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Unbekannte schießen auf Ermittler: Ein Toter bei Anti-Terroreinsatz in Brüssel

Bei Ermittlungen zu den Anschlägen von Paris fallen in der belgischen Hauptstadt Schüsse: Während einer Hausdurchsuchung eröffnen Unbekannte das Feuer auf Polizisten. Mehrere Beamte werden verletzt. Am Abend wird ein Verdächtiger getötet. Der Einsatz dauert an.

Bei dem Anti-Terror-Einsatz der Polizei in Brüssel ist ein Verdächtiger getötet worden. Das berichtete die Nachrichtenagentur Belga am Abend unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft. Bei der Fahndung nach bislang unbekannten Schützen, die am frühen Nachmittag das Feuer auf eine belgisch-französische Ermittlergruppe eröffnet hatten, konnte demnach ein Terrorverdächtiger nach stundenlanger Suche überwältigt werden. Medienberichten zufolge wurde der Mann erschossen. Dabei soll es sich nicht um den Hauptverdächtigen handeln.

Der Einsatz im Stadtteil Forest (auch: Vorst) dauert noch immer an. Ein weiterer Verdächtiger befindet sich auf der Flucht, heißt es. Die Sicherheitskräfte sind mit einem Großaufgebot im Einsatz. Auf Bilder aus Brüssel ist zu sehen, wie schwer bewaffnete Beamte auf den Dächern rund um den Tatort in Stellung gehen. Aus einem umstellten Haus stieg aus einer Dachluke Rauch auf.

Vermummte Sicherheitskräfte gehen in Stellung: Der oder die Täter sind noch auf der Flucht.
Vermummte Sicherheitskräfte gehen in Stellung: Der oder die Täter sind noch auf der Flucht.(Foto: REUTERS)

Am frühen Nachmittag hatten Unbekannte bei einer Durchsuchungsaktion französischer und belgischer Ermittler im Süden der belgischen Hauptstadt mit Sturmgewehren auf Polizisten geschossen. Im Kugelhagel der Verdächtigen wurden neuesten Angaben zufolge vier Beamte verletzt, einer davon angeblich schwer.

Flucht über die Dächer?

Die Durchsuchungsaktion stand nach Angaben belgischer Behörden im Zusammenhang mit den Anschlägen von Paris. Französischen Medien zufolge handelte es sich um einen gemeinsamen Anti-Terror-Einsatz französischer und belgischer Ermittler. Das Innenministerium in Paris bestätigte die Beteiligung französischer Fahnder.

Die Durchsuchungsaktion habe allerdings nicht dem flüchtigen Haupttäter der Pariser Terroranschläge vom 13. November, Salah Abdeslam, gegolten, wie die Ermittler betonten. Diesen Angaben zufolge wollten die Zielfahnder lediglich eine leerstehende Wohnung überprüfen, die einer der Hintermänner der Pariser Anschläge angemietet haben soll. Dort seien dann plötzlich Schüsse gefallen.

Augenzeugen zufolge sollen der oder die Schützen das Feuer mit Kalaschnikows eröffnet haben und anschließend über die Dächer geflohen sein. Eine Zeugin sprach bei CNN von etwa 30 Schüssen aus einem Schnellfeuergewehr. In lokalen Medienberichten hieß es zunächst, zwei Verdächtige seien auf der Flucht.

Forest im Ausnahmezustand

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Seit dem Vorfall am frühen Nachmittag sind Sicherheitskräfte mit einem Großaufgebot vor Ort im Einsatz: Anwohnern zufolge sperrten die Behörden nicht nur den betroffenen Straßenzug. Mit teils gepanzerten Fahrzeugen und schwer bewaffneten Einsatzkräften wurde demnach der gesamte Stadtteil abgeriegelt.

Das Gebiet muss offenbar Haus für Haus durchsucht werden. Einheiten des belgischen Militärs unterstützen die Polizei und deren Spezialeinsatzkräfte. Bilder aus Brüssel zeigen Scharfschützen von Polizei und Armee, die auf den Dächern rund um den Tatort in Stellung gingen. Über der Stadt kreisen Hubschrauber auf der Suche nach verdächtigen Bewegungen.

Dass die Ermittler vor Ort nach neuen Hinweisen auf die Paris-Attentäter suchten, legt einen terroristischen Hintergrund der Schießerei nahe. Bislang jedoch liegen die Motive der Schützen von Brüssel noch vollkommen im Dunkeln. Ob es sich bei den geflüchteten Verdächtigen tatsächlich um gesuchte Terroristen handelt, ist noch offen. Die belgische Polizei hat sich bislang noch nicht zu den Details der Ermittlungen geäußert.

Allerdings ließ schon der Verdacht auf mögliche Zusammenhänge mit den Terroranschlägen von Paris die Experten aufhorchen: In Brüssel - und auch in der französischen Hauptstadt Paris - wurden umgehend die Sicherheitsmaßnahmen an öffentlichen Einrichtungen verstärkt, wie n-tv Frankreich-Korrespondentin Elke Büchter berichtete.

Suche nach flüchtigem Paris-Attentäter?

In Paris hatten militante Islamisten im vergangenen November bei einer Reihe koordinierter Attacken insgesamt 130 Menschen getötet. Zu der schwersten Anschlagsserie in der Geschichte Frankreichs bekannte sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS).

Einer der mutmaßlichen Haupttäter von Paris, Salah Abdeslam, befindet sich vier Monate nach der Mordserie immer noch auf der Flucht. Er ist der Bruder eines der Selbstmordattentäter, die sich in Paris mit einem Sprengstoffgürtel in die Luft gesprengt hatten.

Einige der Attentäter lebten vor den Anschlägen im Brüsseler Brennpunktviertel Molenbeek und waren den Sicherheitsbehörden bekannt. Terrorismus-Experten halten es für möglich, dass Abdeslam versucht haben könnte, in der belgischen Islamistenszene unterzutauchen. Seit Mitte November wurden in Belgien elf Verdächtige im Zusammenhang mit den Pariser Anschlägen festgenommen, acht von ihnen sitzen derzeit noch in Untersuchungshaft.

Molenbeek liegt im Westen der Brüsseler Innenstadt. Der Stadtteil Forest - formell eine der 19 Stadtgemeinden, aus denen sich die belgischen Hauptstadt zusammensetzt - liegt rund vier Kilometer südlich von Molenbeek. In Paris war eine Durchsuchungsaktion bei der Fahnung nach den Haupttätern der Anschläge vom 13. November eskaliert und in ein stundenlanges Feuergefecht ausgeufert.

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Quelle: n-tv.de

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