Politik
Ein Überlebender des Massakers von Distomo erinnert an sein Schicksal.
Ein Überlebender des Massakers von Distomo erinnert an sein Schicksal.(Foto: dpa)

Athen bekommt deutsche Hilfe: Linke fordert Berlin zu Reparationen auf

Forderungen nach deutschen Reparationszahlungen an Griechenland stoßen in Berlin bislang auf Ablehnung. Die Linkspartei springt in dem Streit dagegen der Schwesterpartei in Athen bei.

Aus den Reihen der Linkspartei kommt die Forderung an die Bundesregierung, Reparationen an Griechenland zu zahlen. Die Bundestagsabgeordnete Annette Groth sagte: "Die Forderungen der griechischen Regierung sind berechtigt."

Die Vorsitzende der deutsch-griechischen Parlamentariergruppe im Bundestag bezifferte die ausstehenden Zahlungen auf elf Milliarden Euro. Die Bundesregierung solle mit Griechenland über die Zahlung eine Lösung finden.

Video

Groth bezieht sich damit auf die Zahl, die die frühere griechische Regierung des Christdemokraten Antonis Samaras als ausstehende Forderung einer von der deutschen Besatzungsmacht 1942 erhobenen Zwangsanleihe errechnet hatte. Die Bundesregierung lehnt jede Zahlung strikt ab und hat wiederholt erklärt, das Reparationsthema sei juristisch abschließend geklärt.

Groth mahnt Hilfe für Flüchtlinge an

"Es ist eine moralische Verpflichtung Deutschlands, das Geld zu zahlen, selbst wenn es völkerrechtlich dazu verschiedene Meinungen gibt", sagte dagegen Groth. "Ich finde den Vorschlag des griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis richtig, dass das Geld verwendet werden sollte, um in Griechenland eine Förderbank nach Vorbild der KfW aufzubauen", sagte die Linkspartei-Politikerin.

In Deutschland gebe es nur eine sehr mangelhafte Aufarbeitung der Besatzungszeit in Griechenland und des dabei angerichteten Unrechts. "Es ist verwerflich, dass die Bundesregierung damit nichts zu tun haben will."

Das Geld würde Griechenland heute sehr helfen, seine wirtschaftlichen und humanitären Probleme zu bewältigen. Die EU und Deutschland sollten unabhängig von der Reparationsfrage zudem darüber reden, wie man Griechenland bei der Versorgung Hunderttausender nicht-europäischer Flüchtlinge helfen könne, die das Land aufnehmen müsse.

Der Oberste Griechische Gerichtshof prüft zurzeit, wie mögliche Reparationsforderungen an Deutschland erhoben werden könnten. Er stützt sich dabei auf eine erste griechische Studie, die seit Anfang März 2013 vorliegt und als streng geheim eingestuft wird. Die Athener Zeitung "To Vima" hat die Studie jedoch veröffentlicht. Die Gesamtansprüche werden darin auf 269 bis 332 Milliarden Euro taxiert. Griechenlands Justizminister Nikos Paraskevopoulos erklärte sich bereits bereit, die Pfändung deutscher Immobilien in Griechenland zu erlauben, sollte es zu keiner Einigung mit Berlin über die Reparationsforderungen kommen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen