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Umstritten: der Journalist und Verschwörungstheoretiker Jürgen Elsässer.
Umstritten: der Journalist und Verschwörungstheoretiker Jürgen Elsässer.(Foto: picture alliance / dpa)

Lucke verärgert und ahnungslos: AfD lädt rechte Vordenker ein

Von Christian Rothenberg

Die AfD befindet sich im Aufwärtsschwung. Doch die Debatten über einen zu starken Rechtsdrall reißen nicht ab. Ein umstrittener Kongress rückt die Partei plötzlich sogar in die Nähe der "Hooligans gegen Salafisten".

Eigentlich läuft es blendend für die AfD und Bernd Lucke. Seit Mai sitzt die Partei im Europaparlament, seit einigen Wochen auch in drei Landtagen. Auch die bundesweiten Umfragen dürften dem Parteichef ein Strahlen ins Gesicht zaubern. Hier liegt die AfD seit Anfang September konstant zwischen 7 und 10 Prozent. Viel besser könnte es eigentlich nicht laufen. Doch nun muss sich Lucke erneut mit einem Thema herum plagen, das ihn so gar nicht begeistern dürfte.

Ärger bereitet dem AfD-Chef diesmal der Landesverband in Nordrhein-Westfalen. Das Aufsehen um die Krawall-Demo am Wochenende in Köln hat sich noch nicht gelegt, da muss sich Lucke die Frage gefallen lassen: Wie nah steht seine Partei den gewaltbereiten Hooligans? Zumindest so viel lässt sich sagen: Teile der AfD fühlen sich in der Nähe der neuen Rechten offenbar gar nicht so unwohl. Was ist passiert? Die fünf nordrhein-westfälischen AfD-Bezirksverbände wollen am 22. März in Witten einen Wissenskongress veranstalten. Zu diesem sind auch Jürgen Elsässer und Andreas Popp eingeladen, zwei populäre Verschwörungstheoretiker.

Besonders Elsässer, der in Witten über die Frage "Regieren uns die Medien?" sprechen soll, gilt als einer der Vordenker der neuen Rechten. "Er bedient ein Feld zwischen rechtspopulistisch und rechtsextrem", sagt der Politikwissenschaftler Gero Neugebauer. Im April trat Elsässer bei einer Veranstaltung der Berliner AfD, im Juli bei der "Mahnwache für den Frieden" auf dem Potsdamer Platz auf. Zu Wochenbeginn urteilte der 57-Jährige in seinem Blog, die Demo in Köln sei gut gemeint gewesen, aber schlecht gelaufen. Abschließend schrieb er: "Wenn ich was zu sagen hätte, würde ich einen von HoGeSa als Redner zur nächsten Demo für Frieden und Souveränität einladen. Sonntag, 9. November, 13 Uhr, vor dem Bundeskanzleramt. Aber vermutlich kommen die Jungs auch ganz von alleine… Aber denkt dran: Keine Gewalt!"

"Man kann über alles diskutieren"

Elsässer, die Hogesa und die AfD: Lucke ist nicht angetan von diesem Gemisch. "Die Veranstalter waren bei der Auswahl der Referenten nicht gut beraten. Unter den Referenten scheinen sich Verschwörungstheoretiker und Wirrköpfe zu befinden. Die Veranstalter sollten ihr Konzept überdenken", sagt er. Die Bundespartei will von dem umstrittenen Kongress nichts gewusst haben. Man sei darüber relativ unglücklich und hoffe, dass diese Konstellation noch geändert werde, heißt es aus der Parteispitze.

Es ist nicht der erste Konflikt mit einem aufmüpfigen Landesverband. Mit dem NRW-Parteichef Marcus Pretzell verbindet Lucke ein kühles Verhältnis. Erst kürzlich erklärte Pretzell, der im Europaparlament gegen die Russland-Sanktionen und damit gegen Fraktionslinie stimmte, seinen Rücktritt aus dem Bundesvorstand. Auch Pretzell distanzierte sich inzwischen von der Veranstaltung. "Man kann über alles diskutieren, aber dann müssen auch Vertreter unterschiedlicher Auffassungen an einen Tisch", sagte er der "Welt". Der Landesverband habe mit der Organisation nichts zu tun gehabt.

Der Kongress in Witten soll jedoch wie geplant stattfinden, wenn eben möglich mit einem überarbeiteten Personaltableau. Hans-Olaf Henkel, der für die Partei im Europaparlament sitzt, rät dennoch: "Ich kann jedem vernünftigen AfD-Mitglied nur raten, sich von dieser Veranstaltung zu distanzieren, nicht teilzunehmen oder gar mitzuwirken." Eines kann dies jedoch nicht mehr verhindern: Die Umfragen mögen zurzeit zwar noch so gut sein, der ahnungslose Lucke steht schlecht da. Verliert der Parteichef etwa die Kontrolle? Es sind die oft unberechenbaren Auswüchse, die seiner jungen Partei immer wieder zusetzen und deren Folgen er bereinigen muss.

Führende AfD-Politiker wie Henkel fordern von Lucke daher eine deutliche Kurskorrektur. "Wir haben Unvernünftige, Unanständige und Intolerante in unseren Reihen", sagte er zuletzt dem "Spiegel". "Da müssen wir innerparteilich für Aufklärung sorgen."

Quelle: n-tv.de

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