In die Spendenaffäre hineingezerrtKoch hadert mit der CDU

Roland Koch redet sich den Frust von der Seele: Die CDU habe ihn in die Spendenaffäre vor zehn Jahren hineingezerrt, stellt Koch klar. Das habe sein Image verändert und seine Karriere verdorben. Bis heute trauten ihm die Bürger nicht. Am Ende habe ihm die Gestaltungsmacht gefehlt.
Der scheidende hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hat seine Partei beschuldigt, ihn in die CDU-Spendenaffäre vor zehn Jahren hineingezerrt zu haben. Das habe sein Image verändert und seine weitere Karriere negativ beeinflusst, sagte Koch der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Ihm war in der Affäre vorgeworfen worden, sowohl die Öffentlichkeit als auch Parteifreunde über die heimlichen Konten der hessischen CDU in der Schweiz belogen zu haben.
"Ich wurde in den Dschungel der Spendenaffäre hineingezerrt und habe etwas übernommen, was ich hinten und vorne nicht übersehen konnte", sagte Koch der Zeitung. Sein Umfeld in der Partei sei für sein Handeln verantwortlich gewesen. Die Spendenaffäre habe sein Image in der Politik verändert und dadurch auch seine Handlungsmöglichkeiten reduziert. "Es gibt seitdem ein größeres Misstrauen der Bürger gegen mich, bis zum heutigen Tag - das wäre ohne dieses Ereignis nicht so gewesen."
Am Ende fehlte die Macht
Als Grund für den angekündigten Rückzug aus der Politik nannte Koch seine schwindende Gestaltungsmacht. "An einem bestimmten Punkt tritt für Politiker ein Verschleißprozess ein, der größer ist als seine Gestaltungsmacht. Diesen Punkt muss er aus eigener Kraft finden", sagte Koch der Zeitung.
Sein Rückzug aus der Politik bedeutet aber keine "Fahnenflucht", sagte Koch. "Man darf nicht den Eindruck erwecken, man habe eine Gestaltungsmacht, die man gerade verliert. Das nützt niemandem und wäre Vertrauensmissbrauch." Es werde Tage geben, an denen er seinem Amt auch einmal nachtrauern werde. "Ich habe meinen Entschluss ja nicht aus Überdruss getroffen. Es ist eine Entscheidung der Vernunft."
Mit Blick auf die Lücke, die sein Abgang auch in der Bundes-CDU reißen dürfte, sagte der Stellvertreter von Parteichefin Angela Merkel: "Niemand ist unersetzbar."