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Diplomatische Beziehungen beendet: Saudi-Arabien: Iran unterstützt Terror

Saudi-Arabien hat sein diplomatisches Personal aus dem Iran abgezogen und erhebt schwere Vorwürfe gegen Teheran. Die dortige Führung hatte die Hinrichtung des Geistlichen Al-Nimr kritisiert. Im Geburtsort von Al-Nimr starb ein Zivilist bei einer Schießerei.

Die Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen in Saudi-Arabien hat die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Riad und Teheran nachhaltig beschädigt. Nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zum Iran durch Saudi-Arabien erhoben beide Regionalmächte schwere Vorwürfe gegeneinander. Die USA riefen zur Mäßigung auf, doch die ist nicht absehbar.

Die Regierung in Riad verkündete den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Teheran am Abend. Alle iranischen Diplomaten müssten binnen 48 Stunden das Land verlassen, sagte Außenminister Adel al-Dschubeir. Der staatlichen Nachrichtenagentur SPA sagte er, das Königreich habe sein Botschaftspersonal aus Teheran abgezogen.

Riad bezeichnet Iran als Al-Kaida-Unterstützer

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"Irans Geschichte ist voll von negativen Einmischungen und Feindseligkeiten in arabischen Fragen, und diese sind stets von Zerstörung begleitet", sagte al-Dschubeir in Riad. Er kritisierte den Angriff auf diplomatische Vertretungen seines Landes im Iran als "ernsthafte Verletzung der internationalen Konventionen".

Al-Dschubair warf Teheran vor, die Führer des Terrornetzwerkes Al-Kaida zu schützen und Waffen zu schmuggeln. "Wir lehnen es ab, mit einem Staat zu tun zu haben, der Terrorismus unterstützt und Chaos und sektiererische Spannungen in der islamischen Welt verbreitet." Zuvor hatte das saudiarabische Innenministerium den iranischen Botschafter einbestellt.

Der Iran bezeichnete die Entscheidung Saudi-Arabiens als "voreilig". "Die Saudis haben schon in der Vergangenheit mit solchen voreiligen und irrationalen Entscheidungen Instabilität in der Region verursacht", sagte Vizeaußenminister Hussein Amirabdullahian. Riad könne aber mit dieser Initiative nicht von der Hinrichtung des schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr ablenken, so der Vizeminister nach Angaben der Nachrichtenagentur Tasnim.

Auch am Sonntag Proteste im Iran

Der schiitische Geistliche Scheich Nimr Baker al-Nimr war am Samstag zusammen mit 46 weiteren Menschen hingerichtet worden. Der 56-Jährige war ein entschiedener Gegner des erzkonservativen sunnitischen Königshauses in Riad. Al-Nimr hatte im Arabischen Frühling im Jahr 2011 die Abspaltung der ölreichen östlichen Regionen Katif und Al-Ihsaa befürwortet, in denen die meisten der rund zwei Millionen Schiiten Saudi-Arabiens leben.

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Nach den Hinrichtungen kam es in mehreren Ländern der Region zu Protesten gegen Riad, im schiitisch geprägten Iran fielen diese besonders heftig aus. In der Hauptstadt Teheran griffen hunderte Menschen am Samstagabend die saudiarabische Botschaft an und warfen Brandsätze in das Gebäude. In Maschhad wurde das saudiarabische Konsulat angegriffen. Am Sonntag demonstrierten in Teheran erneut 1500 Menschen gegen Saudi-Arabien.

Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei warnte Riad vor der "Rache Gottes". Präsident Hassan Ruhani sprach von einem "unislamischen" Vorgehen Saudi-Arabiens. Er kritisierte aber die Angriffe auf die saudiarabischen Vertretungen im Iran als "völlig ungerechtfertigt".

Schusswechsel in Saudi-Arabien

Bei einer Schießerei in der saudiarabischen Geburtsstadt des hingerichteten Scheichs al-Nimr wurde ein Zivilist getötet und ein Kind verletzt. Wie die amtliche Nachrichtenagentur SPA unter Berufung auf die örtliche Polizei berichtete, kamen die Beamten in der Stadt Awamija im ölreichen Osten des Landes am späten Abend unter "schweren" Beschuss. Dem Bericht zufolge gab es unter den Polizisten keine Opfer.

Wer die Schüsse abfeuerte, war zunächst unklar. In sozialen Netzwerken wurde der getötete Zivilist als "Märtyrer" gefeiert. Einige Internetnutzer gaben an, er sei von saudiarabischen Sicherheitskräften getötet worden. Das wurde von unabhängiger Seite zunächst nicht bestätigt.

Der Nachrichtenagentur SPA zufolge wurden Ermittlungen eingeleitet, die Sicherheitskräfte fahndeten demnach intensiv nach den Verantwortlichen der "terroristischen" Aktionen. Das verletzte Kind wurde ins Krankenhaus gebracht, es schwebte nicht in Lebensgefahr.

Weltweite Sorge vor Eskalation

Die USA riefen Saudi-Arabien und den Iran auf, Maßnahmen zur Beruhigung der Lage zu ergreifen. "Diplomatisches Engagement und direkte Gespräche" seien "bei der Überwindung von Schwierigkeiten äußerst wichtig", erklärte Außenamtssprecher John Kirby in Washington. Zuvor hatten auch schon die Bundesregierung sowie mehrere europäische und arabische Länder ihre Sorgen vor einer Eskalation ausgedrückt.

Die Beziehungen zwischen Riad und Teheran sind seit der islamischen Revolution im Iran 1979 angespannt. Riad wirft Teheran immer wieder die Einmischung in arabische Angelegenheiten vor. Beide Staaten verfolgen zudem gegensätzliche Interessen in der Region, was sich derzeit in den Konflikten in Syrien und im Jemen zeigt: Teheran unterstützt im Gegensatz zu Riad in Syrien Machthaber Baschar al-Assad und im Jemen die schiitschen Huthi-Rebellen, die von einer von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition bekämpft werden.

Haltung zu Saudi-Arabien steht zur Debatte

Saudi-Arabien galt dem Westen bisher als Stabilisator in der Region und wurde unter anderem mit Waffen unterstützt. Nach den Hinrichtungen wurden in Deutschland Forderungen nach einer Prüfung der Beziehungen laut. "Ich plädiere dafür, bei den Waffenlieferungen sehr zurückhaltend und auch ablehnend zu sein", sagte der SPD-Fraktionsvize Rolf Mützenich den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Zuvor hatten bereits die Grünen und die Linkspartei den sofortigen Stopp aller deutschen Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien gefordert. Die Bundesregierung hatte im ersten Halbjahr 2015 Rüstungsausfuhren im Wert von 3,5 Milliarden Euro genehmigt, darunter waren Exporte nach Saudi-Arabien im Wert von 178,7 Millionen Euro.

Quelle: n-tv.de

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