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Nach der Attacke auf die jesidischen Männer versammelten sich rund 300 Angehörige der Glaubensgemeinschaft, um gegen den Angriff zu protestieren.
Nach der Attacke auf die jesidischen Männer versammelten sich rund 300 Angehörige der Glaubensgemeinschaft, um gegen den Angriff zu protestieren.(Foto: dpa)

Mitten in Deutschland: IS-Sympathisanten verprügeln Jesiden

Die Terrormiliz Islamischer Staat geht bei ihrem Vormarsch im Irak rücksichtslos gegen Gegner und Andersgläubige vor. Momentan sind es vor allem Christen und die kurdische Minderheit der Jesiden, die darunter leiden müssen - und das nicht nur im Zweistromland.

Im westfälischen Herford ist es zu Ausschreitungen zwischen Sympathisanten der Terrorgruppe Islamischer Staat und kurdischen Jesiden gekommen. Auslöser war nach Angaben der Polizei ein Angriff radikaler Islamisten auf eine Gruppe jesidischer Männer, die mit einem Plakat zu einer Protestdemonstration gegen die Übergriffe auf ihre Glaubensgemeinschaft im Irak aufgerufen hatte. Die Polizei nahm sechs Männer fest, die überwiegend aus Tschetschenien stammen. Der Staatsschutz übernahm die Ermittlungen.

Nach Angaben der Polizei sollen die Tatverdächtigen die Jesiden am Mittwoch vor einem Kiosk angegriffen haben, in dem das Plakat aufgehängt war, und zwei von ihnen durch Messerstiche leicht verletzt haben. Später versammelten sich mehrere hundert Jesiden, um gegen den Angriff, die Salafisten und die Übergriffe in ihren Heimatländern zu protestieren.

In der Folge kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Anhängern beider Seiten. Eine vermummte und mit Schlagwerkzeugen bewaffnete Menge habe auf Passanten eingeschlagen, berichtete die Polizei. Erst durch den massiven Einsatz von Pfefferspray hätten die Beamten den Angriff beenden können. Mehrere Polizeihundertschaften waren im Einsatz.

IS drängt kurdische Milizen zurück

Die Jesiden sind Kurden und leben vor allem im Nordirak, wo der Islamische Staat nach heftigen Kämpfen mit kurdischen Einheiten mehrere Gebiete unter seine Kontrolle gebracht hat. Zuletzt fiel die mehrheitlich christliche Ortschaft Tal Kaif an IS-Kämpfer, welche die zuvor dort stationierten kurdischen Soldaten vertrieben hätten, berichteten geflohene Bewohner. Die meisten Familien seien daraufhin in die zum kurdischen Autonomiegebiet gehörende nördliche Provinz Dohuk geflohen. Damit sind die vor allem von Christen bewohnten Gebiete rund um Mossul in der Hand der Dschihadisten.

Tal Kaif ist die dritte irakische Stadt, die IS-Truppen in dieser Woche von kurdischen Peschmerga-Truppen eroberten. Die Stadt liegt rund 20 Kilometer nördlich von Mossul. Mossul wurde für den IS zur Operationsbasis, nachdem die Terrormiliz die Stadt Anfang Juni komplett erobert hatte. Nach Angaben der Vereinten Nationen flohen bisher rund 200.000 Menschen aus Angst vor der Schreckensherrschaft der IS-Extremisten. Sie geht rücksichtslos gegen Gegner und Andersgläubige vor.

Quelle: n-tv.de

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