Politik
Umfragen sehen Hillary Clinton klar vorne.
Umfragen sehen Hillary Clinton klar vorne.(Foto: AP)
Donnerstag, 20. Oktober 2016

Trump kann nicht punkten: Clinton entscheidet letzte Debatte für sich

Von Hansjürgen Mai, Charlotte (North Carolina)

Verbrannte Erde war angekündigt worden, doch Donald Trump zeigt sich bei der dritten TV-Debatte gegen Hillary Clinton vergleichsweise zurückhaltend. Um am Ende doch mit einem krassen Tabubruch aufzuwarten.

Die dritte und letzte Debatte im US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf war ein Stück in zwei Akten. Hillary Clinton und Donald Trump trafen sich zum finalen Schlagabtausch in der Glücksspielhochburg Las Vegas. Und passend zum Veranstaltungsort gab es auch bei der Debatte einen Gewinner und einen Verlierer.

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Gewonnen hat Hillary Clinton. Die Demokratin gab sich sachlich und ließ sich von Trumps Sticheleien nicht aus der Ruhe bringen. Der Verlierer war Donald Trump. Der Republikaner zeigte zwar mit Abstand seine beste Leistung auf der Bühne, aber am Ende blieb er doch hinter den Erwartungen zurück.

Im Vorfeld der Debatte hatte Trumps Wahlkampfteam gestreut, dass er vor nichts zurückschrecken würde, um Clinton aus der Reserve zu locken. Die rechte Nachrichtenseite Breitbart, deren ehemaliger Chef jetzt für Trump arbeitet, kündigte eine "Strategie der verbrannten Erde" an. Die gab es nicht. Trump agierte eher zurückhaltend. Allerdings war er deutlich besser vorbereitet als in den vorangegangen Aufeinandertreffen.

Knapp 50 Minuten lang war die von dem Fox-News-Moderator Chris Wallace geleitete Debatte genau so, wie Diskussionen im Wahlkampf sein sollten. Beide Kandidaten legten ihre Argumente zu wichtigen Themen wie dem Waffenrecht, Abtreibung, Einwanderung und Wirtschaft dar. Dabei wurden die teils drastischen Unterschiede zwischen Clinton und Trump mehr als offensichtlich. Clinton, die das Recht auf Abtreibung unterstützt, warf Trump im Bezug auf dieses Thema "Angstmacherei" vor.

"Du bist eine Putin-Marionette." - "Nein, du."

Den ersten kleinen Zank lieferten sich die Kandidaten erst nach einer guten halben Stunde. Streitpunkt war Russlands Staatsoberhaupt Wladimir Putin, dem die US-Geheimdienste vorwerfen, Einfluss auf den Ausgang der Präsidentschaftswahlen nehmen zu wollen. Demnach haben Hacker im Auftrag des Kreml Dateien und E-Mails aus Clintons Umfeld entwendet und an die Enthüllungsplattform Wikileaks weitergegeben. Clinton sagte zu Trump, er sei "nur eine Marionette" für Putin, worauf Trump erwiderte: "Du bist die Marionette."

Davon abgesehen lief der erste Akt der Debatte äußerst sachlich ab - was eher untypisch für diesen Wahlkampf ist. Für unentschlossene Wähler war dies vermutlich ein Diskussionsstil, auf den sie sehnsüchtig gewartet haben. Dann fragte Wallace nach der Eignung der Kandidaten für das Präsidentenamt. Damit brachte er das wohl mittlerweile wichtigste Thema des Wahlkampfes ins Spiel: das Video, das vor zehn Tagen von der "Washington Post" veröffentlicht wurde und seit dem die Nachrichten dominiert.

Mittlerweile sind zehn Frauen an die Öffentlichkeit gegangen, die Trump vorwerfen, sie sexuell belästigt zu haben. Anders als bei der zweiten Debatte verzichtete Trump daher darauf, Frauen einzuladen, die Bill Clinton sexuelle Übergriffe vorwerfen. Ganz wollte er jedoch nicht auf Provokationen verzichten. Zu Trumps Gästen in Las Vegas gehörten unter anderem Barack Obamas entfremdeter kenianischer Halbruder Malik sowie Mütter, deren Kindern von illegalen Einwanderern getötet wurden. Um peinliche Begegnungen und entsprechende Fotos zu vermeiden, hatte Clintons Wahlkampfteam durchgesetzt, dass die jeweiligen Angehörigen der Kandidaten durch getrennte Eingänge in den Zuschauerraum gingen.

Wallaces Frage nach der Eignung für das höchste Amt im Staat öffnete die Schleusen für die längst bekannten gegenseitigen Vorhaltungen. Hier hatte Trump seinen besten Moment. Er warf Clinton vor, sie habe in ihren 30 Jahren in der Politik nichts bewegt. "Das Einzige, was du mir gegenüber vorzuweisen hast, ist Erfahrung, aber es ist schlechte Erfahrung", sagte Trump. "Du redest, tust aber nichts."

Den Wählern bleiben nur noch knapp drei Wochen bis zur Stimmabgabe am 8. November. Schon seit einiger Zeit deutet alles auf einen Sieg von Clinton hin. Trotz dieser Prognose war Trump nicht gewillt, öffentlich eine Bestätigung abzugeben, dass er die Wahl als rechtmäßig anerkennen würde, sollte er verlieren. Seit Wochen spricht er darüber, dass die Wahlen manipuliert seien und das System korrupt. "Ich werde es zu gegebener Zeit mitteilen", sagte Trump auf die Frage, ob er den Ausgang der Wahlen akzeptieren würde. In der US-Politik ist das ein radikaler Tabubruch. Nach der Debatte nannte CNN-Moderator Jake Tapper diese Äußerung eines der "unglaublichsten Dinge, die ich jemals in einer Präsidentschaftsdebatte gehört habe".

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Quelle: n-tv.de

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