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Spitzenkandidat Trittin geißelte die angebliche Anfälligkeit von Schwarz-Gelb für Lobbyisten.
Spitzenkandidat Trittin geißelte die angebliche Anfälligkeit von Schwarz-Gelb für Lobbyisten.(Foto: dpa)

Trotziger Wahlkampfabschluss: Grüne schüren Angst vorm Doping-Schwein

Von Issio Ehrich, Berlin

Seit Wochen reagieren die Grünen nur auf Attacken ihrer politischen Gegner. Bei ihrem Wahlkampfabschluss in Berlin zeigen sie nun noch einmal Angriffslust. An eine rot-grüne Regierung glauben aber offenbar selbst die Spitzenkandidaten der Partei nicht mehr.

Die Anhänger der Partei trotzen nicht nur schlechten Umfragewerten, sondern auch dem Regen.
Die Anhänger der Partei trotzen nicht nur schlechten Umfragewerten, sondern auch dem Regen.(Foto: Reuters)

Es gibt gewisse Dinge, die bei Katrin Göring-Eckardt nicht auf den Tisch kommen. "Ich will kein Schnitzel von einem Schwein essen, das so gedopt ist, dass es auch bei der Tour de France mitfahren könnte", sagt die Spitzenkandidatin der Grünen. "Schluss mit der Massentierhaltung." Und es gibt gewisse Dinge, die für Göring-Eckardt auf keinen Fall aus der Steckdose strömen dürfen. Sie erinnert an die Reaktorkatastrophe von Fukushima und sagt: "Wir wollen keine Atomkraft mehr." Angela Merkels Kurs sei eine Konterrevolution. "Wir retten die Energiewende."

Bei ihrem feierlichen Wahlkampfabschluss in Berlin haben die Grünen noch einmal alles daran gesetzt, aus ihrer Verteidigungshaltung herauszukommen und wieder anzugreifen - mit einer gehörigen Portion Trotz und einem Schuss Polemik. Und das aus gutem Grund. Seit Wochen reagieren die Grünen nur auf Vorwürfe.

Kaum eigenen Akzente

Da war zunächst die Debatte über den Veggie-Day. Union und FDP nutzten sie, um das Bild der Grünen als Verbotspartei zu zeichnen. Und da war die Steuerpolitik. Schwarz-Gelb wiederholte penetrant, dass die Grünen Mittelstand und Normalverdiener schröpfen würden.

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Zwar sprechen sich die Grünen weder für ein Fleischverbot noch für S teuererhöhungen für Normalverdiener aus, doch die Attacken zeigten Wirkung. Vor lauter Abwehrmanövern gelang es der Partei kaum, eigene Akzente im Wahlkampf zu setzen. In den Umfragen verlor sie einen Prozentpunkt nach dem anderen. Derzeit liegen die Grünen nurmehr auf dem Niveau ihres Wahlergebnisses von 2009: bei rund 10 Prozent.

Auch deswegen hat der Wahlkampfabschluss in Berlin etwas Trotziges. Dicht an dicht stehen die Grünen-Anhänger auf einem umfunktionierten Industriekomplex im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg vor der Bühne. Selbst als Regen einsetzt, weichen sie keinen Zentimeter zurück. So, als könnten sie die Demoskopen mit Standhaftigkeit widerlegen.

Kein Wort zu Rot-Grün

Während Göring-Eckardt die schwarz-gelben Schreckensszenarien heraufbeschwört - Tiere, vollgepumpt mit Antibiotika, ein "Rollback" bei der Energiewende - führt ihr Kollege Jürgen Trittin direkte Angriffe aus.

Der Obergrüne geißelt die Schwäche von Schwarz-Gelb für Lobbyisten und hat mit der Tengelmann-Kampagne für die Kanzlerin eine aktuelle Vorlage. Er kritisiert, dass es die CDU-Politikerin Merkel geschafft habe, den Wahlkampf inhaltlich auf die Debatte über ihre Kohlrouladen-Rezepte zu reduzieren. Und er erinnert an die Steuergeschenke von Schwarz-Gelb an Hoteliers. Zu guter Letzt nennt Trittin Umweltminister Peter Altmaier den "Airbag der Energiewende".

Die Grünen attackieren ihre Gegner, sie stehen demonstrativ über jeder Kritik und verharren trotz übelster Aussichten stundenlang im Regen. Der feierliche Abschluss des Grünenwahlkampfes ist eine Kampfansage. Eines fällt dabei allerdings auf: Von einer rot-grünen Regierung, der so lange herbeigesehnten Wunschkoalition, ist bei Göring-Eckardt und Jürgen Trittin keine Rede.

Vielleicht ist es den Spitzenkandidaten der Grünen bewusst, dass es vermutlich schon zu spät ist, erst jetzt die Deckung zu verlassen und wieder anzugreifen.

Quelle: n-tv.de

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