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Enttäuscht verlies Bernd Lucke nach 33 Jahren in der Partei die CDU. Nun wagt er mit der AfD einen politischen Neuanfang.
Enttäuscht verlies Bernd Lucke nach 33 Jahren in der Partei die CDU. Nun wagt er mit der AfD einen politischen Neuanfang.(Foto: picture alliance / dpa)

Viele liebäugeln mit Anti-Euro-Partei: AfD hat großes Wählerpotenzial

Sie fordern die geordnete Auflösung des Euro-Währungsraumes und erwägen die Rückkehr Deutschlands zur D-Mark. Ein Kurs der ankommt. Die neue Partei Alternative für Deutschland kann das Interesse von fast jedem dritten Deutschen wecken. Und sie punktet vor allem bei Anhängern von Parteien, denen man kaum zugetraut hätte, sich für ein Projekt enttäuschter CDU-Aussteiger zu begeistern.

Die euroskeptische neue Partei Alternative für Deutschland (AfD) verfügt über ein erhebliches Wählerpotenzial. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Institut Infratest dimap im Auftrag der "Welt am Sonntag". Insgesamt 24 Prozent der Deutschen können sich vorstellen, bei der Bundestagswahl ihr Kreuz bei der neuen Partei zu setzen: Auf eine entsprechende Frage antworteten 7 Prozent mit "Ja, sicher" und 17 Prozent mit "Ja, vielleicht". 59 Prozent schlossen aus, für die AfD zu stimmen.

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Die Alternative für Deutschland hat sich im Zuge der Finanzkrise formiert. Sie ist das Projekt einer Handvoll mehr und weniger namhafter Euroskeptiker. Darunter ist der Publizist Alexander Gauland und der Wirtschaftswissenschaftler Bernd Lucke. Die zentrale politische Position der Neugründung lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen: Die Partei fordert eine geordnete Auflösung des Euro-Währungsraums. Sie plädiert für eine Rückkehr Deutschlands zur D-Mark.

In mehreren Bundesländern haben sich schon Landesverbände formiert. Der offizielle Gründungsparteitag auf Bundesebene ist am Sonntag nächster Woche in Berlin. Dort will die Partei auch ihr Parteiprogramm beschließen. Eigenen Angaben zufolge hat die Alternative für Deutschland mittlerweile 6600 Mitglieder.

Die AfD kann bei Linken punkten

Bedeutsam für das politische Kräfteverhältnis in Deutschland ist vor allem, wem die Neugründung Wähler abspenstig machen kann. Die Umfrage fördert hier einen überraschenden Befund zu Tage. Bei führenden Köpfen der Partei, wie Lucke oder Gauland, handelt es sich schließlich um enttäuschte frühere CDU-Mitglieder oder Anhänger, die den Verlust des konservativen Profils der Union unter Kanzlerin Angela Merkel beklagen. Doch laut der Umfrage muss vor allem die Linkspartei um ihre Wähler bangen. 29 Prozent der Anhänger der Partei können sich vorstellen, künftig auf die AfD zu setzen. Unter Sozialdemokraten sind es 21 Prozent. Dagegen können sich nur 19 Prozent der CDU- und CSU-Anhänger vorstellen, die neue Partei zu wählen. Noch weniger kommt die Partei nur bei Grünen an, 14 Prozent würden sie wählen.

Wie bei vielen Neugründungen ist das Potenzial der Partei vor allem bei Politikverdrossenen groß. 31 Prozent der Nichtwähler erwägt, ihre Stimme der AfD zu geben.

Zumindest auf Basis dieser Zahlen ist das Potenzial der Alternative für Deutschland vergleichbar mit dem der Piratenpartei. Eine Emnid-Umfrage aus dem vergangenen Jahr kam zu dem Ergebnis, dass 30 Prozent der Deutschen sich vorstellen können, bei der Bundestagswahl auf die Piraten zu setzen. Doch gerade das Beispiel der Piraten zeigt, was auch bei der Studie zur AfD zu berücksichtigen ist, dass zwischen dem Wählerpotenzial, also der Frage, ob man sich vorstellen kann für eine Partei zu stimmen, und der endgültigen Entscheidung für eine Partei eine gewaltige Lücke klaffen kann. Zum Zeitpunkt der Studie zum Wählerpotenzial der Piraten erreichte die Partei in den wöchentlichen Umfragen nach dem Motto – wen würden sie wählen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre – nur zehn Prozent der Stimmen. Mittlerweile liegt die Partei bei 3 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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