Politik
Uwe Barschel bei der spektakulären "Ehrenwort"-Pressekonferenz 1987, in der er seine Unschuld beteuerte.
Uwe Barschel bei der spektakulären "Ehrenwort"-Pressekonferenz 1987, in der er seine Unschuld beteuerte.

Öffentlicher Zweifel an Mordthese: Barschels Bruder zeigt Pathologen an

Fast 30 Jahre nach dem mysteriösen Tod von Politiker Uwe Barschel bricht ein Pathologe sein Schweigen. "Es war Suizid", sagt er. Das könnte für den 91-Jährigen jedoch ein Nachspiel haben: Der Bruder des Toten hat Strafanzeige gestellt.

Im Fall des 1987 gestorbenen früheren Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein, Uwe Barschel, gibt es neuen Streit: Der Bruder des Toten, Eike Barschel, hat einem Bericht der "Welt" zufolge den Pathologen angezeigt, der vor drei Wochen Teile des internen Obduktionsberichts veröffentlicht hatte. Der mittlerweile 91-jährige Mediziner Werner Janssen hatte den Leichnam 1987 gemeinsam mit einem Kollegen untersucht. Mit seiner Einschätzung, Barschel habe sich selbst mit einer Überdosis Medikamente umgebracht, verstieß Janssen nach Ansicht des Bruders jedoch gegen die Schweigepflicht. Deshalb habe er Strafanzeige bei der Hamburger Justiz gestellt.

Eike Barschel kurz nach dem Tod seines Bruder, 1987.
Eike Barschel kurz nach dem Tod seines Bruder, 1987.(Foto: AP)

"Bis zum heutigen Tag habe ich Prof. Janssen nicht von der ihm gesetzlich vorgeschriebenen Verschwiegenheitspflicht entbunden", sagte Eike Barschel der "Welt". Tatsächlich war es der Bruder selbst, der damals die Obduktion für 20.000 Mark in Auftrag gegeben haben will. Auch "über die Zeit seiner aktiven Berufszeit hinaus" sei der Rechtsmediziner also zu Stillschweigen verpflichtet. "Daran kann kein Zweifel bestehen."

Barschels Leiche war am 11. Oktober 1987 in der Badewanne eines Zimmers im Genfer Hotel "Beau Rivage" gefunden worden. Ob der 43-Jährige ermordet wurde oder aus eigenem Willen starb, ist bis heute ungeklärt. Fest steht, dass er einen tödlichen Medikamentencocktail im Körper hatte. Zwischen Experten blieb aber umstritten, ob er das letztlich tödliche Mittel noch selbst zu sich nehmen konnte. In besagtem Obduktionsbericht wird ein Fremdeinwirken jedenfalls ausgeschlossen: "Nach den vorliegenden Erkenntnissen gibt es keinen Anhalt für eine Beibringung der zum Tode führenden Substanzen unter äußerem Zwang."

Ex-Chefermittler stützt Mordthese

Eike Barschel widerspricht dieser Auffassung jedoch nach wie vor. "Ich gehe von einem politischen Mord aus", sagte er in dem "Welt"-Bericht. Er glaubt, dass die tödlichen Medikamente seinem Bruder erst verabreicht wurden, als er schon bewusstlos war. Barschel stützt sich auf toxikologische Gutachten und den damaligen Chefermittler Heinrich Wille, der ebenfalls an einen Mord glaubt. Auch Wille kritisierte das Vorgehen des Pathologen. "Ich verstehe nicht, warum er jetzt seine Schweigepflicht bricht", so Wille.

Janssens Erklärung, Barschel könne nicht versehentlich 20 Tabletten geschluckt und müsse es deshalb freiwillig getan haben, widerspricht der Ermittler. "Janssen geht von der falschen Annahme aus, dass Barschel Tabletten eingenommen hat. Dabei müsste auch er wissen, dass die Substanz von professionellen Mördern auch in flüssiger Form verabreicht worden sein könnte."

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Quelle: n-tv.de

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