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Unablässig schlagen israelische Raketen in Gaza-Stadt ein.
Unablässig schlagen israelische Raketen in Gaza-Stadt ein.(Foto: AP)

Über 500 Tote im Gazastreifen: Netanjahu will noch einmal nachlegen

Den Palästinensern im Gazastreifen könnten schwere Tage bevorstehen, meint der israelische Regierungschef Netanjahu. Und sie seien selbst schuld, wenn noch mehr Zivilisten ihr Leben verlieren würden. Schon jetzt sind es mehr als 500.

Israelische Soldaten liefern sich weiter heftige Kämpfe mit bewaffneten Palästinensern im Gazastreifen. Bei Gefechten in dem dicht bewohnten Viertel Schudschaijja in Gaza seien in der Nacht zehn bewaffnete Hamas-Mitglieder getötet worden, sagte der israelische Militärsprecher Peter Lerner.

Die Zahl der palästinensischen Toten bei israelischen Angriffen im Gazastreifen ist auf mehr als 500 gestiegen. Seit Beginn der Offensive in dem schmalen Küstenstreifen am Mittelmeer vor knapp zwei Wochen seien 3150 Menschen verletzt worden, teilten die örtlichen Rettungskräfte mit. Unter den Opfern in dem Palästinensergebiet seien viele Frauen und Kinder. Beim letzten Bodeneinsatz in dem Palästinensergebiet vor mehr als fünf Jahren waren über 1300 Palästinenser getötet worden.

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Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte trotz der verhältnismäßig hohen Verluste auch auf israelischer Seite eine Ausweitung der Bodenoffensive an. "Wir werden nicht aufhören, bis alle Ziele erreicht sind", sagte Netanjahu. Die radikalislamische Hamas sei selbst für die vielen Toten unter den Zivilisten in dem Palästinensergebiet verantwortlich. Es könnten noch "schwere Tage" bevorstehen, sagte Netanjahu. Auf der israelischen Seite kamen bislang 18 Soldaten und zwei Zivilisten ums Leben. Rund 80 israelische Soldaten wurden nach Angaben des israelischen Rundfunks verletzt.

Häuserkampf im Stadtteil Schudschaijja

Die Bodenoffensive der Israelis weitet sich derweil zu einem Häuserkampf mit vielen Toten auf beiden Seiten aus. Am bislang blutigsten Tag - am Sonntag - beklagten die Palästinenser mehr als 100 Tote. Allein im Stadtteil Schudschaijja habe es am Sonntag 66 Tote gegeben, darunter viele Frauen und Kinder. Andere palästinensische Quellen sprachen unter Berufung auf das Gesundheitsministerium in Gaza von mindestens 72 Todesopfern. Und immer noch würden Leichen unter Trümmern liegen.

Die israelische Armeeführung zeigte sich auch nach den Verlusten in den eigenen Reihen unbeirrt. "Wir sind fest entschlossen", sagte Generalstabschef Benny Ganz am Sonntagabend. "Es tut mir sehr leid, wenn Zivilisten auf der anderen Seite getötet werden. Aber wir haben die moralische Pflicht, unsere Bürger zu schützen."

Die Zerstörung eines Großteils der Tunnel im Gazastreifen kann nach den Worten des israelischen Verteidigungsministers binnen zwei bis drei Tagen abgeschlossen sein. "Uns stehen noch lange Tage des Kampfes bevor", sagte Mosche Jaalon in Tel Aviv. Die Hamas versucht immer wieder, durch Tunnel aus dem abgesperrten Gazastreifen nach Israel zu gelangen, um dort Anschläge zu verüben oder Menschen zu entführen.

Israel prüft Entführung

Israel dementierte am Morgen ein Dementi vom Vorabend, dass einer seiner Soldaten in der Gewalt der Hamas ist. Nach dem es zunächst geheißen hatte diese "Meldung ist nicht wahr. Es gibt keinen entführten israelischen Soldaten", stellte der israelische Militärsprecher Lerner am Morgen klar: "Wir können es nicht ausschließen." Man prüfe den Vorfall. Die Hamas hatte zuvor behauptet, ihre militanten Kassam-Brigaden hätten einen Soldaten in ihrer Gewalt und auch einen Namen und eine Dienstnummer des Soldaten genannt.

Kerry reist nach Ägypten

US-Außenminister John Kerry reist noch heute nach Kairo, um Bemühungen um eine Feuerpause im Gaza-Konflikt zu unterstützen. Das bestätigte Außenamtssprecherin Jen Psaki in Washington. Die USA und ihre internationalen Partner seien "zutiefst besorgt über das Risiko einer weiteren Eskalation und des Verlustes von weiteren unschuldigen Menschenleben", hieß es in der Mitteilung weiter. "Wir glauben, dass es so bald wie möglich eine Feuerpause geben sollte - eine, die den im November 2012 erreichten Waffenstillstand wiederherstellt." Kerry unterstütze die ägyptische Initiative für eine solche Feuerpause.

Bereits zuvor hatte sich Präsident Barack Obama in einem Telefonat mit dem israelischen Ministerpräsidenten besorgt über die wachsende Zahl der Opfer im Konflikt zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas geäußert.

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Quelle: n-tv.de

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