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Bereits dieses Wochenende stimmt sich Merkel innerhalb der Regierung zum weiteren Vorgehen ab.
Bereits dieses Wochenende stimmt sich Merkel innerhalb der Regierung zum weiteren Vorgehen ab.(Foto: AP)

Linke fordert Erklärung: Merkel beruft Krisentreffen mit Parteien ein

Die Krisendiplomatie hält die europäische Politik in Atem. Kanzlerin Merkel beruft deshalb für Montag ein Sondertreffen mit den Bundestags-Parteien ein. Es geht natürlich um Griechenland. Das Auswärtige Amt hat einen Tipp für alle, die in das Land reisen.

Wegen der Zuspitzung der Griechenland-Krise ist ein Sondertreffen von Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel mit den Partei-und Fraktionsvorsitzenden der im Bundestag vertretenen Parteien geplant. Das Gespräch finde am Mittag statt, verlautete aus Fraktionskreisen in Berlin.

Merkel telefonierte zudem nach Angaben aus Washington mit US-Präsident Barack Obama. Beide hielten es übereinstimmend für "entscheidend wichtig", Griechenland auf einen Reformweg zurückzuführen und dabei in der Eurozone zu halten, erklärte das Weiße Haus. Der französische Präsident François Hollande berief für Montag eine Krisensitzung seines Kabinetts ein.

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Die Bundeskanzlerin wolle die Partei- und Fraktionschefs über aktuelle Entwicklungen unterrichten, berichtete die "Bild"-Zeitung. Beschlüsse seien nicht zu erwarten. "Der Ball liegt jetzt im Feld der Griechen", sagte ein hochrangiger Vertreter einer der Regierungsparteien der "Bild".

Die Linke hatte zuvor eine Regierungserklärung von Merkel im Bundestag zu der Entwicklung in der Griechenlandkrise gefordert. Dies forderte auch FDP-Chef Christian Lindner.

Merkel hat "Schlüssel in der Hand"

Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis sieht Merkel in der Verantwortung, die Lösung im Schuldenstreit mit Griechenland herbeizuführen. "Die Regierungschefs der EU müssen handeln. Und von ihnen hält sie als die Vertreterin des wichtigsten Landes den Schlüssel in der Hand. Ich hoffe, sie nutzt ihn", sagte Varoufakis der "Bild"-Zeitung.

Griechenland steuert derzeit auf eine Staatspleite zu. Ministerpräsident Alexis Tsipras hatte in der Nacht zum Samstag überraschend ein Referendum über die Vorschläge der Geldgeber für den 5. Juli angekündigt. Die Finanzminister der Eurozone warfen Tsipras daraufhin vor, einseitig die Verhandlungen abgebrochen zu haben, und entschieden, das am Dienstag auslaufende Hilfsprogramm nicht zu verlängern. Die EZB kündigte derweil an, weiterhin Notkredite an Athen zu zahlen. Das Niveau soll dabei auf dem jetzigen Stand eingefroren werden.

SPD-Chef und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel zeigte sich "entsetzt, dass die Griechen ein sehr weitgehendes Angebot abgelehnt haben, was ja sogar ein drittes Hilfsprogramm und sogar eine Umschuldung enthalten hat". "Diese Angebote gingen weiter als alles, was es bisher gab", sagte er der "Süddeutschen Zeitung".

Unionsfraktionschef Volker Kauder warf unterdessen der griechischen Regierung vor, ihr Land ins Chaos zu führen. "Das Ganze trägt doch absurde Züge", sagte der CDU-Politiker der "Bild"-Zeitung. "Tsipras und Co. wollen die Bürger über das Verhandlungsangebot der Euro-Staaten abstimmen lassen, das seit Samstag gar nicht mehr auf dem Tisch liegt", meinte er mit Blick auf Tsipras.

Mit Bargeld nach Griechenland

An die Adresse der EZB sagte Kauder, die Notenbank solle Konsequenzen ziehen und zumindest die bisherige Unterstützung der griechischen Banken einstellen. "Mir tun die Menschen in Griechenland leid. Klar ist, dass Europa diese nicht im Stich lassen wird", sagte Kauder der Zeitung.

Das Auswärtige Amt riet Bundesbürgern, sich vor einer Reise nach Griechenland mit ausreichend Bargeld zu versorgen. In Griechenland könne es bei der Bargeldversorgung "zu erheblichen Wartezeiten" sowie zu "Engpässen beispielsweise bei der Ausstattung der Automaten mit Bargeld" kommen. Das geht aus den aktualisierten Reise- und Sicherheitshinweisen der Behörde hervor. Aus Sorge um ihre Ersparnisse versuchten am Wochenende zahlreiche Griechen, ihr Geld abzuheben. Vor Geldautomaten bildeten sich lange Schlangen.

Der Reiseveranstalter Tui sieht allerdings keine Auswirkungen für Pauschalurlauber, die in nächster Zeit nach Griechenland reisen wollen. Generell seien Kunden, die eine Veranstalterreise buchen, am besten abgesichert, da touristische Leistungen wie Flüge, Hotelübernachtungen oder Bustransfers eingekauft und vertraglich fixiert seien. Es sei zu empfehlen, eine Mischung an verschiedenen Zahlungsmitteln wie Bargeld und Karten mitzuführen, teilte Tui mit.

Quelle: n-tv.de

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