"La Tuta" sah sich als WohltäterMexiko schnappt meistgesuchten Drogenboss

Der Anführer des gefürchteten Tempelritter-Kartells ist den mexikanischen Behörden ins Netz gegangen. Servando "La Tuta" Martínez inszenierte sich als Wohltäter. Doch er verspielte das Wohlwollen der Bevölkerung und wurde zum Gejagten.
Er war der unumstrittene und gefürchtete Herrscher im mexikanischen Bundesstaat Michoacán, jetzt ist der Chef des mächtigen Drogenkartells "Caballeros Templarios" (deutsch: Tempelritter) den Ermittlern ins Netz gegangen. Beamte hätten Servando Gómez Martínez alias "La Tuta" in der Stadt Morelia gefasst, teilte die Bundespolizei mit. Der ehemalige Lehrer war der meistgesuchte Verbrecher des Landes.
Seit Streitkräfte und Polizei vor rund einem Jahr wieder die Kontrolle über die Unruheregion Michoacán im Westen des Landes übernommen hatten, war "La Tuta" auf der Flucht. Die Generalstaatsanwaltschaft hatte ein Kopfgeld von 30 Millionen Pesos (umgerechnet 1,8 Millionen Euro) auf ihn ausgesetzt. Auch die US-Behörden suchten ihn wegen Drogenschmuggels.
Die Tempelritter waren aus der "Familia Michoacana" hervorgegangen und sind in den Verkauf synthetischer Drogen, illegalen Bergbau und Schutzgelderpressung verwickelt. In ihrer Hochburg Michoacán ist die Gruppe tief in der Bevölkerung verwurzelt und präsentiert sich als soziale Bewegung, die Schulen baut und Kleinkriminelle verfolgt. Allerdings pressten die Tempelritter den Menschen eine Art Steuer auf jede wirtschaftliche Aktivität ab und terrorisierten ihre Gegner. "La Tuta" hingegen sah sich stets als Wohltäter. "Wir sind Diener", sagte er einmal in einer Videobotschaft. "Wir kämpfen für die Interessen der Menschen von Michoacán."
Bürger verteidigen sich
Im vergangenen Jahr geriet das Kartell vonseiten der Sicherheitskräfte und bewaffneter Bürgerwehren erheblich unter Druck. Nachdem die Tempelritter die Abgaben erhöht und gedroht hatten, Mädchen und Frauen zu vergewaltigen, sollte die Steuer nicht entrichtet werden, griffen Selbstverteidigungsgruppen zu den Waffen und starteten eine Offensive gegen das Kartell.
Angesichts der bürgerkriegsähnlichen Zustände sah sich die Regierung zum Handeln gezwungen. Präsident Enrique Peña Nieto schickte vor rund einem Jahr noch einmal fast 10.000 Soldaten und Polizisten in die bereits stark militarisierte Unruheregion. Seit der Festnahme des legendären Chefs des Sinaloa-Kartells, Joaquín "El Chapo" Guzmán, galt "La Tuta" als der meistgesuchte Drogenboss des Landes. Im Gegensatz zu anderen Kartell-Chefs, die die Öffentlichkeit scheuen, zeigte er sich immer wieder in Videobotschaften.
Ähnlich spektakuläre Verhaftungen hochrangiger Drogenbosse hatten in den vergangenen Jahren kaum zu einer Eindämmung der Kriminalität in Mexiko geführt. Im sogenannten Drogenkrieg den Mexikos Regierung seit 2006 mit Hilfe des Militärs und der Bundespolizei führt sind mindestens 80.000 Menschen ums Leben gekommen.