Politik

Zufrieden mit Soldat Mundlos: Bundeswehr kümmerte sich nicht

Uwe Mundlos fällt schon als Wehrpflichtiger bei der Bundeswehr mit seiner rechten Gesinnung auf. Auch der Militär-Geheimdienst hat den späteren Terroristen im Visier. Eine Arreststrafe muss er nicht antreten und wird sogar befördert. Mit dem laxen Verhalten der Bundeswehr befasst sich nun der NSU-Ausschuss.

Kopie des Truppenausweises des NSU-Terroristen Uwe Mundlos.
Kopie des Truppenausweises des NSU-Terroristen Uwe Mundlos.(Foto: dpa)

Die SPD-Obfrau im NSU-Ausschuss des Bundestags, Eva Högl, beklagt einen zu laxen Umgang der Bundeswehr mit Rechtsextremen. In der Wehrdienstzeit des späteren Rechtsterroristen Uwe Mundlos habe es große Versäumnisse gegeben, sagte Högl. Die Bundeswehr habe Mundlos zwei Mal rechtswidrig befördert, obwohl er mit seiner rechten Gesinnung aufgefallen war. Außerdem habe sich der Militärische Abschirmdienst viel zu spät mit dem Fall befasst. Der MAD ist unter anderem dafür zuständig, Soldaten auf extremistische Einstellungen zu überprüfen.

Die Bundeswehr war mit Uwe Mundlos sogar zufrieden. Mundlos habe als Richtschütze und Gehilfe des Kompanietruppführers "gute Leistungen gezeigt", heißt es in einem Zeugnis zum Ende seines Wehrdienstes. Für seine Führung bescheinigte ihm die Bundeswehr immerhin ein "Befriedigend".

Mit Hitler-Visitenkarten unterwegs

Ein ganz normaler Rekrut, so schien es. Doch Mundlos tat sich schon bald unangenehm hervor. Am 13. August 1994 - dem symbolischen Tag des Mauerbaus - war er, fernab der Kaserne, mit Freunden in Chemnitz unterwegs. Die jungen Leute wurden von der Polizei kontrolliert. Die Beamten fanden bei Mundlos Visitenkarten mit dem Kopf von Adolf Hitler und ein Bild des Hitler-Stellvertreters Rudolph Heß. Sie nahmen ihn in Gewahrsam, ließen seine Wohnung durchsuchen und entdeckten dort 15 Kassetten mit rechter Musik und Flugblätter der rechtsextremen NPD.

Der Vorfall beschäftigte auch die Vorgesetzten des jungen Rekruten. Sie vernahmen ihn und holten Erkundigungen über ihn ein. In Mundlos' Personalakte findet sich dazu die Aussage einer "Vertrauensperson": Das Verhalten des jungen Mannes gegenüber seinen Kameraden sei "problemlos". Mundlos sei eher ein Einzelgänger und "nicht in der Lage, andere mitzureißen und für seine Sache zu begeistern". Der Besitz der NS-Devotionalien und Flugblätter zeige aber, dass er nicht für die freiheitlich demokratische Grundordnung einstehe.

Beförderung statt Arrest

Der Kompaniechef von Mundlos plädierte für sieben Tage Disziplinararrest. Antreten musste der Rekrut die vorgeschlagene Strafe aber nie. Das Truppendienstgericht lehnte den Arrest ab - stattdessen beförderte die Bundeswehr Mundlos.

Högl kritisierte, die Bundeswehr sei auch mit anderen bekennenden Rechtsextremen - sogar aus dem späteren NSU-Umfeld - schonend umgegangen. "Das ist wirklich inakzeptabel." Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) warf sie vor, er vernachlässige die Problematik. Im Fall Mundlos habe sich der Ressortchef nicht ansatzweise engagiert.

An diesem Donnerstag befasst sich der NSU-Untersuchungsausschuss im Bundestag mit dem Thema. Das Gremium arbeitet seit Jahresbeginn die Verbrechen des Nationalsozialistischen Untergrunds auf.

Quelle: n-tv.de

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