Politik
In Tripolis gehen die Anhänger Gaddafis auf die Straße.
In Tripolis gehen die Anhänger Gaddafis auf die Straße.(Foto: AP)
Freitag, 18. Februar 2011

Reaktion wird "hart und gewaltsam": Gaddafi-Anhänger drohen

Seit Tagen protestieren in Libyen Menschen gegen Machthaber Gaddafi. Dutzende Menschen sollen dabei ums Leben gekommen sein. Nun drohen Anhänger des selbsternannten Revolutionsführers "harte und gewaltsame" Reaktionen an. Doch die Proteste gehen weiter. Die Demonstranten sollen gar die Stadt Al-Baidha übernommen haben.

Nach tagelangen Protesten gegen den libyschen Herrscher Muammar Gaddafi haben dessen Gefolgsleute mit massiver Gewalt gegen Oppositionelle gedroht. Die Revolutionskomitees erklärten, weitere Demonstrationen würden mit "harter" Gewalt beantwortet. Seit Dienstag wurden bei den Protesten laut Human Rights Watch mindestens 24 Menschen durch Sicherheitskräfte getötet. Andere Quellen sprachen von mindestens 41 Toten.

"Die Antwort des Volkes und der revolutionären Streitkräfte auf jegliches Abenteuer dieser Grüppchen wird hart und gewaltsam sein", erklärten die Revolutionskomitees, die als Stütze von Revolutionsführer Gaddafi gelten, auf der Website der Zeitung "Assaf El Achdar". "Die Macht des Volkes, der Dschamahirija (Macht der Masse), die Revolution und der Führer (Gaddafi) sind die rote Linie. Wer diese überschreitet oder sich ihr nähert, riskiert den Selbstmord und spielt mit dem Feuer." Die Revolutionskomitees machten zudem den in Katar ansässigen arabischen Fernsehsender Al Dschasira mitverantwortlich für die Proteste.

Der 1969 durch eine Revolution an die Macht gekommene Gaddafi herrscht wie ein Staatschef, offiziell regiert aber das durch mehrere Gremien vertretene Volk. Mit mehr als 40 Jahren an der Macht ist der 68-jährige Revolutionsführer der am längsten regierende Herrscher in der arabischen Welt. Viele Libyer beklagen jedoch Arbeitslosigkeit, Ungerechtigkeit und begrenzte politische Freiheiten. Die Proteste entzünden sich vor allem im Ostteil des Landes, der sich gegenüber dem Westteil benachteiligt fühlt.

"Der Feind Gottes"

Der Machthaber ließ sich von seiner Gefolgschaft feiern.
Der Machthaber ließ sich von seiner Gefolgschaft feiern.(Foto: dpa)

Seit Dienstag waren in mehreren Städten des Landes Oppositionelle auf die Straße gegangen und hatten gegen Gaddafi protestiert. Mittlerweile kam es auch in der Hauptstadt Tripolis zu Protesten. Am Donnerstag waren bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften in der Stadt Bengasi, die tausend Kilometer östlich der Hauptstadt Tripolis liegt, mindestens 14 Menschen ums Leben gekommen. Bei der Beerdigung der Opfer, an der Tausende Menschen teilnahmen, kam es erneut zu Gewalt. "Muammar (al-Gaddafi) ist der Feind Gottes", skandierten die Menschen.

Insgesamt sollen bei den neuerlichen Zusammenstößen 25 Menschen getötet worden sein, verlautete aus gut unterrichteten Kreisen in Libyen. Polizei und Mitglieder der gaddafitreuen Volkskomitees seien mit Gewalt gegen Oppositionelle vorgegangen, hieß es. Demonstranten sollen zudem den Sitz des örtlichen Radiosenders angezündet haben. Aus einem Gefängnis der Stadt brachen zahlreiche Häftlinge aus. Nahe der Hauptstadt Tripolis wurden drei Häftlinge von Sicherheitskräften getötet, als sie versuchten, aus einem Gefängnis auszubrechen.

Laut einem Medienbericht wollte Gaddafi seinen Sohn nach Bengasi schicken. Die libysche Zeitung "Al-Watan" meldete, Al-Saadi al-Gaddafi solle dort einen Aktionsplan zur Verbesserung der Infrastruktur umsetzen. Dieser Gaddafi-Sohn war bisher vor allem als Spieler bei italienischen Fußballvereinen aufgefallen.

Lynchmord an Soldaten?

Auch in der Stadt Al-Baidha kam es erneut zu Gewalt. Mehrere Menschen sollen dabei getötet worden sein. Laut einem Zeitungsbericht sollen Demonstranten zwei Polizisten erhängt haben. Das berichtete die Zeitung "Oea", die Gaddafis Sohn Seif el Islam nahesteht. Oppositionelle berichteten zudem, drei Soldaten einer Armeeeinheit seien von den Aufständischen getötet worden, mindestens einer von ihnen wurde den Angaben zufolge gelyncht.

Medien der Opposition berichteten weiter, die Armee-Brigade von Gaddafis Sohn Chamies habe damit begonnen, die Demonstranten zu vertreiben. Zwei Exilgruppen berichteten dagegen, dass regierungsfeindliche Demonstranten die Kontrolle in der Stadt übernommen hätten.

Auf Amateurvideos, die von Demonstranten ins Netz gestellt wurden, waren zudem Hunderte Demonstranten zu sehen, die in der Mittelmeerstadt Tobruk ein Denkmal für das von Gaddafi verfasste "Grüne Buch" niederrissen, in dem der Revolutionsführer einst sein politisches Programm formuliert hatte.

In Tripolis hatten sich in der Nacht zum Freitag erneut hunderte Anhänger Gaddafis zu einer Kundgebung versammelt. Sie hielten Bilder des Machthabers und Transparente hoch mit der Aufschrift "Gaddafi, Vater des Volkes" und "Die Menge unterstützt die Revolution und ihren Führer". Gaddafi wurde von der Menge euphorisch begrüßt, als er zu einem kurzen Besuch auf dem Platz erschien. Das Staatsfernsehen zeigte Bilder von ähnlichen Kundgebungen in Benghasi, Sirte und weiteren Städten.

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Quelle: n-tv.de

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