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Deformierte Kinderköpfe: Das Zika-Virus breitet sich aus

Hielt man Zika-Infektionen noch vor wenigen Jahren für selten und weitgehend harmlos, schlagen nun die ersten Länder Alarm. In Amerika breitet sich das Virus immer weiter aus, auch in Europa gibt es Infizierte. Wie bedrohlich ist Zika? Die Fakten im Überblick.

Die Karte zeigt rot schraffiert, wo sich das Zika-Virus in den vergangenen neun Monaten innerhalb des jeweiligen Landes ausbreitete - also nicht eingeschleppt wurde.
Die Karte zeigt rot schraffiert, wo sich das Zika-Virus in den vergangenen neun Monaten innerhalb des jeweiligen Landes ausbreitete - also nicht eingeschleppt wurde.(Foto: European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC))

Wie äußert sich das Zikafieber? Oft verläuft eine Ansteckung mit dem Zika-Virus unbemerkt, nur ein Fünftel der infizierten Personen entwickelt überhaupt Symptome. Dann kommt es zu Hautausschlag, leichtem Fieber und Gelenkschmerzen, auch eine Bindehautentzündung ist möglich. In manchen Fällen geht die Krankheit mit Muskel- und Kopfschmerzen sowie Erbrechen einher. Meist verläuft die Infektion recht mild und harmlos. Die Symptome klingen spätestens nach einer Woche ab. Vom Zika-Virus verursachte Todesfälle sind nicht bekannt.

Warum bereitet das Zika-Virus dennoch Sorge? Für Schwangere beziehungsweise das ungeborene Kind sowie für Neugeborene ist das Virus womöglich gefährlich, denn es gilt als sehr wahrscheinlich, dass es eine Mikrozephalie auslösen kann. Der Kopf des Babys bleibt dann ungewöhnlich klein, das Gehirn entwickelt sich nicht gesund. Eine geistige Behinderung ist die Folge. Der endgültige Beweis dafür, dass das Zika-Virus hinter einer solchen Erkrankung stecken kann, ist noch nicht erbracht. Aber in Brasilien, wo sich mindestens 500.000 Menschen mit dem Virus infiziert haben sollen, mehren sich die Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen. Von mehr als 4000 Fällen ist die Rede, pro Woche kommen rund 200 neue Verdachtsfälle hinzu.

Bei Erwachsenen steht das Zika-Virus im Verdacht, das Guillain-Barré-Syndrom hervorrufen zu können. Diese Nervenerkrankung geht mit Lähmungserscheinungen einher, die in schweren Fällen auch die Atemmuskulatur betreffen. Dann ist eine künstliche Beatmung notwendig. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betont jedoch: "Es sind weitere Forschungsanstrengungen notwendig, bevor gesagt werden kann, ob es irgendeinen Zusammenhang gibt."

Wie wird das Zika-Virus übertragen? Durch das gleiche Tierchen, das auch den Erreger des Dengue-Fiebers weitergeben kann: die Aedes-Mücke. Sie ist in tropischen und subtropischen Breiten heimisch. In Einzelfällen scheint eine Übertragung des Virus durch Sex möglich zu sein.

Joao Batistas einen Monat alte Tochter Alice Vitoria leidet an Mikrozephalie.
Joao Batistas einen Monat alte Tochter Alice Vitoria leidet an Mikrozephalie.(Foto: dpa)

Wo und wie schnell breitet sich das Zika-Virus aus? Von Brasilien ausgehend verbreitet es sich zurzeit vor allem in Amerika. 21 Länder auf dem Kontinent sind bereits betroffen, darunter Kolumbien, Venezuela und Mexiko. Auch in den USA wurden ein Dutzend Fälle registriert, eingeschleppt aus dem Süden.

Einzelne Zika-Infektionen gibt es auch in Europa, etwa in Deutschland, der Schweiz und Dänemark. Die Betroffenen holten sich das Virus auf einer Reise in ein tropisches Land. Da die Infektionen nicht meldepflichtig sind, liegen keine genauen Zahlen zu den europäischen Ländern vor. In Asien sind Erkrankungen im südöstlichen Teil des Kontinents bekannt.

Entdeckt wurde das Zika-Virus 1947 im Zikawald im afrikanischen Uganda. Dort tauchte es nur sporadisch auf. 2007 wurde es dann plötzlich im Pazifikraum festgestellt, in Mikronesien, 2013/14 in Französisch-Polynesien. Zur massiven Ausbreitung des Virus kam es aber erst, als es in Brasilien auftrat. Wie es dorthin kam, ist unklar. Eine Theorie ist, dass es während der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 von Touristen eingeschleppt wurde.

Wie kann man sich schützen? "Schwangere sollten generell von vermeidbaren Reisen in Zika-Endemie-Gebiete absehen", rät das Auswärtige Amt in Berlin. Eine Impfung gegen Zikafieber gibt es genauso wenig wie Medikamente. Vorbeugend empfehlen sich Moskitoschutzmittel und Mückennetze.

In Brasilien sind derzeit 220.000 Soldaten im Einsatz, um die Aedes-Mücken mit Pestiziden zu bekämpfen. Auf diese Weise rücken sie auch dem gefährlichen Dengue-Virus zu Leibe.
Was gut ist: Wer sich einmal mit dem Zika-Virus infiziert hat, ist sein Leben lang immun.

Quelle: n-tv.de

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