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(Foto: REUTERS)

"Das hat nichts mit Islam zu tun": Deutscher Rückkehrer distanziert sich vom IS

Was denken Menschen, die in den Dschihad nach Syrien gezogen sind, nach ihrer Rückkehr über den Islamischen Staat? Ein Deutscher äußert sich nach seiner Verhaftung in der Heimat und distanziert sich von den Terroristen. Er wäre fast selbst in deren Visier geraten.

Erstmals hat sich ein inhaftierter deutscher IS-Rückkehrer öffentlich gegen die Terrormiliz Islamischer Staat gestellt. In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung", dem NDR und dem WDR erklärte der 26-jährige Wolfsburger Ebrahim B., der im Sommer 2014 in Syrien und im Irak war, er sei "fertig" mit dem IS: "Der Islamische Staat hat nichts mit dem Islam zu tun" - das Gefängnis in Deutschland sei ihm "lieber als Freiheit in Syrien".

Der gelernte Massagetherapeut gehört zu der Gruppe der etwa zwanzig Wolfsburger Islamisten, die sich seit 2013 auf den Weg ins Kriegsgebiet gemacht haben. Er sprach nun auch über die Gräueltaten des IS. Weil er selbst kurzfristig unter Verdacht geraten war, er könne ein Spion sein, sei er in eine blutverschmierte Zelle gesperrt worden. Eine Leiche mit abgetrenntem Kopf sei zu ihm in die Zelle gebracht worden. Es gebe eine Art Verfassungsschutz beim IS, in dem deutsche Kämpfer das Sagen hätten, gab er bei der Polizei zu Protokoll. Die Angst vor Agenten sei zur Paranoia gewachsen. Er selbst sei wohl unter Verdacht geraten, weil er Mitglied der SPD sei.

Einer unter 260

Gegen Ebrahim B. gibt es seit Mai eine Anklage der Bundesanwaltschaft wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Im kommenden Monat soll ihm vor dem Oberlandesgericht Celle der Prozess gemacht werden. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass er vom IS als Selbstmordattentäter eingesetzt werden sollte.

Ebrahim B. ist einer von insgesamt etwa 260 IS-Rückkehrern aus Syrien und dem Irak. Als er im vergangenen November verhaftet wurde, bot er gleich seine Kooperation an.

Bis heute sind etwa 700 deutsche Islamisten in den Krieg ausgereist. Die Behörden gehen davon aus, dass mehr als 90 deutsche Dschihadisten in Syrien und dem Irak gestorben sind. Darunter sollen mindestens sieben sein, die aus Wolfsburg stammten.

Die Distanzierung Ebrahim B.s vom IS bewertet der Terrorismus-Experte Peter Neumann, der Professor am Londoner King's College ist, als "ganz wichtig". "Wir haben in Europa lange Zeit darauf gewartet, dass es solche Leute gibt, die über ihre Erfahrungen berichten." Viele Rückkehrer seien "desillusioniert", hätten aber "Angst vor den Konsequenzen" einer Beichte.

Quelle: n-tv.de

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