Politik
Gegen die republikanische Elite: Trump und Cruz bei der jüngsten Debatte der republikanischen Präsidentschaftsbewerber.
Gegen die republikanische Elite: Trump und Cruz bei der jüngsten Debatte der republikanischen Präsidentschaftsbewerber.(Foto: REUTERS)

So wählen die US-Republikaner: Das Establishment gegen Trump oder Cruz

Von Hubertus Volmer

Der Vorwahlkampf der Republikaner wird von radikalen Kandidaten dominiert. Zwei von ihnen haben eine Chance auf die Präsidentschaftskandidatur – nicht nur Donald Trump, sondern erstmals auch ein echter Evangelikaler.

Gut einen Monat vor Beginn der Vorwahlen in den USA ist klar: Bei den Republikanern gibt es nicht einen, sondern zwei Vorwahlkämpfe. Nicht ein Kandidat muss versuchen, sich gegen alle anderen Mitbewerber durchzusetzen. Stattdessen müssen das Establishment und eine Anti-Establishment-Fraktion entscheiden, welchen Kandidaten sie in den Kampf gegen die jeweils andere Seite schicken wollen.

Auf der Seite der Radikalen, die sich gegen die etablierte Politik der Republikaner wenden, führt der skurrile Milliardär Donald Trump die Meinungsumfragen an. Doch er hat Konkurrenz bekommen: Ted Cruz klettert seit Wochen konstant nach oben, mittlerweile liegt er auf Platz zwei. In Deutschland ist der Senator bislang kaum bekannt, zu sehr steht er im Windschatten Trumps, der mit Beleidigungen und wüsten Sprüchen die Schlagzeilen dominiert.

Im Vergleich dazu hält Cruz sich im Wahlkampf zurück – wobei auch er die Kunst der persönlichen Attacke beherrscht. Im Sommer nannte er den republikanischen Mehrheitsführer im Senat, seinen Parteifreund Mitch McConnell, einen Lügner. Obwohl Cruz seit knapp drei Jahren im Senat sitzt, unterstützt ihn keiner seiner Kollegen – zu sehr hat er sich als Kämpfer gegen das republikanische Establishment und gegen das verhasste "Washington" inszeniert. Zu seinen Standardsätzen in Wahlkampfreden gehört folgender Spruch: "Ich war in der letzten Woche die meiste Zeit in Washington. Es ist toll, wieder in Amerika zu sein." Von Trump hat Cruz sich nicht distanziert, im Gegenteil. "Die einzige Hoffnung des Establishments: Trump & ich im Käfig-Kampf", twitterte Cruz am 11. Dezember. "Tut mir leid, euch enttäuschen zu müssen: @realDonaldTrump ist großartig." Dazu der Hastag #DealWithIt, also in etwa: Kommt damit klar.

Die drei "Verrückten"

Nicht nur für Establishment-Republikaner, auch für Demokraten ist Cruz ein rotes Tuch. Der linksliberale Soziologe Michael Kimmel zählt ihn im Interview mit n-tv.de zu den drei "Verrückten" unter den republikanischen Kandidaten: Die anderen beiden sind Trump und der frühere Neurochirurg Ben Carson, dessen Umfragewerte Ende Oktober kurzzeitig über denen von Trump lagen. Dann allerdings leistete Carson sich ein paar Fehler, von denen die Bemerkung, die Pyramiden seien von den alten Ägyptern als Kornspeicher genutzt worden, noch die am wenigsten schädliche gewesen sein dürfte.

In einer Debatte mit den anderen republikanischen Bewerbern sagte Carson, die Chinesen seien in Syrien aktiv – ein Irrtum. In der Folge erschienen Berichte darüber, dass selbst Carsons außenpolitische Berater an seiner Inkompetenz verzweifeln. Dazu kamen Artikel über Unwahrheiten in seiner Autobiographie. Und schließlich hat Carson das grundsätzliche Problem, dass ein Schwarzer bei republikanischen Wählern nicht die unbedingte Unterstützung findet, die für eine Nominierung notwendig ist.

