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Zum ersten Mal seit Monaten zeigte sich Präsident Assad (2. v. l.) am Samstag öffentlich.
Zum ersten Mal seit Monaten zeigte sich Präsident Assad (2. v. l.) am Samstag öffentlich.(Foto: REUTERS)

Niemand spricht über die FSA: Assad - der stille Genießer

Von Issio Ehrich

Obwohl die USA und ihre Partner Bomben auf sein Land abwerfen, schweigt der syrische Präsident Assad. Aus gutem Grund. Während die Welt auf Kobane blickt, geschieht genau das, wovor Kritiker der Luftangriffe schon seit Langem warnen.

Die Vereinigten Staaten werfen Bomben auf Syrien - seit mehr als zwei Wochen. Und der Präsident des Landes im Nahen Osten sagt nichts. Vor der Intervention hieß es noch, das Regime würde Angriffe auf Stellungen in Syrien als "Aggression" werten. Und jetzt: keine Drohgebärden, keine Verurteilungen mehr. Aus gutem Grund: Baschar al-Assad weiß die Situation für sich zu nutzen und genießt sie - im Stillen.

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Die Welt blickt auf die umkämpfte Stadt Kobane, in der Kurden versuchen, die vorrückenden Kämpfer des Islamischen Staates (IS) abzuwehren. Und sie blickt auf die US-geführte Allianz gegen den Terror, die es nicht schafft, die Kurden zu retten. Dabei geht die Tatsache unter, dass es Assad unterdessen gelingt, die moderate Opposition in Syrien immer weiter zu schwächen.

Großoffensive aus Aleppo

Am Freitagmorgen starteten Regierungstruppen eine große Offensive auf die Stadt Aleppo. Ziel: Die letzte große Zufahrtsstraße zur Rebellenhochburg abzuriegeln, um die verbliebenen Regierungsgegner auszuhungern, so wie es schon in Homs gelungen ist.

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Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete nur Stunden nach dem Auftakt der Gefechte: "Die Streitkräfte haben die Dörfer Tallet al Madafeh, Tallet Sifat, Handarat und eine wichtige Kreuzung im Norden Allepos eingenommen." Sie hätten "eine große Zahl an Terroristen" töten können. Gemeint sind Kämpfer der Freien Syrischen Armee (FSA), die regimetreue Agentur differenziert wie die Regierung beim Begriff "Terroristen" nicht zwischen Rebellen, Anhängern des IS oder anderer Gruppen. Wer einen Blick auf die Facebook-Seite von Sana wirft, stößt fortlaufend auf weitere militärische Erfolgsmeldungen. Zuletzt war von "vielen getöteten und verletzten Terroristen" in den Provinzen Daraa und Idlib die Rede.

Die Berichte Sanas zeichnen zwar für gewöhnlich ein geschöntes Bild, dass Assads Truppen Fortschritte im Kampf gegen die Rebellen machen. Seit die USA die Kämpfer des IS mit Luftangriffen traktieren, liegt genau das allerdings nahe.

In Syrien geschieht genau das, wovor die Kritiker der amerikanischen Luftangriffe schon lange warnen, und worauf US-Präsident Barack Obama bis heute keine schlüssige Antwort geliefert hat. Die Allianz entlastet wider Willen die syrischen Regierungstruppen in ihrem Kampf gegen den IS und liefert ihnen so die Möglichkeit, sich wieder auf die Freie Syrische Armee (FSA) zu konzentrieren.

Kobane ist so viel näher als Aleppo

Die türkische Regierung pocht zwar darauf, dass die Allianz eine Strategie entwickeln soll, die der gesamtsyrischen Situation Rechnung trägt. Gemeint ist damit ein Sturz Assads. Dann, so sagte es Ministerpräsident Ahmed Davutoglu, wäre die Türkei auch bereit, Bodentruppen nach Kobane zu schicken. Vor allem die USA sperren sich aber dagegen, sich endgültig in den syrischen Bürgerkrieg hineinziehen zu lassen.

Assad hat derzeit also überhaupt keinen Grund, sich kritisch zu Wort zu melden. Für ihn läuft es bestens. Am Samstag war Assad bei einem seiner seltenen öffentlichen Auftritte zu beobachten. Das syrische Staatsfernsehen zeigte ihn beim Gebet in der Al-Numan Bin Baschir-Moschee in Damaskus, auch andere hochrangige Regierungsvertreter waren da. Assads Außenminister Walid al-Muallim ließ Medienberichten zufolge großspurig erklären: Es sei "in Ordnung", wenn die USA und ihre Partner seine Regierung nicht über jeden Luftangriff informierten. "Wir kämpfen gegen IS, sie kämpfen gegen IS."

Quelle: n-tv.de

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