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Die Türkei sieht in den syrischen Kurden eine Terrororganisation.
Die Türkei sieht in den syrischen Kurden eine Terrororganisation.(Foto: dpa)

"Eine Terrororganisation wie der IS": Erdogan fordert Angriffe auf Kurdenmiliz

Während der geplanten Waffenruhe in Syrien dürfen lediglich der Islamische Staat und die Al-Nusra-Front weiter angegriffen werden. Die türkische Regierung sieht aber auch in der kurdischen Miliz eine Gefahr und fordert eine Ausnahme.

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Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan will die Kurden-Miliz YPG von der geplanten Feuerpause in Syrien ausnehmen. Die YPG sei ebenso eine "Terrororganisation" wie der Islamische Staat (IS) und die Al-Nusra-Front, sagte Erdogan nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu in Ankara. Er forderte verbündete Staaten dazu auf, die Kurden-Partei PYD und ihren bewaffneten Arm YPG endlich als Terrororganisation einzustufen.

Die PYD ist der Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, die in der Türkei operiert. "Die Tatsache, dass die PYD und YPG der verlängerte Arm der PKK sind, muss endlich von jedem akzeptiert werden", erklärte Erdogan. Er fragte weiter, ob die YPG dafür "erst in anderen Hauptstädten ihre Bomben hochgehen lassen" müsse.

Die türkische Regierung macht die YPG und die PKK für den Anschlag von Ankara mit 30 Toten in der vergangenen Woche verantwortlich. Sie wirft der YPG außerdem Angriffe auf die Türkei im syrischen Grenzgebiet vor. Beide Anschuldigungen weist die YPG zurück. Die Einstufung ist brisant: Die USA unterstützen die YPG im Kampf gegen den IS.   

Die USA und Russland hatten sich zu Wochenbeginn auf die Waffenruhe geeinigt. Sie soll am Samstagmorgen um 00.00 Uhr Ortszeit beginnen. Nach der Vereinbarung zwischen den USA und Russland sind Angriffe auf den IS und die Al-Nusra-Front von der Feuerpause ausgenommen. Zuletzt hatte die türkische Regierung außerdem erklärt, sich während der Feuerpause das Recht auf Vergeltungsangriffe vorzubehalten - als Reaktion auf den Terroranschlag in Ankara.

Irans Präsident Hassan Ruhani begrüßte die zwischen den USA und Russland getroffene Vereinbarung für eine Feuerpause in Syrien. "Dieser Waffenstillstand ist der richtige Schritt und ist im Interesse der Menschen in Syrien", sagte Ruhani in einem Telefonat mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin. Dieser Schritt sei auch ein Beweis dafür, dass alle in den Syrien-Konflikt verwickelten Länder eingesehen hätten, dass das Problem nur diplomatisch gelöst werden könne.

Es gebe jedoch noch einige unklare Punkte, die ausgeräumt werden müssten, betonte Ruhani. So müsse sichergestellt werden, dass die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) - für die die Vereinbarung ausdrücklich nicht gilt - die Feuerpause nicht missbrauchen könne. Der Iran und Russland unterstützen das Regime von Präsident Baschar al-Assad und sind auch an den Kämpfen gegen den IS beteiligt.

Kurdische Parteien und Milizen

Kurden in der Türkei, in Syrien und im Irak sind jeweils unterschiedlich organisiert. Ein kurzer Überblick:

Syrien

  • Die wichtigste Kurdenpartei in Syrien ist die Partei der Demokratischen Union (PYD).
  • Der militärische Arm der PYD sind die Volksverteidigungseinheiten (YPG). Hinzu kommen die Frauenverteidigungseinheiten (YPJ) Sie sind diejenigen, die mithilfe von US-Luftschlägen zum Beispiel Kobane vom IS befreit haben.
  • In Syrien gibt es drei kurdische Kantone, die zusammengenommen "Rojava" bilden - Westkurdistan.

Türkei

  • Die PKK ist die in den 1970er-Jahren gegründete Arbeiterpartei Kurdistans. Sie wird von der EU, den USA und der Türkei als Terrororganisation eingestuft.
  • Der militärische Arm der PKK ist die HPG. Teile von ihr sind wegen des Dauerkonflikts mit den türkischen Streitkräften in den Nordirak geflohen.

Irak

  • Der Nordirak ist die einzige autonome kurdische Provinz und steht unter kurdischer Verwaltung. Es gibt diverse kurdische Parteien. Präsident ist Massoud Barzani.
  • Die Streitkräfte der irakischen Kurden, die irgendwann auch in die nationale Armee eingegliedert werden sollen, sind die Peschmerga. (nsc)

 

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Quelle: n-tv.de

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