen" bezeichnet. Unklar blieb zunächst auch, wann genau sie getötet wurde. Der mit der Untersuchung der Leichen beauftragte Mediziner Wayne Carver II bestätigte Medienberichte, wonach der 20-Jährige Schütze auch seine Mutter getötet hat.

Verheerende Verletzungen  

Die Opfer des Schulmassakers wurden nach Einschätzung des Gerichtsmediziners mehrere Male von Kugeln getroffen. Die Verletzungen seien verheerend, sagte Carver, der sieben der Leichen obduziert hatte. "Ich glaube, alle wurden mehrfach getroffen." Es sei das Schlimmste, was er jemals in den mehr als 30 Jahren seiner Tätigkeit gesehen habe. Die vom Täter verwendeten Kugeln seien von einer Art, die schwere Schäden im Gewebe anrichteten.

Die USA diskutieren wieder über das Waffenrecht.
Die USA diskutieren wieder über das Waffenrecht.(Foto: dpa)

Die Mutter des Täters galt als Waffensammlerin, die ihren Sohn zum Schießtraining animiert haben soll. Ein 20-jähriger ehemaliger Mitschüler des Täters sagte US-Medien, beide Eltern hätten den Jungen immer zu akademischen Höchstleistungen angetrieben. Besonders die Mutter habe ihn gedrängt. "Sie hat ihn enorm unter Druck gesetzt, klüger zu sein und in der Schule härter zu arbeiten."

Der junge Mann soll bei seiner geschiedenen Mutter gewohnt haben. Unterdessen wurden auch der in New Jersey lebende Bruder und der Vater befragt. Der Bruder war zunächst mit dem Täter verwechselt worden, weil dieser wohl die Ausweispapiere seines vier Jahre älteren Bruders bei sich gehabt haben soll, als er in die Schule eindrang.

USA stehen unter Schock

Amerika steht nach der Gräueltat unter Schock, Politiker suchten verzweifelt nach Worten. Obama bekräftigte in einer Ansprache, derartige Tragödien passierten zu häufig in den USA. Seien es die Blutbäder wie jetzt in der Grundschule in Newtown oder Schießereien an zahllosen Straßenecken in Städten wie Chicago oder Philadelphia: "Jeder dieser Orte könnten unser eigener sein", sagte der Präsident. Er rief alle Mitbürger zur Solidarität mit den Angehörigen der Opfer auf.

Der Gouverneur des Bundesstaates Connecticut, Dan Malloy, sagte: "Das Böse hat unsere Gemeinde besucht. Es ist eine schreckliche Zeit." An allen öffentlichen Gebäuden in den USA wurden die Flaggen auf halbmast gesenkt. Vor der Einfahrt der Grundschule in Newtown lagen Dutzende Blumensträuße und Karten. Bereits am Freitagabend hatten sich mehrere hundert Menschen in einer Kirche zu einer Andacht versammelt.

Familie des Täters fassungslos

Der Vater des mutmaßlichen Schützen drückte den Angehörigen der Opfer sein tiefes Bedauern über die "enorme Tragödie" aus. In einer vom Sender CNN veröffentlichten Mitteilung erklärte er, dass seine Familie mit den Ermittlern eng zusammenarbeite. Auch sie seien schockiert und hätten keine Erklärung für die Tat. "Wir teilen die Trauer der Gemeinde und des Landes, während wir den unglaublichem Verlust zu verstehen versuchen", ließ der Onkel des Täters mitteilen.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte ihr Mitgefühl. "Die Nachrichten aus Newtown machen mich tieftraurig. Wieder einmal stehen wir voller Entsetzen vor einer Tat, die wir nicht begreifen können", erklärte Merkel. Bundespräsident Joachim Gauck sprach in einem Brief an Präsident Obama seine Anteilnahme aus. Papst Benedikt XVI. bezeichnete den Amoklauf als "sinnlose Tragödie".

Weiteres Schulmassaker verhindert?

Einem Medienbericht zufolge wurde indes in den USA ein weiteres Schulmassaker verhindert. Polizisten hätten am Freitag im Bundesstaat Oklahoma einen verdächtigen Schüler festgenommen, berichtete die Zeitung "Tulsa World". Der 18-Jährige habe Mitschüler an der High School der Stadt Bartlesville in die Aula locken wollen, um sie nach Verschließen der Türen zu erschießen. Unter Berufung auf die Polizei hieß es, dabei hätten auch Bomben eingesetzt werden sollen.

Ein Zusammenhang mit dem Massaker an einer Grundschule in Connecticut scheint ausgeschlossen. Zwei Tage vor diesem Anschlag habe der 18-Jährige Mitschüler zur Teilnahme animieren wollen. Die Polizei wollte sich offiziell nicht äußern.

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Quelle: n-tv.de

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