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Alltag vor dem Berliner Lageso: Die Sicherheitskräfte können die Lage oft nur mühsam unter Kontrolle halten.
Alltag vor dem Berliner Lageso: Die Sicherheitskräfte können die Lage oft nur mühsam unter Kontrolle halten.(Foto: picture alliance / dpa)

Chaos in Berlin : Flüchtlinge drohen mit Fenstersprung

Die Flüchtlingskrise überfordert die Berliner Behörden. Die Menschen vor dem zuständigen Landesamt warten teilweise wochenlang auf ihre Registrierung. Ihrem Ärger machen sie auf ganz unterschiedliche Weise Luft.

Am Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) haben erneut Flüchtlinge damit gedroht, sich aus dem Gebäude zu stürzen. Die Männer begründeten dies damit, dass sie seit Wochen auf die Bearbeitung ihrer Anträge warten müssten. Beim Lageso, wo sich die Flüchtlinge nach ihrer Ankunft in Berlin registrieren müssen und eine Unterkunft zugewiesen bekommen, herrschen chaotische Zustände. Infolge des Zustroms von Zehntausenden Flüchtlingen ist die Berliner Behörde überfordert. Jeden Tag bilden sich lange Schlangen vor dem Gebäude in der Turmstraße in Moabit, Tausende Menschen warten. Oft können schon mittags keine neuen Wartenummern ausgegeben werden. Erst wenn sich die Flüchtlinge registrieren, bekommen sie Krankenschein und Sozialgeld.

Der Ausnahmezustand vor dem Landesamt ist längst alltäglich geworden. Einige Flüchtlinge übernachten unter freiem Himmel auf dem Bürgersteig. In Sprechchören fordern die Menschen Asyl. In der vergangenen Woche warfen Flüchtlinge Steine auf die Wachleute. Immer wieder muss die Polizei anrücken, weil es zu Übergriffen kommt oder Flüchtlinge die Absperrungen stürmen.

"Das ganze System ist zusammengebrochen"

"Das Lageso ist nicht mehr funktionstüchtig. Das ganze System ist zusammengebrochen", sagt Philipp Bertram, stellvertretender Heimleiter der Flüchtlingsunterkunft im alten Rathaus Wilmersdorf, n-tv.de. "Mal wird nach Wartenummern sortiert, mal nach Namen." Bertram zufolge warten die Flüchtlinge oft Wochen auf die Registrierung, auch weil Unterlagen verloren gingen. Die freiwilligen Helfer in Wilmersdorf erfahren vom Lageso oft erst 60 bis 90 Minuten im Vorfeld, dass 150 bis 200 weitere Flüchtlinge im alten Rathaus aufschlagen.

Wie reagiert man beim Lageso auf die Kritik? Sprecherin Regina Kneiding verweist gegenüber der "Welt" auf den Personalmangel. Es seien jedoch schon einige Maßnahmen getroffen  worden, um die Lage zu verbessern. Statt 24 sind inzwischen 76 Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes im Einsatz. Seit Donnerstag unterstützen 15 Bundeswehr-Soldaten das Lageso. Für wartende Flüchtlinge wurden zusätzliche Tische und Bänke aufgestellt. Eine zusätzliche Registrierungsstelle soll das Landesamt entlasten. Seit Anfang 2015 sind bereits mehr als 30.000 Flüchtlinge nach Berlin gekommen, bis Jahresende rechnet der Senat mit 40.000.

Die Berliner Grünen-Politikerin Canan Bayram hat Verständnis für die Verzweiflung der Flüchtlinge. "Solch eine dramatische Situation, wie wir sie hier in Berlin haben, gibt es doch in keinem anderen Bundesland", sagt sie. "Wir können die Leute nicht so verzweifelt werden lassen, dass sie beginnen, Gewalt gegen sich oder andere anzuwenden."

Quelle: n-tv.de

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