"Brunner hat nicht alles richtig gemacht"Tipps nach S-Bahn-Mord
Der Kriminologe Pfeiffer sagt bei n-tv, das S-Bahn-Opfer Brunner hätte sich Unterstützung suchen müssen, zugleich lobt er aber das couragierte Verhalten des getöteten Geschäftsmannes.
Nach dem tödlichen Angriff auf den Geschäftsmann Dominik Brunner in der Münchner S-Bahn hat der Kriminologe Christian Pfeiffer für ähnliche Fälle zu einem anderen Verhalten geraten. "Ich muss widersprechen, wenn alle sagen, Herr Brunner habe alles richtig gemacht", sagte Pfeiffer bei n-tv.
Brunner habe zwar couragiert, aber falsch gehandelt. Da er es mit zwei aggressiven Jugendliche zu tun gehabt habe, hätte Brunner zunächst Verbündete suchen müssen. "Die Grundregel heißt: Such dir Bündnispartner und dann schreite ein!", sagte der frühere niedersächsische Justizminister in der Sendung busch@n-tv. Er habe jedoch "großen Respekt", dass der Geschäftsmann eingeschritten sei, um die vier 13- bis 15-Jährigen zu schützen, von denen die zwei Angreifer Geld erpressen wollten.
Forderung nach mehr Videoüberwachung
Pfeiffer forderte zudem eine flächendeckende Kameraüberwachung an möglichen Gefährdungsorten. "Wenn die Täter wissen, dass die Kamera läuft, dann wissen sie, dass sie erwischt werden und massiv Ärger kriegen", sagte der Kriminologe. Es müsse ein Bewusstsein gefördert werden, dass alles, was man Böses tut, auch gefilmt werde. "Das Risiko des Erschwischtwerdens ist die beste Abschreckung. Wer will schon freiwillig ins Gefängnis?"
Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte nach dem S-Bahn-Mord rasche Konsequenzen und sprach sich ebenfalls für mehr Videoüberwachung aus. "Mehr Videokameras auf Bahnhöfen, in Nahverkehrszügen und S-Bahnen sowie deutlich mehr Polizeipräsenz und Sicherheitspersonal sind aus meiner Sicht die richtige Antwort", sagte Merkel der "Passauer Neuen Presse". Der Staat sei "der Hüter der öffentlichen Ordnung" und müsse auch "die notwendigen Voraussetzungen dafür schaffen". Brunner sei "ein leuchtendes Beispiel für Zivilcourage und Mut", betonte Merkel. Es werde darüber nachgedacht, "wie Herr Brunner geehrt werden kann", Entscheidungen seien aber noch nicht gefallen. Die Hinterbliebenen hätten um Ruhe gebeten. "Das sollten wir respektieren", sagte Merkel.