Politik

NSU-ProzessBeate Zschäpe bekommt neuen Verteidiger

06.07.2015, 20:17 Uhr
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In zwei Jahren ist es den Pflichtverteidigern (r.) im NSU-Prozess nicht gelungen, ein Vertrauensverhältnis zur mutmaßlichen Terror-Unterstützerin Beate Zschäpe (l.) aufzubauen. (Foto: picture alliance / dpa)

Die angeklagte Beate Zschäpe möchte eine neue Verteidigung, das Gericht kommt ihr nun ein Stück entgegen und lässt einen von ihr gewünschten Kandidaten als vierten Pflichtverteidiger zu. Wohl auch weil Zschäpe ein juristisch verlockendes Angebot macht.

Die mutmaßliche NSU-Terroristin Beate Zschäpe bekommt einen vierten Pflichtverteidiger. Das Oberlandesgericht München habe ihn zum weiteren Verteidiger bestellt, teilte der Münchner Rechtsanwalt Mathias Grasel mit. Zschäpe habe ihn selbst darum gebeten, für sie tätig zu werden. Zschäpes Verhältnis zu ihren bisherigen Verteidigern gilt nach mehr als zweijähriger Prozessdauer und über 200 Verhandlungstagen als belastet. Zuletzt war sie mit dem Antrag gescheitert, ihre Verteidigerin Anja Sturm abberufen zu lassen.

In einem Schreiben an das Gericht hatte Zschäpe angeboten, bei einer Änderung ihrer Verteidigung "etwas" sagen zu wollen und somit ihr nunmehr zweijähriges Schweigen in dem Prozess zu brechen. Es wird vermutet, dass die Hoffnung auf eine Aussage Zschäpes das Gericht veranlassten, ihrem Wunsch nach einem neuen Pflichtverteidiger nachzukommen.

Mit ihrem neuen Anwalt war Zschäpe in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim dem Vernehmen nach schon seit längerem in Kontakt. Der 31-jährige Grasel betonte ausdrücklich Teil eines Verteidiger-Teams sein zu wollen, kein Erster unter Gleichen. "Ich sehe das nicht als eine 3+1-Konstellation. Ich maße mir nicht an, den Rahmen zu sprengen."

Der junge Anwalt lässt sich "im Hintergrund" beraten

Anders als das aus erfahrenen Anwälten bestehende bisherige Verteidiger-Trio ist Grasel fast noch ein Justiz-Neuling. Der am Bodensee aufgewachsene Rechtsanwalt, den es nach zwei Semestern an der Universität Konstanz vor zehn Jahren zum weiteren Jura-Studium nach München gezogen hatte, ist erst seit 2011 als Rechtsanwalt zugelassen. Seit 2013 ist er Fachanwalt für Strafrecht. Eine eigene Kanzlei, für die er sich die Räume mit anderen Rechtsanwälten teilt, führt er seit dem vergangenen Jahr. Er lasse sich "im Hintergrund" von einem renommierten Strafverteidiger mit langjähriger Erfahrung bei der Aufgabe in dem Mammut-Prozess rund um den NSU unterstützen.

Grasel kann Zschäpe nun ab sofort an der Seite der anderen drei Rechtsanwälte verteidigen. Der Prozess wird morgen mit Zeugenvernehmungen fortgesetzt. Zschäpe ist unter anderem wegen Beihilfe zu den zehn Morden angeklagt, die der rechtsextremen Terrorzelle NSU vorgeworfen werden.

Quelle: ntv.de, dka/AFP

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