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Brüderle: "Glaubwürdigkeit gewinnt man, indem man nicht wie Bambusrohre hin- und herschwingt, sondern steht wie eine Eiche."
Brüderle: "Glaubwürdigkeit gewinnt man, indem man nicht wie Bambusrohre hin- und herschwingt, sondern steht wie eine Eiche."(Foto: dpa)

Röslers Rauswurf durch die Blume: Die Sprachakrobaten der FDP

Von Issio Ehrich

Jeder weiß es: Die FDP will ihren Vorsitzenden Rösler loswerden. Allein, ausgesprochen hat das ein hochrangiges Parteimitglied öffentlich noch nicht. Die Liberalen setzen auf verschrobene Sätze, mystische Codes und krude Analogien. Eine Zermürbungstaktik, die nicht selten unfreiwillig komisch ist. Und manchmal auch ziemlich perfide.

Auch Rainer Brüderle beherrscht die Kunst des politischen Meuchelmordes. In der ARD sagte er, es sei unfair, die Lage der FDP nur auf den Parteichef zu reduzieren. "Das ist immer Teamarbeit - wie beim Fußball." Brüderles Worte klingen nach kollegialem Zusammenspiel zwischen ihm, dem Vorsitzenden der Fraktion, und dem anderen, Philipp Rösler, dem Vorsitzenden der Partei. Doch sie sind bloße Heuchelei. Wie so oft in der FDP.

Seit Wochen bereitet die Partei den Sturz ihres Chefs vor - ohne den Rücktritt je mit klaren Worten zu fordern. Röslers Gegner setzten auf eine Zermürbungstaktik aus Andeutungen und versteckten Attacken. In der Hoffnung, das Wahlergebnis bei der anstehenden Niedersachsenwahl am Sonntag nicht zu gefährden, vor allem aber, um am Ende nicht für den Putsch verantwortlich gemacht zu werden.

Die große Brüderle-Scharade

Das weiß natürlich auch die Journalistin, die an diesem Morgen den Fraktionschef interviewt. "So, Herr Brüderle", sagt sie, "das war jetzt die Sonntagsantwort, jetzt gehen wir mal zu Montagsantwort über." Der Fraktionsvorsitzende sagt sofort "Ja", grinst breit, nickt mit dem Kopf. Und dann beginnt die große Brüderle-Scharade.

Auf die Frage, ob es nach der Landtagswahl in Niedersachsen einen vorgezogenen Parteitag geben werde, um die Personaldebatte schnell abzuwickeln, antwortet Brüderle: "Das kann ich mir vorstellen. Denn es hat ja keinen Sinn, das zu lange rauszuschieben." Auch das Datum nennt er: "Das wäre möglich Anfang März, Ende Februar." Und er erklärt auch noch, warum der frühe Termin seiner Meinung nach so wichtig ist: Bisher sei der Parteitag schließlich für den Mai geplant. Da die Bundestagswahl schon im September folge, sei die Zeit sehr knapp, um eine neue Führung zu etablieren.

Als es dann richtig konkret wird, rettet Brüderle sich verbal sofort wieder ins Ungefähre. Auf die Frage, ob er Rösler beerben werde, antwortet Brüderle: "Es gilt der Grundsatz: Der Parteivorsitzende wird vom Fraktionsvorsitzenden unterstützt. Ich stehe hinter Philipp Rösler, und über ungelegte Eier diskutier' ich nicht." Ein Hieb, ein Stich, eine Rauchbombe.

Die Mär vom ewigen Parteichef

Die Sprachakrobatik, mit der die Liberalen ihren Vorsitzenden aus dem Amt jagen wollen, entwickelt angesichts ihrer Offensichtlichkeit mittlerweile schon eine gewisse Komik. Zunächst war da FDP-Mann Wolfgang Kubicki aus Schleswig-Holstein. Der sagte im n-tv Polittalk "Das Duell" erst: Rösler bleibe "ewig" Parteivorsitzender. Nur Tage später erklärte er den nordrhein-westfälischen FDP-Chef Christian Lindner zum "geborenen neuen Bundesvorsitzenden".

Das Präsidiumsmitglied Hermann-Otto Solms sagte n-tv.de zunächst: Rösler mache gute Arbeit, sei ein honoriger und liebenswerter Mann. Er fügte hinzu, es könnte gut sein, dass er bei einem vorgezogenen Parteitag ein gutes Votum bekomme. Das klingt erbaulich, doch dann kam der Nebensatz: "... es kann aber eben auch anders sein." Rösler sei es nicht gelungen, die Inhalte der Partei allgemeinverständlich zu übermitteln.

Die Glaubwürdigkeit eines Bambusrohrs

Entwicklungsminister Dirk Niebel erklärte den Medien in einer Flut von Interviews dann noch, dass ein Parteichef nicht zwingend Spitzenkandidat für die Bundestagswahl sein müsse und dass doch eine Teamlösung die größten Chancen auf einen Wahlerfolg verspreche.

Der wohl perfideste Angriff stammt allerdings von "Dampfplauderer" Brüderle selbst: Gegen seinen lyrischen Auswurf auf einem Parteitreffen im vergangenen Sommer erscheint seine jüngste Scharade fast schon bieder: "Glaubwürdigkeit gewinnt man, indem man nicht wie Bambusrohre hin- und herschwingt, sondern steht wie eine Eiche", sagte er damals. "Deswegen ist die Eiche hier heimisch und nicht das Bambusrohr."

Quelle: n-tv.de

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