Jeb Bush und Marco Rubio gehören zu den Establishment-Kandidaten im Rennen der Republikaner.
Jeb Bush und Marco Rubio gehören zu den Establishment-Kandidaten im Rennen der Republikaner.(Foto: REUTERS)

Carsons Abstieg verlief parallel zu Cruz' Aufstieg, was nicht überraschend ist, da beide dieselbe Zielgruppe ansprechen: sehr konservative Wähler, evangelikale Christen, Tea-Party-Anhänger: Wie jeder gute Konservative in den USA ist Cruz für unkontrollierten Waffenbesitz, die Todesstrafe und mittlerweile – obwohl sein Vater Kubaner ist – auch für eine harte Linie in der Einwanderungspolitik. Er lehnt die Homo-Ehe ab, glaubt nicht an den menschengemachten Klimawandel und plädiert dafür, den Islamischen Staat mit einem "Bombenteppich" zu überziehen. Die "regime change"-Politik der alten Neokonservativen lehnt Cruz aber ab. In diesem Punkt liegt er mit den Establishment-Kandidaten Jeb Bush und Marco Rubio über Kreuz, wobei der eigentliche Unterschied die Kompromisslosigkeit seines Konservatismus ist.

"Merkt euch das einfach mal, ok?"

Seit Cruz sich als ernstzunehmender Gegner entpuppt hat, greift Trump ihn offen an. "Nach allem, was ich weiß, kommen nicht allzu viele Evangelikale aus Kuba, ok? Merkt euch das einfach mal, ok? Merkt euch das", sagte Trump kürzlich bei einem Wahlkampfauftritt. Was genau das bedeuten soll, erklärte er nicht – aber in Trumps Wahlkampf geht es ja ohnehin nicht um Politik, sondern um Wut und Ressentiments. Der Kuba-Spruch über Cruz zielt auf die Wähler in Iowa, wo es viele Evangelikale gibt – und wo Cruz in den Vorwahl-Umfragen vor Trump liegt. Der Bundesstaat ist wichtig, weil dort Anfang Februar die erste Vorwahl stattfindet.

Vergleichbare Angriffe gibt es auch auf der anderen Seite, unter den Establishment-Kandidaten, die in den Umfragen alle weniger erfolgreich sind als Trump oder Cruz: Ein Super-Pac, der den abgeschlagenen Bush unterstützt, finanziert in Iowa einen Fernsehspot, in dem es heißt, Rubio (Platz drei in den Umfragen) habe in den vergangenen drei Jahren mehr Abstimmungen verpasst als jeder andere Senator. Bush und Rubio sind zwei der Establishment-Kandidaten, die sich zunächst in ihrer eigenen Gruppe durchsetzen müssen, um dann einen Anti-Establishment-Kandidaten herauszufordern. Mittlerweile gilt sogar als möglich, dass die letzte Entscheidung erst auf dem Nominierungsparteitag im Juli fällt – was höchst ungewöhnlich wäre.

Auf der Anti-Establishment-Seite ist längst nicht ausgemacht, dass Trump das Rennen macht; auch Cruz hat durchaus Chancen. So hat er deutlich mehr Spenden eingesammelt als andere evangelikale Kandidaten in früheren Wahlkämpfen. Auch die Abfolge der Vorwahlen könnte ihm nutzen: Am Super-Dienstag am 1. März wählen vor allem südliche Bundesstaaten, deren Wähler besonders konservativ sind. Cruz sei der einzige unter den "Verrückten", der eine Chance habe, die Vorwahlen zu gewinnen, sagt der Soziologe Kimmel. Am Ende könnte das republikanische Establishment sich genötigt sehen, Cruz zu unterstützen, um den aus ihrer Sicht noch problematischeren Trump zu verhindern.

Quelle: n-tv.de

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