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Sergej Lawrow hatte sicher schon angenehmere Termine als das Gespräch mit Frank-Walter Steinmeier.
Sergej Lawrow hatte sicher schon angenehmere Termine als das Gespräch mit Frank-Walter Steinmeier.(Foto: REUTERS)

Streit löst sich in Wohlgefallen auf: Lawrow will nichts mehr vom Fall Lisa wissen

Der Streit um das Schicksal eines vorübergehend verschwundenen Mädchens aus Berlin führt beinahe zu einer Staatsaffäre zwischen Russland und Deutschland. Jetzt heißt es nach Kontakten auf höchster Ebene, man wolle das Thema nicht weiter verfolgen.

Der Fall der 13-jährigen Russlanddeutschen Lisa aus Berlin hat die Außenminister beider Länder auf den Plan gerufen. Die russische Führung hatte den deutschen Behörden die Hauptschuld an dem Konflikt zwischen Moskau und Berlin gegeben, der jetzt nach einem Telefongespräch zwischen Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow aus dem Weg geräumt scheint. Lawrow hatte Deutschland zuvor mangelnde Transparenz in dem Fall vorgeworfen. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung sollen beide Seiten vereinbart haben, den "Fall auf sich beruhen zu lassen". Lawrow wolle das Thema nicht weiter verfolgen. Eine Bestätigung aus dem Berliner Außenamt gibt es zur Stunde nicht. 

Das Mädchen war für 30 Stunden verschwunden und hatte danach von einer Vergewaltigung durch "südländisch aussehende" Männer erzählt. Die Staatsanwaltschaft Berlin betonte stets, es gebe dafür keine Hinweise. Mittlerweile ist der Fall aufgeklärt: Das Mädchen verbrachte die fraglichen 30 Stunden bei einem Freund.

In den Wochen nach dem Wiederauftauchen des Mädchens gab es große Aufregung unter vielen Russlanddeutschen in Berlin. Im Internet wurden Verschwörungstheorien und fremdenfeindliche Hetze gegen Flüchtlinge verbreitet. So auch von der russischen Botschaft in London. Dort heißt es in einem Tweet: "Die deutsche Regierung hat den Migranten ihr Land wie einen Teppich unter den Füßen ausgebreitet. Jetzt versucht sie, deren Verbrechen unter eben diesen Teppich zu kehren."

Steinmeier: "politische Propaganda"

Auch russische Medien heizen die Stimmung immer weiter an. So hatte ein russischer Sender behauptet, die Berliner Polizei vertusche den Vorfall. Der Fernsehbeitrag wurde am 16. Januar im russischen Staatsfernsehen ausgestrahlt und in einer Version mit deutschen Untertiteln tausendfach bei Facebook geteilt. Der TV-Bericht stellte die vermeintliche Gruppenvergewaltigung des Kindes in einen direkten Zusammenhang zu den Flüchtlingen in Deutschland. Der russische Reporter sagte, das Mädchen sei von der Polizei gezwungen worden, ihre Aussage über die Vergewaltigung zu widerrufen.

Lawrow hatten den deutschen Behörden vorgeworfen, den Fall des russischen Mädchens lange verheimlicht zu haben. Nach Behördenangaben hat das Mädchen allerdings auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Steinmeier kritisierte daraufhin Russland und sagte, es gebe keine Rechtfertigung, den Fall für "politische Propaganda" zu nutzen, um damit die ohnehin schwierige Migrationsdebatte in Deutschland anzuheizen.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) betonte: "Politischer Druck aus dem Ausland wird nicht dazu führen, dass wir irgendetwas an unseren rechtsstaatlichen Prinzipien ändern. Ich verwahre mich auch in künftigen Fällen gegen jeden Versuch der Einflussnahme und werbe für Vertrauen in die Arbeit der Ermittler." Es sei immer auch um die Persönlichkeitsrechte des Mädchens gegangen, auch wenn die Behörden dadurch kritischen Spekulationen ausgesetzt gewesen seien. "Das ist in einem Land, in dem Meinungsfreiheit herrscht, nun einmal so."

Quelle: n-tv.de

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