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Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei.
Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei.(Foto: picture alliance / dpa)

Anti-Terror-Einsatz nahe Mainz: Beamte stellen ehemaligen IS-Kommandeur

In der Nähe von Mainz wird ein Syrer festgenommen, der als "berüchtigter IS-Kommandeur" bekanntgewesen sein soll. Der 32-Jährige kam als Flüchtling nach Deutschland. Er soll sich einst als künftiger Selbstmordattentäter hervorgetan haben.

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Bei einer Anti-Terror-Razzia bei Mainz haben Ermittler Wohnungen von zwei Männern durchsucht. "Sie sind verdächtig, sich im syrischen Bürgerkrieg an einer terroristischen Vereinigung beteiligt zu haben", sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft. Hinweise auf konkrete Anschlagsplanungen lägen bisher nicht vor. Um welche Vereinigung es sich handele, müssten die Ermittlungen zeigen. "Spiegel-Online" berichtete, bei einem der Beschuldigten handele es sich um einen mutmaßlichen ehemaligen Kommandeur der Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Der 32-Jährige soll nach "Spiegel"-Angaben im Herbst als Flüchtling nach Deutschland gekommen sein. Die Durchsuchung sei in Sankt Johann im Auftrag des Generalbundesanwalts erfolgt. In dem 800-Einwohner-Dorf sind einige syrische Flüchtlinge untergebracht. Recherchen von "Spiegel TV" sollen ergeben haben, dass einer von ihnen ein ranghoher IS-Kämpfer war.

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Laut "Spiegel" hatten syrische Aktivisten im Internet vor dem Mann mit dem Namen Bassam gewarnt, der sich einst als künftiger Selbstmordattentäter hervorgetan haben soll. Nach Recherchen der Zeitung war er mutmaßlich Militärkommandeur in einem Bezirk westlich von Deir al-Sor, einer Stadt im Osten Syriens. Dort habe er sich, als der Aufstand gegen das Assad-Regime losbrach, den Rebellen angeschlossen, sei dann zu den Islamisten der Nusra-Front gekommen und schließlich beim IS gelandet.

Mehrere Zeugen hätten den Syrer Bassam als "berüchtigten Kommandeur" geschildert, der für den Tod Dutzender Menschen in Deir al-Sor und Umgebung verantwortlich sein soll. Seinen Posten hatte er demnach seinem Bruder zu verdanken, der beim IS Scharia-Richter sein soll. Eigentlich habe Bassam Selbstmordattentäter für den IS werden wollen, sein Bruder habe ihm das aber ausgeredet und dafür gesorgt, dass er Kommandeur wird, schreibt der "Spiegel".

Bassam entkam seinen Häschern

Wie es weiter heißt, sollen Rebellen der mit dem IS verfeindeten Freien Syrischen Armee (FSA) Bassam im September 2015 an einem Kontrollposten nördlich von Aleppo gestellt haben. Die FSA habe den Tipp bekommen, dass Bassam mit mehreren zehntausend Dollar Bargeld auf dem Weg in die Türkei war. Die Rebellen hätten ihm das Bargeld und das Mobiltelefon abgenommen. Nach 20 Tagen sei Bassam unter ungeklärten Umständen freigekommen. Zurück sei nur die Speicherkarte seines Handys geblieben. Darauf habe sich "massenhaft IS-Propaganda" befunden.

Bei "Spiegel TV" gibt sich der Mann harmlos. Er habe keine Verbindung mehr zu seinem Bruder, sei aus Syrien nach Deutschland geflohen. Er sei niemals beim IS gewesen und wisse auch nicht, weshalb er im FSA-Gefängnis gelandet sei. Er wolle sich als Flüchtling ein neues Leben aufbauen - als Koch in Deutschland.

Es ist die zweite größere Polizeiaktion gegen Dschihadisten in Deutschland binnen einer Woche, erst vor wenigen Tagen gab es Razzien in Berlin, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Hinweise auf konkrete Anschlagspläne hatten die Ermittler aber nicht.

Quelle: n-tv.de

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