Politik
Eine Schule in einem Keller in Syrien.
Eine Schule in einem Keller in Syrien.(Foto: Save the Children)

Fünf Jahre tobt der Krieg: Die Stunde der mutigen Syrer

Ein Gastbeitrag von Bidjan Nashat, Save the Children

Fünf Jahre währt das Morden und Sterben in Syrien schon. Die internationale Gemeinschaft steht vor einem Scherbenhaufen, und doch gibt es Hoffnung: Aktivisten, die unter Einsatz ihres Lebens Menschen retten und Kindern Hoffnung geben.

Wenn sich diese Woche der Krieg in Syrien zum fünften Mal jährt, muss ich an den Syrer denken, der am 15. September 1989 in die deutsche Botschaft in Damaskus kam. Er trug 2000 syrische Pfund mit sich - mehr als ein damals durchschnittliches Monatsgehalt. Der Mann wollte damit seine Sympathie für die DDR-Bürger ausdrücken, die mit ihren Kindern nach Ungarn geflohen waren, um in die Bundesrepublik zu gelangen.

Kindheit in Damaskus: Ein Junge mit einer Kuh.
Kindheit in Damaskus: Ein Junge mit einer Kuh.(Foto: imago/ITAR-TASS)

Ein Vierteljahrhundert später herrscht ein gewaltsamer und menschenverachtender Krieg in seinem Heimatland, der eine der verheerendsten humanitären Krisen weltweit nach sich zieht. Während die internationale Staatengemeinschaft seit fünf Jahren zu keiner politischen Lösung kommt, die Konfliktparteien kontinuierlich Familien und Kinder mit Fassbomben bewerfen, gezielt Schulen und Krankenhäuser zerstören und ganze Gebiete durch Belagerung aushungern, zeigt sich umso mehr die Stärke vieler mutiger und entschlossener Syrer in ihrem Heimatland.

Es sind solche wie dieser Syrer im Jahr 1989, die aus Solidarität ihren Mitmenschen helfen: Syrische Lehrer werden von unseren Partnerorganisationen vor Ort unterstützt, um Kinder in Bunkern und zerbombten Schulgebäuden zu unterrichten, sie setzen damit ein deutliches Zeichen gegen die Hoffnungslosigkeit. Die syrischen Mitarbeiter unserer Partner haben Schutz- und Spielräume für Kinder eingerichtet, um ihnen einen Alltag und damit ein bisschen Halt und Sicherheit zu geben in einer Situation, in der es so etwas nicht mehr gibt. Während sie jeden Moment auf den Tod warten, lassen sich syrische Sozialarbeiter von uns in psychologischer Erster Hilfe ausbilden, um den Kindern und ihren Familien ein Mindestmaß an Seelsorge bieten zu können.

Hilfe unter Einsatz ihres Lebens

Bidjan Nashat ist Programmdirektor und Vorstand bei Save the Children Deutschland.
Bidjan Nashat ist Programmdirektor und Vorstand bei Save the Children Deutschland.(Foto: Save the Children)

Syrische Aktivisten schmuggeln unter Einsatz ihres Lebens seit Jahren Nahrungsmittel und Medikamente an den Checkpoints vorbei zu hungernden Familien und ihren Kindern in den belagerten Gebieten. Syrische Weißhelme retten jeden Tag unter Lebensgefahr Menschen aus den Trümmern. Seit dem Beginn der Waffenruhe hat es sogar schon vereinzelte politische Demonstrationen gegeben - ein weiteres Zeichen dafür, dass auch fünf Jahre Krieg und Vertreibung den Willen und die Hoffnung auf eine friedliche Zukunft eines anderen Syrien noch nicht erstickt haben.

Wo wird dieser Syrer, der 1989 in die deutsche Botschaft kam, den fünften Jahrestag des Kriegs erleben? Ist er einer von den weit über 300.000 Todesopfern des Konflikts? Gehören seine Kinder zu den 250.000 Menschen, die in belagerten Gebieten Syriens an Hunger und Krankheiten leiden und in ständiger Todesangst leben? Ist er einer der fast 5 Millionen Syrer, die das Land als Flüchtling in die Nachbarländer verlassen haben? Oder hat er es über die Balkanroute vielleicht bis nach Deutschland geschafft?

Sehr wahrscheinlich werden wir die Antwort auf diese Fragen niemals herausfinden. Was wir aber wissen, ist, dass er zu denjenigen Menschen der weltweiten Zivilgesellschaft gehört, die sich aus Solidarität mit Mitmenschen in Not einsetzen - über die Zugehörigkeit zu einer Religion, Kultur oder Sprache hinweg. Auch aus Deutschland heraus haben wir viel von dieser Solidarität erleben dürfen, von privater und auch von institutioneller Seite.

Wenn wir diese Woche an den fünften Jahrestag des Kriegs in Syrien erinnern, sollten wir uns von den wenig hoffnungsvollen Nachrichten aus dem Land nicht bis zur Untätigkeit hin entmutigen lassen. Die vielen internationalen Hilfsorganisationen, die seit Jahren die Arbeit der syrischen Zivilgesellschaft unterstützen, stehen weiter an der Seite der Syrer. Jeder von uns kann sich für eine Verbesserung der Lage vor Ort einsetzen. Dafür ist nicht einmal ein ganzes Monatsgehalt nötig. Es hilft schon, wenn wir daran mitarbeiten, dass die syrischen Kinder und ihre Familien in all ihrem Leid nicht in Vergessenheit geraten.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen