Politik

Autor und Ex-RAF-Mitglied geraten ins Visier Neue Ermittlungen zu Anschlag vor 43 Jahren

15.06.2013, 12:13 Uhr

Im Februar 1970 werden Molotowcocktails auf das Haus eines Münchner Richters geworfen. Er überlebt nur, weil Passanten ihn warnen. Das Verbrechen wurde bislang nicht aufgeklärt. Doch jetzt bringt ein Magazinbericht die Ermittlungen erneut in Gang.

Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Schriftsteller Ulrich Enzensberger und den Ex-RAF-Terroristen Rolf Heißler wegen versuchten Mordes. Sie könnten bei einem Anschlag auf einen Münchner Amtsrichter im Februar 1970 beteiligt gewesen sein, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch und bestätigte damit einen Bericht des Magazins "Focus". Es bestehe ein Anfangsverdacht.

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Der Ex-RAF-Terrorist Rolf Heißler war wegen anderer Taten 1982 zu lebenslanger Haft verurteilt worden. 2001 wurde er aus dem Gefängnis entlassen. (Foto: picture-alliance / dpa)

Seinerzeit hatten Unbekannte das Haus des Richters in einem Münchner Vorort nachts mit Molotowcocktails in Brand gesetzt. Der Mann sei von Passanten aus dem Bett geklingelt worden, die das Feuer zufällig entdeckt hätten. Er habe wohl nur dadurch überlebt, sagte Steinkraus-Koch.

"Das ist eine Sache, mit der ich jetzt wohl leben muss"

Die aktuellen Ermittlungen habe unter anderem ein Zitat von Ulrich Enzensberger - ein jüngerer Bruder des bekannten Schriftstellers Hans Magnus Enzensberger - im Magazin "Focus" ausgelöst. Die Zeitschrift hatte berichtet, ein mutmaßlicher Mittäter habe seine Tatbeteiligung gestanden und Enzensberger und Heißler schwer belastet.

Bei dem Informanten soll es sich um den Fahrer des Fluchtwagens handeln. "In der Tatnacht fuhr ich den Käfer. Heißler warf die Mollies, und der Enzensberger saß auf der Rückbank", sagte der Informant dem "Focus".

Damit konfrontiert habe Enzensberger dem Magazin gesagt: "Das ist eine Sache, mit der ich jetzt wohl leben muss." Einen weiteren Kommentar wollte er demnach nicht zu dem Fall abgeben. Heißler habe sich nicht dazu geäußert.

Quelle: ntv.de, hah/dpa