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In der IS-Hochburg im syrischen Rakka sollen die Dschihadisten Passbehörden kontrollieren.
In der IS-Hochburg im syrischen Rakka sollen die Dschihadisten Passbehörden kontrollieren.(Foto: REUTERS)

Attentäter als Flüchtling tarnen?: IS erbeutet Zehntausende Pässe

Einem Bericht zufolge bringt die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat mehrere Passämter unter Kontrolle. Zur Beute sollen Zehntausende Blanko-Pässe gehören. Westliche Geheimdienste schlagen Alarm.

Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat sich einem Zeitungsbericht zufolge vermutlich Zehntausende echte Passdokumente beschafft. In Syrien, dem Irak und in Libyen hätten die Extremisten in mehreren Städten die offiziellen Ämter und Behörden übernommen, dabei Blanko-Pässe erbeutet und wohl auch Maschinen zur Produktion von Ausweisdokumenten, berichtete die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf westliche Geheimdienste.

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Sicherheitsbehörden befürchten demnach, dass die Dschihadisten die Pässe auch nutzen, um Attentäter als Flüchtlinge getarnt nach Europa zu schleusen. Die IS-Miliz betreibe mit den Pässen offenbar auch einen regen Handel und verdiene damit Geld, berichtete die "Welt am Sonntag" weiter. Solche "echten falschen Pässe" seien schon für 1000 bis 1500 Dollar auf dem Schwarzmarkt zu haben.

Eine Sprecherin von Innenminister Thomas de Maiziere sagte, es sei nicht auszuschließen, dass Kriminelle, Kriegsverbrecher, Mitlieder militanter Gruppen oder Terroristen den Flüchtlingsstrom nutzten, um mit gefälschten Pässen nach Deutschland zu gelangen. Die Behörden gingen jedem Hinweis auf einen mutmaßlichen IS-Kämpfer nach.

Sicherheitsrisiko Flüchtlingsstrom

Der Chef der Europäischen Grenzsicherungsbehörde Frontex, Fabrice Leggeri, sagte der Zeitung: "Die großen Ströme von Menschen, die derzeit unkontrolliert nach Europa einreisen, stellen natürlich auch ein Sicherheitsrisiko dar." Die Frontex-Beamten kontrollieren demnach zwar genau, ob Flüchtlinge möglicherweise mit gefälschten oder gestohlenen Papieren einreisen. "Dennoch ist die Aussagekraft von Flüchtlingspässen aus unserer Sicht sehr begrenzt", sagte Leggeri. In einem Bürgerkriegsland wie Syrien könne niemand garantieren, "dass die Dokumente, die echt aussehen, auch wirklich von einer offiziellen Behörde ausgestellt wurden oder wirklich von dem rechtmäßigen Inhaber mitgeführt werden".

Mindestens zwei der Attentäter der islamistischen Anschlägen von Paris am 13. November sollen Anfang Oktober mit syrischen Pässen über Griechenland in die Europäische Union eingereist sein. Sie sollen dabei Ausweise verwendet haben, die der IS im syrischen Raka gestohlen hatte. In Österreich hatte die Polizei jüngst zwei weitere Verdächtige in einem Flüchtlingsheim in Salzburg festgenommen. Die beiden Männer sollen mit Pässen aus derselben Tranche aus Raka nach Europa gekommen sein.

Zur besseren Sicherung der EU-Außengrenze in Griechenland hat Deutschland Frontex für den Zeitraum von Januar bis März 179 Polizeibeamte angeboten. Ab März sollten auch zwei Einsatzboote der Bundespolizei zum Einsatz kommen, sagte eine Ministeriumssprecherin. Der Einsatz soll am 28. Dezember starten und sich auch stark auf Sicherheitsüberprüfungen konzentrieren. Insgesamt kommen 376 Beamte und Dolmetscher zum Einsatz.

Kanzleramtsminister Altmaier arbeitet derweil mit seinem österreichischen Kollegen Josef Ostermayer an einem Vorschlag für ein gemeinsames europäisches Asylrecht. Nach der Verabschiedung der EU-Liste mit sicheren Herkunftsländern gehe es nun um eine dauerhafte Lastenteilung und um die Kriterien für die Gewährung von Asyl, sagte Altmaier dem Magazin "Focus".

Festnahme in Istanbul

Nach Informationen der "Welt am Sonntag" übermittelte ein ausländischer Geheimdienst jüngst deutschen Behörden eine Liste mit Passnummern jener Dokumente, die von der IS-Miliz im syrischen Rakka erbeutet worden sein sollen. Die Daten seien inzwischen im Schengener Informationssystem eingespeist worden. So solle ein Einsickern weiterer Attentäter verhindert werden.

Die IS-Dschihadisten sind aber nicht nur an arabischen Pässen interessiert. Am Flughafen Istanbul wurden vergangene Woche laut türkischen Medienberichten zwei Männer verhaftet, die rund 150 europäische Reisepässe in die Türkei schmuggeln wollten. Die Dokumente waren in kleinen Pizzaöfen versteckt, zusammen mit Kameras und SIM-Karten. Bei einem der Schmuggler habe es sich um einen Belgier türkischer Herkunft gehandelt, berichtete die "Welt am Sonntag". Beide würden verdächtigt, im IS-Auftrag unterwegs gewesen zu sein.

Quelle: n-tv.de

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