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Einige der Opfer können nur mit schwerem Gerät aus dem Zugwracks befreit werden.
Einige der Opfer können nur mit schwerem Gerät aus dem Zugwracks befreit werden.(Foto: dpa)

"Will Ihnen Einzelheiten ersparen": Die schwere Arbeit der Retter von Bad Aibling

Ungebremst rasen die Züge aufeinander zu. "Dann krachte es unwahrscheinlich und das Licht ging aus", berichtet ein Passagier. Den Rettungskräften bietet sich ein erschreckendes Bild: Die Waggons sind verformt, einige Verletzte regelrecht eingekeilt.

Einer der Züge wird nahezu aufgeschlitzt.
Einer der Züge wird nahezu aufgeschlitzt.(Foto: AP)

Dienstagfrüh, gegen 6.45 Uhr. In voller Fahrt rasen zwei Regionalzüge im oberbayerischen Bad Aibling direkt aufeinander zu - auf einer eingleisigen Strecke. Die Züge knallen frontal zusammen. Ein Triebwagen wird aus dem Gleis geworfen, der entgegenkommende bohrt sich in einen Waggon des anderen Zuges, schlitzt ihn regelrecht auf. Ein Zugteil hat sich zur Seite geneigt, Blechteile ragen in die Höhe.

Auch der Insasse eines der Züge berichtet von dem Unglück: Kurze Zeit, nachdem der Zug losgefahren sei, "merkte man, wie der Zug abrupt bremste und schon krachte es unwahrscheinlich und das Licht ging aus", zitiert das Nachrichtenportal Rosenheim24 Patrick B. Er habe anschließend "überall Leute um Hilfe rufen" gehört.

Dann habe er per Notschalter eine der Türen geöffnet und Passagieren dabei geholfen, den Zug zu verlassen, sagt B. In der Dunkelheit habe man aber nicht viel tun können. "Wir brachten Zuginsassen an den Damm, nur einen Mann mit gebrochenem Bein konnten wir nicht transportieren. Kurz darauf kamen die ersten Rettungskräfte", sagt B. weiter, der in dem Zug von Rosenheim in Richtung Holzkirchen fuhr.

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Für neun Insassen gibt es keine Rettung mehr. Sie können nur noch tot aus den Wracks geborgen werden. Es ist eines der bundesweit schwersten Zugunglücke der vergangenen Jahre. Als die ersten Helfer an der Unglücksstelle eintreffen, wartet eine Herkulesaufgabe auf sie. Rund 80 Insassen sind verletzt, fast 20 von ihnen schwer. Die Unfallstelle nahe einem Klärwerk ist nur schwer zugänglich: auf der einen Seite ist ein Berghang, auf der anderen liegt der Mangfallkanal. Die Rettungsfahrzeuge kommen nur auf einem schmalen Weg zum Unfallort. Deshalb fliegen Hubschrauber die Verletzten aus.

Enorme Kräfte freigesetzt

Am schwierigsten gestaltet sich die Bergung der Schwerverletzten aus den vorderen Zugteilen. Teilweise muss schweres Gerät eingesetzt werden. Der Leitende Notarzt Michael Riffelmacher schildert, dass der Zusammenstoß der beiden Züge enorme Kräfte freigesetzt habe. Dadurch sei es zu extremen Verformungen in den Waggons gekommen. "Ich will Ihnen Einzelheiten ersparen", sagt Riffelmacher, doch von einem Schwerverletzten seien für die Retter zunächst lediglich Gesicht und eine Hand zugänglich gewesen. Feuerwehrmänner befreien die teils eingeklemmten Opfer in einem mehrstündigen dramatischen Rettungseinsatz.

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Behutsam beugen sich Notärzte und Sanitäter auch noch mittags über ein Loch an einer der Lokomotiven, arbeiten sich zu einem der Opfer vor. Dass sie eine Decke darüberbreiten, lässt Schlimmes ahnen. An der Unfallstelle herrscht fast andächtige Stille, die nur vom Lärm der Rotorblätter der Hubschrauber unterbrochen wird. Feuerwehrmänner stehen in Zweierreihen auf dem Damm des Mangfallkanals und warten auf ihren Einsatz. Vor ihnen stehen Kisten mit medizinischem Gerät.

Die Schwerverletzten werden direkt in umliegende Kliniken geflogen, die Leichtverletzten zu einer Sammelstelle gebracht, wo sie mit Rettungswagen in die Krankenhäuser gefahren werden. Etliche Verletzte werden in Rettungsbooten auf die andere Seite des Mangfallkanals gebracht und von dort weitertransportiert. Die Toten werden derweil in Metallsärgen zu eigens hergebrachten kleinen Schienenwagen auf dem Gleis gebracht. Christian Schreyer von der Transdev, die den Meridian auf der Nahverkehrsstrecke betreibt, teilt mit, dass auch die beiden Lokführer unter den Toten sind.

"Die Bergung wird schwierig"

Am Dienstagabend berichteten mehrere Medien unter Berufung auf erste Ermittlungsergebnisse, dass menschliches Versagen die Tragödie ausgelöst habe. Sowohl Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt als auch Klaus-Dieter Josel von der Deutschen Bahn versicherten zuvor, dass auf der Strecke das seit 2011 bundesweit installierte sogenannte Punktförmige Zugbeeinflussungssystem PZB 90 angebracht sei. Es soll verhindern, dass zwei Züge zusammenstoßen. Warum es an diesem Morgen in Bad Aibling offenbar nicht funktioniert hat, soll die Auswertung der drei Blackboxen in den Zügen zeigen. Josel ergänzt, dass erst vergangene Woche alle signaltechnischen Anlagen auf der Strecke überprüft worden seien. Es habe keine Beanstandungen gegeben. Bis die Bahnlinie wieder freigegeben wird, werden Tage vergehen. "Die Bergung wird schwierig, weil die Triebköpfe ineinander verkeilt sind", erläutert Josel. Am Mittwoch soll damit begonnen werden, die Zugwracks mit schwerem Gerät zu entfernen.

Dobrindt sprach von einem der bundesweit schwersten Zugunglücke der vergangenen Jahre: "Es ist eine schwere Stunde in der Geschichte des Zugverkehrs in Deutschland." Der Minister dankt den rund Hunderten Rettungskräften von Feuerwehr, Polizei, Rotem Kreuz und THW für ihren professionellen Einsatz. Auch aus Österreich waren Helfer gekommen. "Die Feuerwehr hat sich bereits drei Minuten, nachdem der Alarm eingegangen ist, vor Ort eingefunden und mit der Bergung der Verletzten begonnen", sagt Dobrindt. Die Unfallstelle habe ein erschreckendes Bild abgegeben. Was er gesehen habe, seien "Bilder, die einen natürlich auch sehr stark emotional belasten, weil man sich nicht vorstellen kann, dass solche Unglücke auch bei uns vorkommen können".

Die CSU und andere Parteien sagen "aus Respekt vor den Opfern" ihren traditionellen Politischen Aschermittwoch ab. Aber trotz der neun Toten und der vielen Verletzten sendet Polizeipräsident Robert Kopp ein tröstliches Signal aus: In Bayern sei in dieser Woche schulfrei. "Insofern war es ein Glücksfall, dass Faschingsferien sind, sonst wären wesentlich mehr Fahrgäste in den Zügen gesessen."

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Quelle: n-tv.de

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