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Ein Bild von Elias liegt im Sandkasten des Spielplatzes, von dem er verschwand.
Ein Bild von Elias liegt im Sandkasten des Spielplatzes, von dem er verschwand.(Foto: picture alliance / dpa)

Vermisst, missbraucht, ermordet: Elias und Mohamed hatten keine Chance

Von Solveig Bach

Kein Fall erregte 2015 mehr Aufsehen: Nach Elias und Mohamed wurde wochenlang gesucht. Doch alle Hoffnung ist vergebens. Ein 36-Jähriger gesteht schließlich die Morde an beiden Kindern. Die Frage nach dem Warum bleibt unbeantwortet.

Am 8. Juli verschwindet der sechsjährige Elias von einem Spielplatz ganz in der Nähe seines Elternhauses in Potsdam. Am 1. Oktober geht der vierjährige Mohamed im Gewimmel der zentralen Anlaufstelle für Flüchtlinge in Berlin-Moabit verloren. Beide Kinder bleiben unauffindbar. Zunächst scheinen die Fälle nichts miteinander zu tun zu haben, doch Ende Oktober wird klar: Der gleiche Täter hat beide Jungen entführt, missbraucht und ermordet.

Silvio S. stellt sich, nachdem ihn seine Eltern auf den mehrfach veröffentlichten Überwachungsbildern erkannt hatten. Darauf war zu sehen, wie er mit Mohamed an der Hand das Lageso-Gelände verließ. Zunächst gesteht er nur die Taten an Mohamed, später gibt er zu, auch Elias umgebracht zu haben. Seitdem schweigt er. In beiden Fällen ging es offenbar um sexuelle Motive.

Elias' Leiche vergrub der 32-jährige mutmaßliche Täter in seinem Kleingarten in Luckenwalde, Mohameds toten Körper versteckte er in einer Plastikwanne und bedeckte ihn mit Katzenstreu. Während S. in Untersuchungshaft sitzt, versuchen seine Eltern zu verstehen, was kaum zu verstehen ist. "Da sind so viele Warums, auf die ich keine Antworten habe. Das Ganze lässt sich nicht erklären", sagte seine 53-jährige Mutter dem "Spiegel". Seinen Eltern habe der Mann die Morde nicht erklären können. "Er sagte nur, er habe das nicht geplant."

Kummer und Ratlosigkeit

Die Ermittlungen lassen auch andere Schlüsse zu. Demnach hatte sich S. Chloroform besorgt, mit dem er später die Kinder betäubte. Auf seinem Computer fand die Polizei Medienberichten zufolge kinderpornographisches Material, in seinem Schrank Mädchen- und Jungenkleidung. Offenbar bewegte sich S. in Chatforen für Kinder. Auch den Kleingarten, in dem er Elias' Leiche vergrub, könnte er im Dezember 2014 gezielt angemietet haben.

Mohamed tötete S. offenbar in seiner Wohnung, in seinem Elternhaus im brandenburgischen Kaltenborn. Seine Eltern bekamen von alldem nichts mit. "Kein Kindergeschrei, kein Fußgetrappel. Nichts. Ich hätte auch erwartet, dass unser Hund anschlägt. Gar nichts", sagte seine Mutter dazu. Ihr Sohn sei erwachsen, nie wäre sie auf die Idee gekommen, seine Sachen zu durchsuchen.

Glaubt man S., gibt es außer Mohamed und Elias keine weiteren Opfer. Der Mann, der als Wachschützer arbeitete, wird derzeit psychologisch begutachtet, um seine Schuldfähigkeit festzustellen. Mohamed, der Flüchtlingsjunge aus Bosnien, wurde in Berlin beerdigt. Seine Familie, die an jenem verhängnisvollen Tag im Lageso war, um Hilfen zu beantragen, darf nun bleiben.

Elias Familie ist aus dem Potsdamer Viertel Schlaatz weggezogen, in dem der Junge auf offener Straße entführt wurde und in dem so viele Nachbarn sich an der Suche nach dem Sechsjährigen beteiligt hatten. Die Familie des mutmaßlichen Täters erfährt in ihrem Dorf viel Unterstützung. Damit hatten die 53-Jährige und ihr Mann nicht gerechnet. Sie denke oft an die Familien der Jungen, erzählte die Mutter. "Mir tut es in der Seele weh, dass sie ihre Kinder verloren haben. Und das noch auf eine Weise, die nicht auszuhalten ist."

Quelle: n-tv.de

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