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Wenn Toleranz als dumm gilt: "Gutmensch" ist "Unwort des Jahres"

In der Diskussion um Flüchtlinge kochen jede Menge Schlagworte hoch. Eines davon wird nun von Sprachwissenschaftlern zum "Unwort des Jahres 2015" gekürt: Es ist der Begriff "Gutmensch".

Das "Unwort des Jahres 2015" heißt "Gutmensch". Das gab die Sprecherin der "Unwort"-Jury, Sprachwissenschaftlerin Nina Janich, in Darmstadt bekannt. Das Schlagwort in Zusammenhang mit der Flüchtlingshilfe diffamiere "Toleranz und Hilfsbereitschaft pauschal als naiv, dumm und weltfremd, als Helfersyndrom oder moralischen Imperialismus", begründete Janich die Entscheidung.

Alles Gutmenschen? Drei Frauen begrüßen Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in Frankfurt im September.
Alles Gutmenschen? Drei Frauen begrüßen Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in Frankfurt im September.(Foto: dpa)

1644 Einsendungen waren eingegangen, mehr als in den Vorjahren. Für die sprachkritische Jury standen Schlagworte zum Thema Flüchtlinge zur Diskussion, wie etwa "Flüchtlingskrise" oder "Asylkritiker". Bei den Einsendungen für das "Unwort" sei noch nie ein Thema so präsent gewesen, hieß es bei Jury.

Die Jury entscheidet unabhängig. Das Gremium richtet sich nicht nach der Häufigkeit der Vorschläge. Es besteht im Kern aus vier Sprachwissenschaftlern und einem Journalisten.

"Unwort"-Wahl seit 1991

Das "Unwort des Jahres 2014" war "Lügenpresse", ein Begriff, der vor allem vom islam- und fremdenfeindlichen Pegida-Bündnis genutzt wird. Im Jahr davor war es "Sozialtourismus", 2012 "Opfer-Abo". Die Aktion gibt es seit 1991. Damit wird das "Unwort" jetzt zum 25. Mal bestimmt. Die Aktion will für Sprache sensibilisieren und auf undifferenzierten, verschleiernden oder diffamierenden Gebrauch aufmerksam machen.

Neben dieser Jury wählt davon getrennt die Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden das "Wort des Jahres". Für 2015 entschied sie sich für den Begriff "Flüchtlinge". Bei den Einsendungen für 2015 waren Begriffe zum Thema Flüchtlinge zwar seltener eingeschickt worden als etwa Worte wie "Lärmpausen" (165 Mal) oder "Willkommenskultur" (113 Mal).

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Quelle: n-tv.de

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