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"Die Spiele finden im brasilianischen Winter statt": IOC-Chef Thomas Bach hofft auf "gute Bedingungen für Athleten und Zuschauer".
"Die Spiele finden im brasilianischen Winter statt": IOC-Chef Thomas Bach hofft auf "gute Bedingungen für Athleten und Zuschauer".(Foto: REUTERS)

Brasilien rät Schwangeren ab: Zika-Virus belastet Olympische Spiele

Die Gefährdungslage lässt dem Gastgeber der Olympischen Sommerspiele 2016 keine andere Wahl: Brasilien spricht mit Blick auf die sportliche Großveranstaltung im Sommer eine Art Reisewarnung aus.

Die brasilianische Regierung hat Schwangeren von einer Reise zu den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro abgeraten. Die Großveranstaltung soll in wenigen Monaten am 5. August beginnen. Mit der offiziellen Reisewarnung für Schwangere reagierte die Regierung Brasiliens auf den globalen Gesundheitsnotstand, der zu Wochenbeginn durch die Weltgesundheitsorganisation WHO wegen der rasanten Ausbreitung des Zika-Virus ausgerufen worden war. Das teilte der Stabschef von Staatspräsidentin Dilma Rousseff mit.

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"Das Risiko für schwangere Frauen ist sehr ernst zu nehmen. Es ist für sie eindeutig nicht ratsam, dieses Risiko einzugehen", sagte Kabinettschef Jaques Wagner. Rousseff selbst hatte in der Vorwoche angekündigt, "einen ernsthaften Kampf gegen das Zika-Virus zu führen".

Das Virus breitet sich derzeit rasant aus: Betroffen sind besonders Länder in Süd- und Mittelamerika, vor allem Brasilien. In dem bevölkerungsreichsten Staat Südamerikas werden ab dem 13. Februar 220.000 Soldaten eingesetzt, um die Nester der Gelbfiebermücke Aedes aegypti (auch bekannt unter dem Namen Tigermücke) auszurotten. Das Insekt gilt als wichtigster Überträger des Virus auf den Menschen. Einen Impfstoff gegen das Zika-Virus gibt es aktuell noch nicht.

In den vergangenen drei Monaten sind in Brasilien rund 4000 Kinder mit Mikrozephalie, einer abnormen Kleinköpfigkeit, geboren worden. Einen Zusammenhang mit der Zika-Epidemie halten Mediziner für wahrscheinlich. Erwachsene können an dem Guillain-Barré-Syndrom erkranken, einer seltenen Nervenkrankheit. Diese kann zu dauerhaften Lähmungen führen. In der Regel verläuft eine Infektion für Erwachsene allerdings glimpflich. Deutschland ist höchstens indirekt betroffen: Die Tigermücke - und damit das Zika-Virus - kommt in gemäßigten Breiten nicht vor.

"Es gibt kein Reiseverbot"

Für Brasilien stellt die Teilreisewarnung einen schweren Rückschlag dar: Der Olympia-Gastgeber durchlebt gerade eine Phase des wirtschaftlichen Niedergangs. Von der Austragung der international beachteten Sportveranstaltung erhofften sich Befürworter auch starke konjunkturelle Impulse. Jetzt drohen die Sommerspiele unter dem Eindruck einer schwer greifbaren Gesundheitsgefahr in den Hintergrund zu treten. Sollten die Besucherströme ausbleiben, stünden enorme wirtschaftliche Folgen zu befürchten.

IOC-Präsident Thomas Bach, der sich zu einem Besuch beim Olympia-Bewerber Los Angeles aufhält, erklärte, man stehe in "engem Kontakt" mit der WHO und den regionalen Olympia-Komitees. "Es gibt kein Reiseverbot", betonte Bach, der darauf verwies: "Die Spiele finden im brasilianischen Winter statt, dies ist nicht die bevorzugte Jahreszeit für die Stechmücken."

Der Ausruf des Notstandes durch die WHO sorge zusätzlich für eine größere Aufmerksamkeit und größere Anstrengungen, das Virus zu bekämpfen". Alle diese Faktoren machten ihn zuversichtlich, dass "wir während der Olympischen Spiele gute Bedingungen für Athleten und Zuschauer haben werden".

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Quelle: n-tv.de

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