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Vorstoß in die Arktis: Moskau entsendet Kriegsschiffe

Die Nordmeerflotte geht auf große Fahrt: Mit zwei Landungsschiffen, einem U-Boot-Jäger und einer Flotte an Bergeschleppern dringt das russische Militär tief in international umstrittene Seegebiete vor. Was hat Moskau vor?

Die russische Kriegsmarine führt ihre Stärke in der Arktis vor. Ein Schiffsverband habe seinen Heimathafen Seweromorsk verlassen und sei in die Barentssee ausgelaufen, sagte Marine-Sprecher Andrej Lusik.

Ein Ziel der Fahrt sei es, die Nordflanke Russlands zu kontrollieren, wo durch die Klimaerwärmung das Eis schneller schmelze, wie Lusik erläuterte. Moskau hatte vor kurzem seinen Anspruch auf einen Teil der Arktis mit einem Antrag bei den Vereinten Nationen untermauert.

In der Region liegen wohl riesige Öl- und Gasreserven. Russland stellt sich auf den Standpunkt, dass der russische Festlandsockel am Meeresboden so weit hinausreiche, dass Moskau den Nordpol beanspruchen dürfe. Moskau stützt sich dabei vor allem auf den Verlauf des sogenannten Lomonossow-Rückens, der sich wie eine langgestreckte Unterwassergebirgskette von Nordsibirien bis unter den geographischen Nordpol hindurchzieht.

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Die Definition des Hoheitsgebiets ist umstritten: Die übrigen Arktis-Anrainerstaaten zählen den Lomonossow-Rücken nicht zum russischen Festlandssockel. Die russischen Ansprüche gelten daher bislang als nicht international anerkannt.

Russland zeigt Präsenz

Die Aufteilung der Arktis, die wegen der schmelzenden Eismassen zunehmend leichter zugänglich wird, ist unzureichend geklärt. Auch die übrigen Anrainerstaaten Dänemark (Grönland), Kanada, Norwegen und die USA (Alaska) melden Ansprüche an. Demonstrativ angekündigte Bewegungen mit Flottenverbänden dürften die Verhandlungen um eine friedliche Beilegung der Interessenkonflikte kaum erleichtern.

Der Vorstoß der russischen Kriegsmarine wirkt vor diesem Hintergrund wie ein symbolischer Akt, um die Gebietsansprüche Moskaus mit militärischer Macht zu unterstreichen. Bereits im Sommer 2007 hatte ein Mini-U-Boot in einer viel beachteten Live-Übertragung eine russische Flagge am Meeresgrund unter dem Nordpol ausgebracht.

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Die Zusammensetzung der aktuellen Marine-Expedition dürfte westlichen Analysten zu denken geben: Nach Angaben der Nordmeerflotte gehören dem Verband unter anderem das U-Boot-Abwehrschiff "Seweromorsk", der Tanker "Sergej Ossipow" sowie die Landungsschiffe "Georgi Pobedonosez" und "Kondopoga" an.

Wie im Kalten Krieg

Die Anwesenheit eines auf die U-Boot-Abwehr spezialisierten Großkampfschiffes erscheint nachvollziehbar. Seit den eisigsten Tagen des Kalten Krieges belauern sich Russland, die USA und die verbündeten Nato-Staaten unter der Eisdecke der arktischen Gewässer mit teils atomgetriebenen Unterwassereinheiten.

An der Fahrt in die kalte See vor der Küste Sibiriens nehmen allerdings weitere Spezialschiffe teil. Wie Kapitän zur See Lusik ankündigte, werden "Seweromorsk", "Sergej Ossipow", "Georgi Pobedonosez" und "Kondopoga" von den beiden Hebeschiffen "KIL 164" und "Alexander Puschkin" sowie vom Bergungsschlepper "Pamir" begleitet.

Der Schlepper und die Hebeschiffe seien in der Nordmeer-Passage unterwegs, um zusammen mit weiteren Marineeinheiten bei den Neusibirischen Inseln vor Anker zu gehen, hieß es. Dort seien auch militärische Übungen geplant. Die Andeutungen könnten im Verein mit der Zusammensetzung des Schiffsverbands auf eine spektakuläre Aktion am Meeresgrund hindeuten. Spekuliert wird, ob die russische Marine mit der Flottenabordnung insgeheim gegen am Grund verankerte Abhörstationen vorgehen will.

Riesige Rohstoff-Vorkommen

Im Ausland werden die Bewegungen im Nordmeer jedenfalls genau verfolgt. Nach der Annexion der Krim und angesichts des Konflikts im Osten der Ukraine halten westliche Strategen selbst bislang undenkbare Maßnahmen für möglich. Die russischen Vorstellungen von der Aufteilung der Arktis stehen zum Beispiel in direkter Konkurrenz mit den Gebietsansprüchen von Kanada und Dänemark. Auch die USA sehen den Expansionsdrang im Norden naturgemäß skeptisch. Über die Nordküste des US-Bundesstaats Alaska verfügen die Vereinigten Staaten über eigene Ansprüche in der Region.

Die Einsätze seien enorm, heißt es in Fachkreisen. Die Arktis beherbergt rund 30 Prozent der weltweiten Gasreserven und 13 Prozent der Erdölvorkommen. Zudem belegt der drohende Interessenskonflikt die geostrategischen Folgen des Klimawandels: Das Schmelzen des Packeises öffnet neue Seewege zwischen Asien und Nordamerika von fundamentaler kommerzieller und strategischer Bedeutung.

Quelle: n-tv.de

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